Feste Opernumarmung

Ljubiša Tošić, 3. Mai 2012, 19:03
  • Eifersucht und Verzweiflung in guten Händen: 
Waltraud Meier in " Cavalleria Rusticana".
    vergrößern 560x800
    foto: wiener staatsoper / michael pöhn

    Eifersucht und Verzweiflung in guten Händen: Waltraud Meier in " Cavalleria Rusticana".

"Cavalleria Rusticana" und "Pagliacci": eine alte Inszenierung, belebt von der Intensität der Sänger

Wien - Wenn am 8. Mai für dieses Operndoppel zum letzten Mal - in dieser Serie - der Vorhang hochgeht, dann wird dies die 100. Aufführung von Pietro Mascagnis Cavalleria Rusticana und die 102. Vorstellung von Leoncavallos Pagliacci gewesen sein. Vor allem Jean-Pierre Ponnelles Cavalleria-Inszenierung kann - bezüglich Ästhetik - ihr vorgerücktes Alter nicht ganz verbergen - siehe die schlappen Gruppenszenen.

Es gehört zum - unter den Notwendigkeiten und Limitationen der täglichen Aufführungslast ächzenden - Repertoiretheater allerdings auch die Hoffnung auf Akteure, die aus sich heraus Figuren szenisch erfrischen - und da landete Cavalleria bei Waltraud Meier in guten Händen. Die erprobte Wagner-Sängerin ist eine Schauspielerin von hoher Intensität und Genauigkeit.

Und sie verleiht Santuzza all jene Subtilität, die theatrale Glaubwürdigkeit nach sich zieht. Zusammen mit dem (indes mitunter etwas ziellos) entfesselten Peter Seiffert (als Turiddu) sorgt sie auch vokal für hohe Unmittelbarkeit, garantierte also für jene Impulsivität, die auch bei Absenz vokaler Extrafeinheit Abende gelingen lässt. Nimmt man das Staatsopernorchester und Dirigent Asher Fisch hinzu, die auch ein bisschen fetzig agierten, aber auf schöne Kontraste nicht verzichtete, war diese Cavalleria wie eine etwas zu feste Umarmung, an der man sich dennoch erfreuen konnte.

Etwas subtiler dann das Orchester bei Pagliacci, der mit Lucio Gallo einen sehr soliden Tonio hatte (wie zuvor auch einen guten Alfio). Eine prägnante Tamar Iveri (als Nedda) schließlich erlag den Messerstichen von Gustavo Porta (als Canio), der über Kraft und Schönklang verfügt, zum Schluss hin dann aber doch ein wenig zu unsicherer Linienführung neigte. Auch hier aber: Bewundernswerter Einsatz, der letztlich für manchen Stolperer entschädigte. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 4.5.2012) 

4. und 8. Mai, 19.00

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.