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Stefan Wirnsperger versucht mit seiner Malerei am Kunstmarkt Fuß zu fassen.
Wien - Als Stefan Wirnsperger nach der Schule mit seinem Kunststudium begann, hatte er keine Ahnung, was ihn erwarten würde. Er hatte eben "gerne gemalt" und wollte damit sein weiteres Leben verbringen.
Letzten Sommer schloss der 26-Jährige sein Studium an der Wiener Universität für angewandte Kunst ab - als einer von etwa 1400 jährlichen Absolventen österreichischer Kunstunis. Wie es nach dem Diplom weitergeht, ist für die meisten ungewiss: "Es findet wenig Auseinandersetzung mit dem Berufsbild des Künstlers statt. Was nach dem Diplom liegt, ist etwas sehr Abstraktes", erzählt Wirnsperger.
Laut einer Studie zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich sieht diese Zukunft nicht besonders rosig aus. Rund ein Drittel aller Kunstschaffenden lebt unter der Armutsgefährdungsgrenze von 893 Euro. Die Quote liegt damit dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. "Die Uni ist ein Experimentierfeld, ein sicherer Hafen, man kann sich fast alles erlauben. Danach wird man ins kalte Wasser gestoßen", meint Wirnsperger.
Heute bezeichnet sich der Salzburger als "klassischer Kunstuni-Absolvent: Ich habe ein Atelier, male und gehe nebenbei drei Jobs nach, zum Geldverdienen."
Unsicheres Einkommen
Damit ist er nicht alleine: Nebenjobs, die mehr oder weniger mit dem Berufsfeld zu tun haben, dienen der finanziellen Absicherung von Kunstschaffenden. Das Einkommen aus künstlerischen Arbeiten ist unregelmäßig und schwer planbar.
2008 lag das Jahreseinkommen aus künstlerischen Tätigkeiten durchschnittlich bei 4500 Euro netto. Die unsichere Einkommenssituation hat Folgen: 57 Prozent geben an, unter einer starken Belastung hinsichtlich ihrer sozialen Absicherung zu stehen. "Als Student ist man eine unsichere Einkommenssituation noch gewöhnt. Mit 35 macht es keine Freude mehr, nicht zu wissen, wie es im nächsten Jahr finanziell aussieht."
Die Etablierung am Kunstmarkt hängt dabei nicht vom Studienerfolg ab. Rund 80 Prozent aller Kunstschaffenden verfügen über eine kunstspezifische Ausbildung. "Gerade die Kunst ist das Paradebeispiel für etwas, das nicht objektiv bewertbar ist. Unmittelbares Feedback ist viel mehr wert als eine Skala von eins bis fünf", findet der Diplomkünstler.
Im Mittelwert arbeiten Kunstschaffende 51 Stunden in der Woche und damit mehr als der Durchschnitt der erwerbstätigen Bevölkerung. Zwei Drittel der Zeit werden in künstlerische Tätigkeiten investiert. Darunter fallen nicht nur kreative Arbeiten, sondern auch organisatorische. "Es nimmt einen gewaltigen Teil der Arbeit ein, sich selbst nach außen zu positionieren", meint Wirnsperger.
Die kreative Arbeit ist heute breit gefächert: Auf der Tagesordnung stehen laut Studie spartenübergreifende interdisziplinäre Arbeiten. Wirnsperger sieht in diesem Punkt ein Problem: "Es ist eher kontraproduktiv, wenn man sich nicht festlegt. Man steht mit seinem Namen für kein Produkt, es geht aber darum, Kontinuität zu zeigen." (Oona Kroisleitner, UniStandard, DER STANDARD, 3.5.2012)
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