Internet-Auktion gegen Preisabsprachen am Bau

3. Mai 2012, 19:07
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Die Stadt Salzburg prescht vor: Mit einer Art umgekehrtem Ebay-System sollen Bauprojekte für die öffentliche Hand billiger werden. Baufirmen können online das beste Angebot unterbieten und so den Auftrag "ersteigern"

Salzburg - Die Stadt Salzburg legt sich mit der Bauwirtschaft an. "Es reicht", sagen Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP) und Baudirektor Walter Hebsacker. Man sei nicht mehr bereit, weit über den realen Kosten liegende Fantasiepreise zu bezahlen.

Das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen hat vergangenes Jahr die geplante Neugestaltung einer Kreuzung in Bahnhofsnähe gebracht. 350.000 Euro dürfe ein neuer Kreisverkehr kosten, haben die Fachleute der Baudirektion errechnet. Sie staunten nicht schlecht, als sie die Angebote öffneten: Der Billigstbieter wollte das Doppelte. Das Projekt wurde daraufhin sofort auf Eis gelegt.

In Folge des abgesagten Kreisverkehrs geht der Magistrat nun ganz neue Wege. Ausgehend vom Preis des Bestbieters können die an einer Ausschreibung beteiligten Bauunternehmen ihre Anbote via Online-Auktion nach unten nachbessern. Die Bieter können so von sich aus Nachlässe gewähren.

Enge Zeitfenster

Die Zeitfenster dieser "Versteigerung nach unten" sind mit drei Minuten äußerst knapp bemessen. Damit würden auch mögliche Preisabsprachen der Bieter untereinander unmöglich, betont Schmidt. Die neue Auktionsform ist laut Hebsacker nach einer Novelle des Bundesvergabegesetzes aus dem Jahr 2009 möglich. In der Privatwirtschaft sei das System ohnehin längst üblich. Seiner Schätzung nach könnte man bei einzelnen Projekten bis zu 30 Prozent einsparen. Genaue Zahlen will er aber nicht nennen, da die zwei auf diese Weise erfolgten Vergaben von den großen Platzhirschen der Branche beeinsprucht worden seien.

Dabei handelt es sich um eine Straßendeckensanierung und Arbeiten bei einem Sportzentrum. Nach der Versteigerung hätten sich die Preise jedenfalls plötzlich stark der von den Experten der Baudirektion vorgelegten Berechnungen genähert. Die Empörung unter den Großen sei riesig, berichtet Schmidt und ergänzt: "Mafia sage ich aber nicht." Die Quasi-Versteigerung von Baulosen sei vor allem im Tiefbaubereich interessant, heißt es aus der Baudirektion. Im Hochbau, bei Brücken oder Kanälen würden relativ viele Firmen mitbieten und so die Kosten drücken. Der vergangenes Jahr erbaute neue Wilhelm-Kaufmann-Steg über die Salzach etwa hätte statt der ursprünglich geschätzten 2,8 Millionen nur 2,1 Millionen gekostet.

Monopolstellung

Im Straßenbau und in der Straßensanierung hingegen hätten die fünf großen in Salzburg ansässigen Firmen wesentlich weniger Konkurrenz zu fürchten, da nur sie über entsprechend leistungsfähige Asphaltmischanlagen verfügen würden. Bei den Online-Versteigerungen würden aber auch vermehrt auswärtige Firmen mitbieten und so die Preise dämpfen.

Setzt sich das System mit einem Sparvolumen von bis zu ein Drittel durch, könnten sich die Kommunen viel Geld ersparen. So hat allein die Stadt Salzburg beispielsweise für heuer im Budget ein Tiefbauvolumen von 27 Millionen Euro veranschlagt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 4.5.2012)

  • Das Projekt des Anstoßes: 350.000 Euro sollte nach Schätzung der 
Salzburger Bauabteilung die Umgestaltung dieser Kreuzung in Bahnhofsnähe
 kosten. Der Bestbieter wollte das Doppelte.
    foto: stadt salzburg

    Das Projekt des Anstoßes: 350.000 Euro sollte nach Schätzung der Salzburger Bauabteilung die Umgestaltung dieser Kreuzung in Bahnhofsnähe kosten. Der Bestbieter wollte das Doppelte.

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