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Hier war einmal das Dombeisl.

Das Nachfolgelokal trägt zwar denselben Namen, die einst tiefgründig wienerische Atmosphäre aber lässt sich nicht einmal mehr erahnen.
Die Ecke Schulerstraße/Domgasse befindet sich in Rufweite des Stephansdoms, ist dem Herzen der Stadt aber auch sonst sehr nah. Dass hier, zwischen Touri-Cafés und Souvenirläden ein in jeder Hinsicht tiefgründiges, urwienerisches Beisl überlebte, in dem von diskreten Spiegeltrinkern bis zum einsamen Muatterl ein zusehends an den Rand gedrängter Teil der Innenstadt weiter dahinvegetieren konnte, gab Anlass zur Hoffnung - in Zeiten von Starbucks, Plachutta und sonst wie systemisierter Gastrofreundlichkeit schon gar.
Dann aber wurde das Dombeisl an einen Anwalt verkauft, der es samt wunderbar erhaltenem Hinterzimmer entkernen ließ, mit Eichenverkleidung der protzbiederen Art austapezierte und auch sonst dafür sorgte, dass vom fragil verwitterten Flair nur ja nichts überblieb. Alles sehr proper, dank grellgrünlicher Sparbeleuchtung auch abends taghell - und komfortabel. Endlich müssen auch die besonders wohlständig geformten unter den Gästen sich nicht mehr sorgen, dass die Bankerln auf die Dauer etwa hart werden könnten: Sie verfügen nunmehr über feiste, ja geradezu rückenspeckdicke Kissen.
Riedl-Klassiker
Für die Küche wurde Harald Riedl engagiert, der nicht zufällig als ein Lieblingskoch dieser Art gut gepolsterter Spesenesser, Amtsträger h. c. und sonstiger Systemerhalter gelten darf. Seine Küche ist auf schmeichelweiche Art nobel. Dass gefüllte Nudeln einerseits und seine berühmt molligen Mousses, Savarins und sonstigen Gelatineorgien anderseits als Riedl-Klassiker gelten, ist insofern nicht überraschend. Nach Jahren im (unlängst entschlafenen) Riegi hatte es ihn ins Vincent verschlagen, bevor er im Ringstraßenhotel der Radisson-Kette unterkam - dem aber das Restaurant just da wegen einer Neuplanung abhandengekommen war.
Das herausgeputzte Ex-Beisl passt aber gar nicht schlecht, um sich an Riedls über Jahrzehnte kaum veränderter Nobelküche zu laben. So findet sich sein zu Recht legendäres, gebackenes Parmesanei mit roh marinierter Makrele kaum verändert auf der Karte. Savarin vom Spargel mit Morcheln und Scampi (die sich am Teller als Zuchtgarnelen erweisen) mag eine Retro-Kreation von vorgestern sein, aber er hat diese hinterfotzig samtige Geilheit, der man sich kaum entziehen kann. Auch die Jungkrautravioli zum zwar knusprig, aber etwas übergarten Zander sind bissfest wie je und verfügen über einen seidigen Schmelz, wie ihn nur Riedl draufhat. Die Weinkarte ist üppig und wird von Sommelier Patrick Hopf kundig verwaltet. Was immerhin die Option eröffnet, sich diesen verhunzten Ort schönzutrinken. (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
Dombeisl
Schulerstraße 4
1010 Wien
Tel.: 01/512 03 02
Küche Mo.-Fr. 11.30-14.30 und 18-23 Uhr
VS € 6-18,50 HS € 22-26, Menü: 5 Gänge € 58
Fotos: Gerhard Wasserbauer
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Ist bei Herrm Corti bei diesem Bericht vielleicht nicht die seriöse Berichterstattung, sondern die private Freundschaft zu dem nicht in Auftrag bekommenden Architekten im Wege? Jeder soll sich von den Gaumenfreuden selbst überzeugen.
Da kommt jemand mit Geld, entfernt den Grind und die Wiener können nix als jammern!
Ganz abgesehen davon, wer also soll hingehen? Nach der Origie der Selbstbeweihräucherung die die wiener Eliten üblicherweise nach solchen Eröffnungen zelebrieren.
Nachdem also jeder hingegangen ist wird das in Rede stehende Lokal sich selbst überlassen.
Übrig bleiben die vielgeschmähten Touristen und die wenigen Habitues der Innenstadt.
Die sonstige Karawane zieht weiter - ins nächste eröfnnete Nobelbeisl!
Zwischen "Grind entfernen" und "bis zur Unkenntlichkeit und Fadesse glattbügeln und jegliche Individualität entfernen" ist aber ein himmelweiter Unterschied.
Man kann sehr wohl ein altes Beisl behutsam renovieren und entgrinden, ohne es zu entkernen.
Letzteres ist in Wahrheit ein leider nach wie vor ungestraftes Verbrechen.
als wäre der autor sehr grantig über die veränderung der inneneinrichtung des lokals und ist in diesem grant etwas herablassend den leistungen des kochs gegenüber, die anscheinend so schlecht nicht sind.
ich finde das ein bißchen unfair, denn köche sind für die lokalinneneinrichtung selten zuständig.
Good riddance!! Warum soll ich einem abgearbeiteten Beisl nachweinen, in das ich nie gegangen wär, weils rundherum 40 bessere Lokale gibt?
Sicher, der neue Look verleitet nicht zu Luftsprüngen, es ist komplett fad, aber: das Essen ist feiner?
Das ist ein Fortschritt.
Alter ist allein kein Qualitätskriterium, Tradition ist allein kein Qualitätskriterium und Authentizität ist erst recht für sich genommen kein Qualitätskriterium.
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