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Das TV-Duell der französischen Präsidentschaftskandidaten vier Tage vor der Stichwahl war ein hartes, gespanntes, bisweilen aggressives Wahlkampffinish. Selten zuvor hatte dieses Ritual eine ähnliche Intensität erreicht. Der Höhepunkt eines monatelangen und erbitterten Wahlkampfes wurde zum Kondensat der Lage der Nation: Frankreich steht selbst unter Spannung, und das sowohl sozial - Stichwort Krise - als auch politisch - Stichwort Le Pen. Immerhin sprachen Nicolas Sarkozy und François Hollande diese Probleme erstmals wirklich an. Und ihre klassische Rechts-links-Debatte verlief inhaltlich und rhetorisch auf hohem Niveau.
Doch wie im Fußball interessiert letztlich nur die Frage, wer gewonnen hat. Die Antwort ist klar: unentschieden. Und das begünstigt eher Hollande. Sein Ziel war es, gegen den gewieften Rhetoriker Sarkozy zu bestehen. Gerade weil der Amtsinhaber stark war und zu Beginn souveräner wirkte, kann es sich der Sozialist anrechnen, den Ansturm zumindest gut pariert zu haben.
Im Nachhinein zeigt sich: Das TV-Duell war Hollandes letzte und schwierigste Wahlkampfprüfung - und er hielt dem Druck stand. Damit bewies er der Nation, dass er kein Leichtgewicht, sondern "präsidential" ist. Das heißt noch nicht sicher, dass er am Sonntag auch wirklich siegen wird. Aber es heißt, dass in den Augen der Franzosen nichts mehr dagegen spricht, ihm die Stimme zu geben. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 4.5.2012)
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Bei dieser Wahl geht es nicht mehr um Personen, sondern um Konzepte. So überraschend kann die Rückkehr der Koordinaten von Links und Rechts sein, die von den Theoretikern der zweiten Moderne schon in die Geschichte verbannt wurde.
Sarkozy hat klar gewonnen. Sein Auftritt war staatsmaennischer, gewiefter und rhetorisch besser. Hollande wirkte auf mich wie ein typischer Apparatschik, der die Politik nur aus der Theorie und von Sozialistentreffen kennt.
Sarkozy dagegen wusste immer, wovon er sprach, kannte viele Details und zeigte sein gewohntes Macherimage.
Muehsam waren diese typisch franzoesischen Wortwechsel:"Es stimmt!" "Nein, stimmt nicht!" "doch, es stimmt!" "nein, stimmt nicht!"...
Aber was solls, solange es den Franzosen gefaellt. Und Machertypen moegen die Franzosen nicht. Sie moegen lieber die Noergler, die bei einem cafe ueber Gott und die Welt philosophieren.
im best case (aus sicht sarkozys) gab es, laut diverser medien und umfragen, ein unentschieden. sogar in toulon bei seiner letzten großen veranstaltung gab es nicht wenige anhänger und parteigänger, die mit seiner performance am mittwoch nicht zufrieden waren.
sarkozy war von der "stärke" hollandes überrascht, hatte er doch mehrmals zu verstehen gegeben, dass er sein gegenüber "exploser" würde. nichts von dem... einem zwar rhetorisch und im verdrehen von tatsachen überlegenen sowie aggressiveren sarkozy stand ein sachlicherer, informierter und recht sattelfester hollande gegenüber. chapeau dem franz. staatsfernsehen france 2, das gestern gleich 3 falsche oder beschönigende angaben von sarkozy richtig stellte.
Sarkozy war fast heiser, suchte ständig Bestätigung bei den Journalisten, verfiel dann zeitweise ganz. Auch ohne Französischkenntnisse muss Ihnen aufgefallen sein, dass Sarkozy 'freihändig' daher fabulierte. Es stimmt nicht, dass den Franzosen das gefallen hat. Während Sarkozy Hollande mehrfach beleidigte ('kleiner Lügner', 'Pontius Pilatus', 'Sie lügen' etc.) hat Hollande kein einziges Mal etwas derartig Niederes und Plattes von sich gegeben oder Sarkozy beleidigt. Rein vom ethischen Standpunkt aus gesehen lagen Welten zwischen beiden. Sarkozy wirkte nicht nur fantasielos und verbissen, er ist out.
http://www.tv5.org/cms/chain... lleurs.htm
Nun, Sarkozys "Art" moegen die Franzosen grundsaetzlich nicht so besonders. Darauf wollte ich hinaus, sie moegen keine Macher. ICH fand S. besser.
H. ist ihm auch oft ins Wort gefallen, zwar nicht so untergriffig, aber doch oft.
Fuer mich war das ein Kampf Theoretiker gegen Praktiker. Sarkozy kennt den Apparat in-und auswendig und das hat man gemerkt. Hollande hat nur Ideen.
ideen zu verteidigen als eine bilanz zu verteidigen... wobei die bilanz sarkozys auch dann desaströs ist, wenn nicht alles auf seine kappe geht (denn er hat natürlich strukturen und rahmenbedingungen geerbt).
es liegt aber in der natur eines herausforderers oder der opposition, die ideen den wählern zu unterbreiten. das war ja bei den beiden kandidaten vor 5 jahren auch so :)
Nicht dass wir es nicht schon längst wissen würden durch welche Brille Brändle die französische Politik sieht, aber der letzte Satz ist einem Korrespondenten nicht würdig.
und als Sarkoszy wissen wollte, wie er das zu finanzieren gedenke, sprach Hollande von Krediten, die er aufzunehmen gedenke, und wechselte dann ganz schnell das Thema.
Also ich denke, sollte Hollande ernst meinen, was er ankündigt, dann wird es mit Frankreich unter seiner Ägide rasch bergab gehen. Aber vermutlich schmiert er den Leuten Honig ums Maul, und hält dann nichts von den großen Versprechungen. Auch Frankreich muss nämlich sparen - und steht sowieso bereits unter Beobachtung der gestrengen Ratingagenturen.
600 mrd euro neues staatsdefizit unter sarkozy bei gleichzeitiger kürzung der sozial- und anderer leistungen. das kann hollande nicht schlechter machen und wenn sie ordentlich zugehört hätten, wüssten sie auch dass der konsum wieder stimuliert gehört und dringend etwas gegen die abwanderung von produktion gemacht werden muss.
sarkozy ist es nicht gelungen, seinen kontrahenten auf unsicheres terrain zu führen.
wie auch immer, die meisten franzosen werden es anders sehen als sie :)
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