Eingefrorene Immo-Fonds lassen Anleger zittern

Deutsche Privatanleger erhofften sich von offenen Immobilienfonds einen attraktiven und sicheren Hort für ihr Geld und wurden enttäuscht

Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschungen groß. Deutsche Privatanleger erhofften sich von offenen Immobilienfonds einen attraktiven und sicheren Hort für ihr Geld, einen Ersatz für das Sparbuch, Betongold eben. Doch dann kam die Krise und mittlerweile sind laut Zahlen des deutschen Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) 24 Milliarden Euro an Anlegergeldern in "offenen" Immobilienfonds eingefroren oder in Fonds veranlagt, die abgewickelt werden.

Vor Schickssalsentscheidungen

In den kommenden Wochen entscheidet sich das Schicksal von zwei großen Immobilienfonds in Deutschland. Bis zum 7. Mai dürfen Anleger des SEB Immoinvest mit den Füßen abstimmen. Denn für diesen einen Tag ist der 6,3 Milliarden Euro schwere Fonds zum Handel geöffnet. Reichen die Barmittel aus, um die Auszahlungswünsche von Anlegern zu befriedigen, bleibt der Fonds bestehen, ansonsten muss er abgewickelt werden. Auch der ebenfalls über sechs Milliarden schwere CS Euroreal wird in den kommenden Wochen über sein Schicksal entscheiden.

Bezeichnender Fall

Der Fall des SEB Immoinvest ist bezeichnend. Der Fonds ist seit knapp zwei Jahr eingefroren. Die SEB Asset Management hat bei Anlegern um den Fortbestand des Fonds geworben. Zwar werde das Portfolio um fünf Prozent wertberichtigt, aber die Anleger sollen dem Fondsmanagement die Treue halten. "Es war der einzige gangbare Weg, um eine Alternative zur Auflösung zu zeigen", sagte Fondsmanagerin Barbara Knoflach. Bis zum 7. Mai sammelt die SEB die Rücknahmewünsche der Anleger ein. Wenn die durch den Verkauf von 17 Immobilien auf knapp eine Milliarde Euro angeschwollene Liquiditätsdecke ausreicht, wird der Fonds weiter existieren. Ansonsten wird er wie viele andere abgewickelt - laut BVI befinden sich Fonds mit 9,66 Mrd. Euro Volumen in Abwicklung.

Privatanleger als Unbekannte

Die große Unbekannte bei dem Testlauf der SEB sind die Privatanleger. Wie diese agieren, ist zwar unklar, aber abzusehen. Viele werden wohl verkaufen, ist es doch auch der Tipp von Anlageschützern wie Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Daher warnen Branchenkenner auch vor dem Imageverlust, der mit der Hauruck-Aktion am 7. Mai entstehen kann.

Anleger in deutschen Immobilienfonds können aktuell auf 24 Milliarden Euro ihres Geldes nicht mehr zugreifen. Wie hoch ihre Verluste am Ende sein werden, steht in den Sternen. Denn bei der Abwicklung könnten die Fondsmanager auch weitere Verluste realisieren müssen. Vielfach sind die Fonds in Gewerbeimmobilien veranlagt, die in mittelgroßen deutschen Städten stehen, außerhalb der boomenden Ballungszentren.

Anleger fürchten sich offenbar vor hohen Verlusten, darauf deuten jedenfalls die Handelsplätze für havarierte Immofonds hin. Investoren können ihre Anteile an einer Börse versilbern - wenn sie Abschläge von bis zu 30 Prozent hinnehmen. So wurde etwa der SEB Immoinvest zuletzt bei 36 Euro gehandelt, der Rücknahmepreis liegt hingegen bei 51 Euro. (Lukas Sustala, derStandard.at, 3.5.2012)

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