Diskriminierung auf Deutsch

3. Mai 2012, 15:05
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Die Eingangsphase als Hindernis für Internationale

Wien - Bei all der Kritik, die bislang an der Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP) geübt wurde, blieb ein Aspekt großteils unbeachtet: Diskriminierung durch Sprache. Und das, obwohl sich schon im Vorfeld Experten kritisch mit dem Thema auseinandersetzten: Bereits Ende Oktober 2011, im Rahmen des Österreichischen Wissenschaftstags, präsentierte Inci Dirim vom Institut für Germanistik der Uni Wien mit einigen Kollegen ihre Überlegungen. Die Professorin für Deutsch als Fremdsprache kam zu klaren Einschätzungen: Ob beabsichtigt oder nicht, die ausschließliche Formulierung der StEOP auf Deutsch sorgt für eine Diskriminierung Studierender, die eine andere Muttersprache haben.

Neben Erasmus-Studierenden betreffe das auch österreichische Studierende mit Migrationshintergrund und vor allem ausländische Studierende. Für die Zulassung an einer österreichischen Hochschule sind Deutschkenntnisse auf der Niveaustufe B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen vorzuweisen. Die Prüfungen aber, die im Rahmen der StEOP stattfinden, übersteigen dieses Niveau. "In so kurzer Zeit kann man den Sprung in die nächsthöhere Stufe nicht schaffen", sagt Dirim.

Wie könnte man die Situation für ausländische Studierende also verbessern? Dirim: "Begleitende Unterstützungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Tutorien, die sich konkret auf die StEOP beziehen, wären notwendig." Auch die Prüfungen könne man leicht auf Niveau B2 umformulieren, ohne den Inhalt zu verändern.

Für eine bessere Einschätzung wäre auch eine Evaluierung der ersten StEOP konkret nach Abschneiden der ausländischen Studierenden hilfreich - bisher ist das an keiner Uni geschehen.

Eine am Institut für Germanistik durchgeführte Analyse von Namen bei einer Prüfung durchgefallener Studierender ergab, dass ausschließlich Studierende mit Migrationshintergrund und ausländische Studierende keine positive Note erhielten. "Das ist sicher keine Ausnahme", meint Dirim. (Lara Hagen, UniStandard, DER STANDARD, 3.5.2012)

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