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Über allem thront der Ätna.

Um den Vulkan liegen Rebanlagen,...

...die zum Teil mehr als 100 Jahre alt sind.

Aus dem fruchtbaren Boden sprießt frisches Grün.
Der Ätna auf Sizilien hält sich ziemlich genau an seinen Schnitt: Er bricht etwa alle 20 Tage aus, wie eben zuletzt am 23. April. Meist öffnen sich kleinere Krater an den Flanken, der Vulkan spuckt Gas und Sand. Oft, aber nicht immer, bilden sich kleine Lavaflüsse, und dann beruhigt er sich auch rasch wieder. Das größte Problem ist, dass größere Aschenwolken den Flugverkehr in Catania, südlich des Ätnas gelegen, behindern können. Doch die Bewohner hier leben sehr gut mit dieser Situation.
Bei aller Tragik mancher Unfälle der Vergangenheit - 1979 starben neun Menschen, die zu nahe an einem ausbrechenden Krater waren: Große Zerstörungen hat er schon länger nicht mehr angerichtet, was dem größten und aktivsten Vulkan Europas im Volksmund neben anderen Spitznamen auch den des "buono vulcano" eingetragen hat. Dass er gut sein kann, verdankt er einerseits seiner Form, einem breiten Kegel mit sanften Abhängen, und zweitens Poseidon: Das ist der Name eines Überwachungssystems, das die Aktivitäten aller sizilianischen Vulkane sofort registriert, sodass im Falle eines Falles rechtzeitig gewarnt werden kann.
Fruchtbare Erde
Gut ist der Ätna auch wegen der Erde an seinen Hängen, die, wie man weiß, äußerst fruchtbar ist. Orangen- und Zitronenbäume wachsen hier wie bei uns Hollunderstauden, dazu speziell im Frühling bunteste Blumen und grünstes Gras. Diese Fruchtbarkeit bewirkt auch, dass sich rund um Vulkane gern Menschen ansiedeln, die sich landwirtschaftlich betätigen und zum Beispiel Rebstöcke pflanzen, und das, seit sich die Griechen hier auf der Insel niedergelassen haben.
Allen Geschmacksvorstellungen zum Trotz, die der Tatsache entspringen, dass sich Weinbau hier ja im heißen Sizilien abspielt, wo 1999 die höchste Temperatur Europas mit 48° gemessen wurde, ist der Ätna ein kühles Weinbaugebiet: Weingärten findet man hier bis auf 1000 Meter hinauf. Wegen der Erosion werden sie in breiten Terrassen angelegt, die durch niedere Trockensteinmauern aus Vulkangestein gestützt werden.
Zart und frisch
Die Rebanlagen der "Etna DOC" beginnen im Norden des Vulkans, wo tiefe Täler und dichte Wälder die Landschaft prägen, und ziehen sich wie ein Halbmond um den Vulkan entlang der östlichen, dem Meer zugewandten Seite nach Süden, wo die Landschaft in sanften Hügeln in Richtung Catania ausläuft.
Der Weinstil variiert von kühl, frisch und sehr knackig bis zu etwas fülliger, je nachdem, ob der Weingarten an der kühleren Nordflanke mit ihren tiefen, bewaldeten Tälern liegt oder in den deutlich wärmeren und zum Meer hin offenen Flächen der Ost- und Südseite wächst. Breit und plump werden diese Weine jedoch nie.
Bis zu zwanzig einheimische Sorten gedeihen hier, ein großer Schatz in Zeiten, in denen man sich wieder generell verstärkt Regionalsorten zuwendet, die dazu so schöne Namen tragen wie Carricante, Cattarato, Minella (weiß) oder Nerello Mascalese, Mantellato und Nerello Cappucio. Die Weine verblüffen mit Zartheit, Frische und aromatischer Intensität. Die Weißen stehen einem nördlichen Riesling an Leichtfüßigkeit und Duftigkeit um nichts nach, "Etna Rosso" hat das schöne durchscheinende Granatrot eines guten Burgunders, ebenso dessen Tiefgang. Und wie Mineralität schmeckt, wird nirgendwo klarer als hier.
Steinalte Weingärten
Die Weingärten sind teilweise steinalt, was auch so einige Weinmacher aus Italiens Norden hierhergebracht hat, die an der Wiederbelebung des Gebiets einigen Anteil haben. Federico Curtaz zum Beispiel kommt aus dem Aostatal an der Grenze zur Schweiz, hat viele Jahre bei Angelo Gaja im Piemont als Kellermeister gearbeitet, um sich dann am Ätna mit zehn eigenen Hektar niederzulassen.
Die Rebstöcke der Tenuta di Fessina sind zum Teil 80, 90, fleckenweise sogar bis zu 110 Jahre alt und verwachsen wie Skulpturen eines Bildhauers. "Ich habe eine Riesenfreude, in diesen Weingärten arbeiten zu können", erklärt Curtaz, dessen Begeisterung in seinen Weinen "A' Puddara" und "Il Musmeci" nachzuvollziehen ist.
Jüngere Rebstöcke erinnern besonders jetzt im Frühling mit den kleinen frisch ausgetriebenen knallgrünen Blättern an Bonsaibäumchen, vor allem wenn sie als "alberelle" (Einzelstöcke ohne Drahtgestell) wachsen, einer hier verbreiteten Wuchsform. Die Böden der Weingärten sind kohlschwarz, die Erde fühlt sich krümelig und rau an wie feines Schmirgelpapier und wird umso feiner, je älter sie ist. Die Lava ist höchst unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung. Zu diesen Grundbedingungen kommen noch Höhenlagen und Exponierung, alles in allem viele "Spielmöglichkeiten" für Winzer, die Sizilien-Reisenden und im Endeffekt uns allen zugute kommen. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
Info
Empfehlenswerte "Etna DOC"-Weingüter
Benanti
Firriato
Graci
Pietradolce
Tenuta di Fessina (F. Curtaz)
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