"Es wird der Erfolg der gesamten FDP sein"

Interview3. Mai 2012, 18:23
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Wolfgang Kubicki, FDP-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, ist überzeugt: Seine Partei schafft diesmal den Sprung in den Landtag. Denn jetzt setze sie auf das richtige Thema: Schuldenabbau statt Steuerreform.

STANDARD: Macht Wahlkampf noch Freude, wenn die eigene Partei in einer so desaströsen Lage steckt und eine Landtagswahl nach der anderen verliert?

Kubicki: Ich widerspreche Ihrer Lageanalyse. Der FDP geht es gut, wir erhalten viele positive Rückmeldungen, und die Umfragewerte sind zufriedenstellend. Ich bin jetzt zum fünften Mal Spitzenkandidat der FDP in Schleswig-Holstein, und der Wahlkampf macht genau so viel Spaß wie früher. Die Umfragen sehen uns wieder deutlich im Landtag.

STANDARD: Sie sprachen schon von der Wiederauferstehung der FDP. Erfolgt die am Sonntag?

Kubicki: Das habe ich zu Ostern gesagt, da passte es. Und ich bin überzeugt: Unser Einzug in den Landtag in Schleswig-Holstein gibt der FDP eine Woche später bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen noch zusätzlich Schwung.

STANDARD: Also trotz Philipp Rösler an der Parteispitze?

Kubicki: Mit Herrn Rösler. Wir kämpfen nicht gegen die eigene Parteispitze, sondern als geschlossene Formation. Es wird der Erfolg der gesamten FDP sein. Außerdem sollte man Landtagswahlen wie jetzt in Schleswig-Holstein und nächste Woche in Nordrhein-Westfalen nicht zu einer kleinen Bundestagswahl stilisieren.

STANDARD: Warum kommt die FDP nicht aus ihrem Tief? Warum kann Parteichef Philipp Rösler die Hoffnungen nicht erfüllen, die er vor einem Jahr geweckt hat?

Kubicki: In Umfragen liegen wir bundesweit wieder bei fünf Prozent. Denn die Menschen haben begriffen, dass es bei der FDP einen Paradigmenwechsel gegeben hat: Oberstes Ziel sind jetzt Haushaltssanierung und Schuldenabbau. Eine Steuererhöhung hingegen wird es in den kommenden Jahren nicht geben.

STANDARD: Das große Wahlkampfversprechen aus dem Jahr 2009, nämlich eine umfassende Steuersenkung, gilt nicht mehr?

Kubicki: Natürlich behalten wir unser Ziel, die Menschen zu entlasten, weiterhin im Auge. Aber das wird nur langsam und schrittweise geschehen. Das verstehen die Menschen auch. Sie wissen: Schuldenabbau, Steuersenkung und Finanzierung von Bildung ist nicht gleichzeitig leistbar.

STANDARD: Jetzt wird bei der FDP das Thema "Wachstum" großgeschrieben. Was sollen die Menschen mit dieser Botschaft anfangen? Wachstum will doch jeder.

Kubicki: Ich verstehe darunter ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt, das den Menschen in Deutschland Wohlstand garantiert.

STANDARD: Ist der Begriff Wachstum jetzt das neue Mantra der FDP, so wie früher die Steuersenkungen?

Kubicki: Nein, das würde uns ja nicht weiterhelfen. Unser Parteichef Philipp Rösler versteht den Begriff umfassend und meint damit unter anderem auch eine Verbesserung der Lebenschancen für junge Menschen.

STANDARD: Sie erteilen Ihrer Partei gern öffentlich Ratschläge. Warum gehen Sie nicht selbst in die Bundespolitik und machen es besser?

Kubicki: Ich fühle mich in Schleswig-Holstein zu Hause.

STANDARD: Sie geben lieber den "Hofnarren"?

Kubicki: Ich sage meine Meinung, das ist in einer demokratischen Partei so üblich. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 4.5.2012)

Zur Person:

Wolfgang Kubicki (60) trat 1971 in die FDP ein. Von 1990 bis 1992 war er Bundestagsabgeordneter, seit 1992 ist er im Landtag von Schleswig-Holstein vertreten, seit 1996 als Fraktionschef. Kubicki ist auch als Rechtsanwalt tätig. 1997 verteidigte er am Landgericht Kiel Hans-Peter Daimler. Der langjährige Geschäftspartner von Udo Proksch wurde in der Lucona-Affäre zu einer 14-jährigen Haftstrafe verurteilt.

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    Wolfgang Kubicki, FDP-Spitzenkandidat, ist optimistisch vor der Wahl am Sonntag.

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