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Manche der seltenen Zitrusbäume sind so alt, dass auch Kaiserin Sisi sich ohne weiteres am Duft ihrer Blüten und dem Fleisch ihrer Früchte gütlich getan haben könnte. Heute sind sie Spitzenköchen wie Heinz Reitbauer vorbehalten.
Heimo Karner lässt sich gerne auf die Probe stellen. Ob er Zitronatzitronen habe? Selbstverständlich, kindskopfgroße sind auch dabei, gleich an der Hausmauer des Verwaltungsgebäudes. Calamansi, die in Südostasien so beliebte saure kleine Orange, die jedem pikanten Gericht dort die erfrischende Note verleiht, in Europa nicht aufzutreiben? Bitte schön, der Baum trägt Massen davon! Pomeranzen? Natürlich, von 180 Jahre alten Bäumen. Kaffirlimetten? Limequats? Australische Fingerlimetten? Bergamotten?
Buddhas Hand, jene wie eine schlanke Hand mit vielen Fingern geformte Zitronatzitrone, die in der Spitzengastronomie ähnlich wie Trüffel mit weißen Handschuhen und einem Hobel zelebriert wird? Klar, vermehren wir seit über einem Jahrzehnt selbst. Nicht einmal mit der Frage nach Meyer Lemons, die in ihrer Heimat USA fast kultisch verehrte und nicht exportierte Zitronen-Orangen-Kreuzung kann man den Zitrusgärtner in Verlegenheit bringen. Steht unten im anderen Gewächshaus neben der Limonade, sagt er. Heimo Karner meint kein Getränk, sondern eine Zitrussorte, die Heinz Reitbauer vom Steirereck besonders gerne verwendet. Dafür muss der ausgewiesene Zitrusfreak aber nicht nach Sizilien fahren, sondern nur nach Schönbrunn. Karner betreut dort die historische Zitrussammlung.
Sissis Pomeranzen
Zitrusfrüchte werden in Schönbrunn seit mindestens 365 Jahren kultiviert - so weit reichen die Aufzeichnungen zurück. Orangerien waren Statussymbole und die zugehörigen Gebäude zum Überwintern der empfindlichen Rautengewächse technische Meisterwerke. Sogar ein Orangeriekrankenhaus gab es Mitte des 19. Jahrhunderts in Schönbrunn - mobile, beheizbare Holzbaracken mit Fenstern, um die kränkelnde, vernachlässigte Sammlung wieder aufzupäppeln. Auch Karner hat vor knapp 15 Jahren eine nicht gerade gut gepflegte Sammlung aus 50 Bäumen übernommen. Weil er aber gleich nach seiner Ausbildung zum Gärtner begonnen hat, aus Zitruskernen Wildlinge zu ziehen, sind ihm die immergrünen, stets blühenden und gleichzeitig fruchtenden Zitrusfrüchte bald ans Herz gewachsen.
Bei den Bundesgärten hat man Karners Händchen für die nicht gerade pflegeleichten Pflanzen erkannt und ihm 1998 die wertvolle Sammlung übertragen. 400 Bäume aus knapp 100 Arten und Sorten sind es heute, darunter rund 30 historische. Die ältesten - Pomeranzen, Zitronen und eine Mandarine - sind rund 180 Jahre alt. Könnte durchaus sein, dass Kaiserin Sisi sich am Duft der Blüten - Neroli - erfreut oder Marmelade aus den Früchten jener Bäume gegessen hat, die heute vier bis fünf Meter hoch der Stolz des Zitrusgärtners sind.
Zitrusguru mit drei Jüngern
Von Mai bis Ende September kann man die Zitrussammlung im Kronprinzengarten besichtigen. Dort ist ein Teil der 400 Pflanzen über den Sommer nach historischem Muster aufgestellt. Der Garten ist versperrt und nur gegen einen kleinen Obolus zu besichtigen - das schützt zwar vor Vandalismus, aber auch vor Bekanntheit. Selbst die grün lackierten Holzkübel werden eigens von einem Fassbinder in Schönbrunn gefertigt.
Doch die ganze Pracht gibt's nur an vier Tagen im Jahr zu sehen und kosten: bei den heuer zum 12. Mal stattfindenen Wiener Zitrustagen, organisiert von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft und den Bundesgärten. Wenn Heimo Karner Zeit hat, zeigt er seine Schätze gerne selbst her. Mit einem alten, vergilbten Bestimmungsbuch unter dem Arm und seiner Gartenschere in der Hand streift er von Baum zu Baum und erzählt von panaschierten Orangen, Landsknechthosen (seiner Lieblingssorte) und rosafarbenen Zitronen. Die sattgrünen, glänzenden Blätter, duftenden Blüten und stark riechenden Schalen der Raritäten verdrehen einem im Vorbeigehen den Kopf.
Botanischer, historischer und kulinarischer Schatz
Karner, der sich wegen seiner gesunden, schönen Bäume längst einen Ruf als Zitrusguru erarbeitet hat und auch die spezielle Zitruserde u. a. aus vier Jahre kompostiertem Laub und Pferdemist selbst herstellt, will unbedingt den Arbeitskreis Orangerien erwähnt wissen, der europaweit Know-how, Pflanzen und sogar Erde austauscht. Von der Leidenschaft profitieren aber nicht nur Zitrusgärtner/innen, sondern auch einige wenige Köche. Neben Heinz Reitbauer sind das Peter Zinter vom Restaurant Vincent und Christian Domschitz vom Vestibül. Sie haben als Erste und bis dato Einzige erkannt, in welcher Qualität hier völlig unbehandelte Zitrusfrüchte zum Greifen nahe wachsen.
Sie sind fest und glatt, duften intensiv und halten selbst bei Zimmertemperatur wochenlang. Dass bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist, Emperors-Choice-Marmeladen, Eau de Sisi oder Kaiserkracherl aus dem Schönbrunner Gold anzubieten, ist verwunderlich. Österreichs wichtigste Tourismusdestination beherbergt einen botanischen, historischen und kulinarischen Schatz, der noch nicht einmal als solcher erkannt wird. (Katharina Seiser, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
Besuch erwünscht!
Von 17. bis 20. Mai finden die 12. Wiener Zitrustage in Schönbrunn statt. Es gibt Führungen, Vorträge, Ausstellungen, Zitruspflanzenverkauf und die Gelegenheit, die österreichweit einzigartige Zitrussammlung zu erleben. Fruchtverkostungen werden am Donnerstag und am Sonntag angeboten. Detailliertes Programm siehe unten stehenden Link - dort ist auch die soeben erschienene Zitrusbroschüre erhältlich.
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hätt ich gewusst dass sich nach de r"buddhas hand" alle gastronomen die finger abschlecken hätt ich letztens beim bellaflora zehn stauden davon gekauft und dann um die früchte einzeln teuer weiterverkauft.
Die "in Europa nicht aufzutreibende" Calamansi (=Calamondin) ist neben der ovalen Kumquat (Fortunella margarita) wohl die am meisten verkaufte Citruspflanze bei uns - kein Baumarkt, die die nicht führt...
Und auch die Meyer-Zitrone bekommst fast überall. Vielleicht hätte man dem Herrn Karner hier besser zuhören können..
Ansonsten - danke für die Erinnerung und das Publikmachen der Wiener Zitrustage.
bei garten- und baumärkten nicht blind verlassen. was ich da schon alles an falsch etikettierten pflanzen gesehen (und auch schon gekauft habe), kann ich gar nicht mehr aufzählen.
dieses schindluder wird auch bei feigen, anderen fruchtgehözen oder etwa bei der trachycarpus fortunei (chin. hanfpalme) getrieben.
die qualität (wurzelsystem) ist dabei selten über jeden zweifel erhaben. massenware von großproduzenten (nicht immer)
stimmt, die pflanzen sind zu bekommen (fragen sie mal herrn karner und andere zitrusprofis über die qualität der oft in baumärkten angebotenen pflanzen und deren erde), die früchte jedoch nicht. in der gastronomie (und privatleuten mit entsprechenden gärten/terrassen und überwinterungsräumen) ist es kaum möglich, die nicht gerade einfache zitrus-kultur übers jahr hinweg zu pflegen, um dann nach bedarf und in ausreichender menge zitrusfrüchte ernten zu können. die arten- und sortenauswahl an (unbehandelten!) zitrusfrüchten ist in österreich im einzel- wie großhandel leider mickrig, was verschiedene gründe hat (u. a. zitruskrankheiten).
Ich war auf die Pflanzen konzentriert und habe die Aussagen nicht auf die Früchte bezogen. Hier ist in der Tat die Auswahl (insbesondere bei nicht behandelten Früchten) nicht so groß.
Was die Qualität der Pflanzen in Baumärkten (und ich bin der Meinung, daß Pflanzen dort nicht verkauft gehören; gleichwenig wie beim Hofer und Konsorten) betrifft, kann man hier doch auch manchmal Glück haben - und ich habe schon Pflanzen in Fachmärkten gesehen, die trauriger ausgeschaut haben.
Bezüglich Erde ist ohnehin anzuraten, die Pflanze nach dem Kauf gleich umzutopfen und komplett mit neuer Erde zu versorgen. Und - das gilt auch für Pflanzen, die auf den Zitrustagen gekauft werden!
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