Der Polizeipunsch und der Hausfriedensbruch

3. Mai 2012, 19:16
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39-Jähriger irrte sich betrunken an der Tür und zertrümmerte fremde Wohnung

Wien - Indirekt trägt die Polizei Mitschuld, dass Christian H. vor Richterin Nicole Baczak sitzt. Denn der exekutive Punsch ist alkoholmäßig nicht ohne. Und der 39-Jährige hat am 30. November in Wien-Favoriten davon getrunken. Kombiniert mit Bier, Wodka und Medikamenten war die Wirkung berauschend. Genauer: Er hatte gut drei Promille.

Was ein Problem wurde, da sich H. in seiner Wohnanlage an der Tür geirrt hat. Es ist nämlich Hausfriedensbruch, wenn man zu einem Wildfremden in die Wohnung stürmt und dort die Einrichtung zertrümmert.

Der Selbstständige ist schon aufgelöst, als er vor der Richterin Platz nimmt. "Es sind zwei Verträge von Kunden gekündigt worden, da ging ich echt was saufen", erzählt er, unterbrochen von Schluchzen. Er hat ein Alkoholproblem, nach Lokalen besuchte er auch den Polizeipunschstand. " Ich habe dort extra mehr gespendet, weil ich es toll finde, was die Polizei in Favoriten macht, der ist ein schwerer Bezirk." Fünf Stunden lang trank er, ehe er nach Hause wankte und sich an nichts mehr erinnern kann.

Vorurteile bezüglich der Physiognomie bestätigen sich nicht

Den Tatablauf erzählt Stefan W., das Opfer. Der bei seinem Auftritt Staunen auslöst. Denn im Akt steht nur, dass er Buchhalter beim Bund ist, was Vorurteile bezüglich der Physiognomie dieser Berufsgruppe aktiviert. Allerdings erscheint ein 25-jähriger Bodybuilder, der den Angeklagten um knapp 20 Zentimeter überragt.

"Ich bin am Abend beim Essen gesessen, als es geklopft hat. Draußen ist ein Betrunkener gestanden, der dann in die Tür gegriffen hat." Es entstand ein Streit, H. drängte in die Wohnung, der Zeuge flüchtete schließlich. Warum, will Verteidiger Peter Philipp wissen, der so einen Fall in seiner 40-jährigen Tätigkeit noch nie erlebt hat. "Ich wollte das ohne Gewalt lösen, wusste nicht, wer er war und ob er ein Messer hat."

Den Sachschaden hat H. zwei Tage später ersetzt, im Saal entschuldigt er sich wortreich. "Sie hatten mehr Glück als Verstand, das hätte für Sie auch mit einer Verletzung ausgehen können", spielt Baczak auf den Körperbau des Opfers an. Ihr rechtskräftiges Urteil für die Tat im Zustand voller Berauschung: drei Monate bedingt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 4.5.2012)

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