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Für den UniStandard-Selbstversuch blieb mein Platz im Hörsaal letztes Semester frei. Mein Ziel: ein Semester mit weniger als zehn Besuchen an der Uni positiv zu absolvieren.
Es schneit, es stürmt, es ist bitterkalt. Meine Motivation, mich Richtung Universität zu bewegen, sinkt gegen null. Oder: Ein Seminar steht an, aber auch der Nebenjob drängt sich kräftig auf.
Zerrissen zwischen Schweinehund und Sachzwang, entscheide ich mich, ein Experiment zu begehen: Gelingt es, ein Semester lang zu studieren, ohne dass die Anzahl der Uni-Besuche den einstelligen Bereich übersteigt?
Fünf Vorlesungen und zwei Seminare sollte ich dieses Semester absolvieren, um im Magisterstudium Publizistik in Mindestzeit zu bleiben. Vorlesungen stellen dabei noch das geringste Problem dar, am wenigsten jene, deren didaktische Konzeption das wortwörtliche Vorlesen eines seit Jahren unveränderten Skripts nicht übersteigt. Also auf zur Uni-Buchhandlung, um mir mithilfe jener Skripten den Besuch zweier Vorlesungen ersparen zu können.
In dieselbe Kategorie wie jene "Skripten-VOs" fallen die ebenfalls eher ruhmlosen "Power-Point"-Vorlesungen: Alles, was Professoren in diesen außer dem Inhalt der präsentierten Folien verbreiten, ist eher von kaffeeklatschhaft-anekdotischem Interesse oder dazu geeignet, selbst Vorschulkindern den Sachverhalt einleuchtend zu machen.
Streaming sei Dank
Um herauszufinden, ob meine Vorlesung in dieses Muster fällt, melde ich mich einfach nachträglich für die Veranstaltung des letzten Semesters an, woraufhin ich im E-Learning-System freigeschalten werde und die Folien selbst überprüfen kann.
Zumindest eine Vorlesung ist auf den ersten Blick als reine Folien-Präsentation ausmachbar, eine weitere macht mein Glück dadurch komplett, dass sie Audiostreaming anbietet - mein Semester an der Peripherie der Uni scheint gerettet.
Im Internet angebotene Audio- oder Videofiles können, so überzeuge ich mich, de facto als Einladung, die Vorlesung nicht zu besuchen, gewertet werden. Deshalb ist es auch nicht unmoralisch oder dem Studienerfolg abträglich, solche Lehrveranstaltungen zu schwänzen; noch dazu leiste ich einen Beitrag zum Versuch, die Uni-Kapazitätsprobleme via solcher Streamings zu lösen!
Schwieriger hingegen gestalten sich Seminare: Der Anwesenheitsliste ist nicht zu entkommen. Schnell meine Aufgabenstellung rekapituliert: möglichst selten auf der Uni sein. Wenn sich meine raren Besuche dafür hochkonzentriert an einem Tag im Monat verdichten, was mich sonst wöchentlich anstoßen müsste, bewegt sich dies im legitimen Rahmen meines Experiments. Kurz: Blockseminare müssen her! Mit etwas Glück finde ich zwei mehrstündige Seminare, die am selben Wochentag angeboten werden. Da man sich im Lauf eines Semesters naturgemäß so manche Krankheit einfängt, muss ich lediglich dreimal sechs und viermal fünf Stunden über mich ergehen lassen.
Fazit nach einem Semester: Ich habe fünf Vorlesungen und zwei Seminare absolviert und, die Prüfungstermine ausgenommen, insgesamt vier Tage auf der Universität verbracht. Allerdings musste ich viel Disziplin aufwenden, um die absichtlich verpassten Vorlesungsinhalte daheim durch Folien oder Lektüre aufzuholen. Mein Selbstversuch hat mir vor allem gezeigt, wie verschult und standardisiert die universitäre Lehre mittlerweile geworden ist. Ich würde mir wünschen, dass es einen Unterschied macht, ob ich die Vorlesung besuche oder nicht. (Fabian Schmid, UniStandard, DER STANDARD, 3.5.2012)
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Wer Publizistik studiert, sollte über ein Mindestmaß an Sprachgefühl verfügen und nicht irreführend von "blau machen" reden, wenn er "zu Hause lernen" meint.
Im Übrigen ein eher sinnbefreites Experiment. Jetzt wissen wir, dass es gute und schlechte Vorlesungen gibt. War schon immer so. Auf die Anwesenheit ist es letztendlich doch nicht angekommen, also warum von angeblicher Verschulung reden?
Die Anwesenheit in LVAs regelt sich ganz von selbst, wenn man etwas Anspruchsvolles studiert (Publizistik, *hust*) und sich den Käse eben nicht locker zu Hause anlesen kann.
Das ist natürlich alles erlogen. Der Bub hat nämlich keineswegs mehr die Wahlmöglichkeiten, er hat einen ziemlich straffen Studienplan. Absolvieren muss er, was angeboten wird und wo er reinkommt. Anwesenheit in Seminaren: Maximal dreimaliges Fehlen ist möglich, also kann er es unmöglich so eingerichtet haben, wie er behauptet. Was soll der ganze Blödsinn? Ist das von Töchterle bezahlt?
zeigt eben genau _nicht_, dass die Uni verschult ist.
Meine Schulzeit ist zwar schon länger her, aber dort musste ich jeden Tag hingehen, jeden Tag Hausübungen abliefern...
Sei froh, dass du in einem Studium bist, in dem du frei über deine Zeit und deinen Lernfortschritt bestimmen kannst.
was hat dieses "Experiment" jetzt gebracht? Dieses Studium steht für andere jetzt noch schlechter da.
Von solchen "VO-Skripten" könnte ich nur träumen. Oder wenn zumindest ein bisserl Text auf den Powerpoint-Folien steht. Stattdessen bestehen die Powerpoint-Folien nur aus Bildern und Strukturformeln und wenn man da durchblicken will, muss man quasi in die Vorlesung gehen, wenn man nicht gerade ein Buch kaufen will das über 50 € kostet. Klar gibts ein paar Ausnahme-VOs, aber die sind stark in der Minderheit. Auch gab es in einer Vorlesung ein "Lückenskript" wo der Professor das Fehlende dann diktiert und erklärt hat.
Meiner Meinung nach sollten die Studenten in mehr Studienrichtungen durch solche Maßnahmen "in die Uni gelockt werden"
Ist sowas der Standard? In meinem Studium hat man in den meisten Übungen (Seminare gibt es kaum)Anwesenheitspflicht und zwar 100%. Sollte man krankheitsbedingt fehlen kann man es meist durch eine mündlcihe Prüfung beim Prof. nachholen.
Aber ich hab auch schon von anderen Studien gehört bei denen Anwesenheitspflicht 60% bedeutet...
Tja, ich hatte überhaupt keine Probleme, mich dazu motivieren, auf die Uni zu gehen.
Ich habe allerdings auch nicht Publizistik studiert und ich habe mir die Lehrveranstaltungen auch nicht danach ausgesucht, wie oft man fehlen darf, sondern wieviel man dabei lernen kann.
Ich hoffe, Sie jammern später nicht darüber, dass Publizistik so einen schlechten Ruf hat.
...wie ich während meines Studiums nur allzu oft erfahren musste. Aber wer nur studiert, um Prüfungsantworten auswendig zu lernen, Studien zu faken und unreflektiert ECTS zu sammeln, der hat den Sinn der Uni nicht ganz verstanden...
Na dann ist das ja wohl kein Schwänzen...
Ich kenn' jemanden, der für seine Prüfungen vornehmlich in Florida gelernt hat. Während sich alle von November bis Februar in Wien den Hintern abgefroren haben, ist er in der Sonne gelegen und hat dann im März drei, vier Prüfungen gemacht und alle bestanden.
Skripten gab's vor 25 Jahren auch schon, wenn man die gelernt hat, hat man die Prüfung in der Regel geschafft, das Internet macht's ein wenig leichter, Ortsunabhängig zu sein, aber mehr nicht.
Es sollte nicht Sinn und Zweck der Uni sein, Leute an Orten zu binden, sondern Wissen zu vermitteln. Ob die jetzt alle im Hörsaal sitzen oder andere Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, sollte eigentlich egal sein...
Seltsamer Versuch und Einstellung
Eben, die Uni ist keine Schule, wo man jeden Tag seine Stunden brav absitzt. Es wird einen auch niemand dafür loben, wenn man in jede Vorlesung geht. Manche VO sind hörenswert, andere bestehen wirklich nur im Vorlesen und runterklicken von Powerpointfolien. Es soll jeder entscheiden können, wie und wo er den Stoff lernt. Am Anfang meines Studiums bin ich auch in jede Vorlesung gepilgert, aber irgendwann lernt man, dass es bei manchen besser ist, sich zuhause mit dem Stoff zu beschäftigen als zwei Stunden lang einem müden Vortrag zu lauschen, der mit den Unterlagen identisch ist und wo man höchstens von Zeit zu Zeit die Seite umblättern muss.
Hab ich dieses Semester gemacht. Zeit, die ich mit aktivem lernen (mit wiederholt lesen, etc) verbringen hätte können, durch hinfahrt, Rückfahrt, Wartezeiten (zu kurz zum lernen, zu lang für eine einfache Jause) zwischen Vorlesungen vergeudet.
Ich hab dann den Tipp von jemanden, der nebenbei Arbeitet (aber auch den Großteil des Stoffs ohnehin beherrscht) bekommen, nicht ständig auf die Uni zugehen. Übrigens eines der MINT-Fächer und der Typ zählt in den meisten Vorlesungen was die Testpunkte betrifft zu den Top-10 und schafft das Studium unter der Mindestzeit.
Naja, Erfahrung eben. Aber eigentlich kann man sich denken, dass wenn man schnell oder nochmal drüberlesen/hören kann besser abschneidet.
Einzig zu den Übungen muss man auftauchen - in linearer Algebra hatte man sowieso das Buch von Havlicek, das sich 0 von den Vorlesungen unterscheidet. Und in Analysis war's bisher auch immer so. In den ersten Semestern jedenfalls.
Bin mir sehr sicher, dass man das ziemlich lange so halten kann.
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