AUA wartet auf Piloten-Abgänge

Es gibt zarte Signale einer gütlichen Einigung mit der Belegschaft. Betriebsbedingte Kündigungen sind in Wien nicht geplant

Wien - Nach Quartalsverlusten bei Lufthansa, AUA und Swiss wird Europas größter Airline-Konzern einer Rosskur unterzogen. Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr schloss nun auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Fix ist, dass 3500 Verwaltungs-Mitarbeiter weltweit abgebaut werden, 2500 davon in Deutschland.

Die von Lufthansa übernommenen Airlines wie Swiss oder AUA hätten eigene Strukturen in den Konzern mitgebracht, die nach Einschätzung der Lufthansa zu Doppelungen geführt haben. Hier seien größere Einsparungen mit Stellenstreichungen zu erreichen, sagte der scheidende Finanzvorstand Stephan Gemkow. Konkret sollen Buchhaltung, Personalführung und Einkauf zusammengefasst werden. Anders sehe es im operativen Geschäft aus. Dort werde vor allem der Umstieg auf größere, effizientere Jets helfen, Personalkosten einzusparen, ohne das Angebot zu verringern.

Neuer Dienstplan

In Wien schloss AUA-Chef Jaan Albrecht betriebsbedingte Kündigungen allerdings aus. Wie viele Piloten infolge des eingeleiteten Betriebsübergangs auf die Tyrolean das Unternehmen verlassen werden, dürfte erst in einem Monat feststehen, wenn das 30-Tage-Sonderkündigungsrecht endet.

Albrecht hofft, dass kein Pilot gehen wird. Nachdem den Mitarbeitern bereits die neuen Unternehmensrichtlinien (anstatt der beiden gekündigten Kollektivverträge von AUA und Tyrolean) zugesandt wurden, warten die Mitarbeiter gespannt auf den neuen Dienstplan, der jeweils am 20. eines Monats veröffentlicht wird. Wenn dort neue geänderte Arbeitszeiten stünden, würde das im Chaos münden, heißt es, zumal die Belegschaft darauf baut, dass der Kollektivvertrag auch nach der Kündigung noch ein Jahr nachwirkt.

Nach Informationsveranstaltungen hieß es AUA-intern, dass die Tür für eine Abwendung des Betriebsübergangs nun doch noch nicht ganz zu sein soll. Einige Mitarbeiter sehen die Situation anders als der Betriebsrat. Wenn dem so wäre, müsste aber der nächste Schritt von der Belegschaft kommen, wurde betont. Das Zeitfenster für einen anderen Weg als dem des Betriebsüberganges, der mit großen rechtlichen Hürden verbunden ist, sei jedenfalls sehr eng.

Hohe Treibstoffpreise belasten

Die AUA hat im ersten Quartal einen Rekordverlust von 67 Mio. Euro erzielt. Albrecht führt das auf die hohen Treibstoffpreise und Gebühren zurück, die 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Insider fragen sich, wie die Treibstoffpreise derart auf das Ergebnis durchschlagen können, wenn die Lufthansa (auch für die AUA) einen Großteil des Treibstoffbedarfs hedgt, also absichert. Gemkow sagte bei der Bilanzpräsentation Mitte März wörtlich: "Für das Jahr 2012 haben wir 74 Prozent unseres Bedarfs gesichert. Die Sicherungsgeschäfte führen ab Ölpreisen von 107 Dollar pro Barrel zu Sicherungsgewinnen, sodass wir statt des aktuellen Ölpreisniveaus von ca. 122 Dollar durchschnittlich nur 116 Dollar pro Barrel bezahlen." Zur Orientierung: Am Donnerstag lag der Ölpreis bei 118 Dollar. In Summe gibt der Konzern fast sechs Mrd. Euro für Treibstoff aus.

Die AUA werde, so Albrecht, auch heuer einen Verlust schreiben und den Break-even erst 2013 erreichen. Das erste Quartal ist bei den Airlines meist tiefrot, Gewinne werden in der Regel erst in der Hauptreisezeit im Sommer erzielt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 4.5.2012)

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