Wiens Wohnbau präsentiert sich in Brüssel

3. Mai 2012, 14:39
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Stadtrat Ludwig warnt vor negativen Auswirkungen auf den Wohnbau durch "aktuelle europäische Entwicklungen"

"Housing in Vienna - Wiener Wohnbau. Innovativ. Sozial. Ökologisch", so nennt sich eine Ausstellung, die noch bis 15. Mai im Brüsseler Wien-Haus läuft. Kuratiert vom Architekturzentrum Wien (Az W), gibt die Schau einen umfassenden Einblick in den Wohnbau Wiens von den Anfängen im "Roten Wien" der 1920er-Jahre bis in die Gegenwart. Gezeigt werden beispielsweise das Passivhaus-Studentenheim des ÖAD in der Molkereistraße, die Umnutzung der Gasometer und die Wohnhausanlage Tokiostraße, aber auch große Neubaugebiete wie das Kabelwerk oder die Wienerberg-City.

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) hat die Ausstellung im Rahmen einer Exkursion mit Mitgliedern des Wiener Wohnbauausschusses am Mittwochabend offiziell eröffnet. Bei dieser Gelegenheit warnte Ludwig vor "aktuellen europäischen Entwicklungen", die "massive Auswirkungen auf den sozialen und geförderten Wohnbau" mit sich bringen könnten. Zum einen sei das der so genannte "Dutch Case", bei dem ein niederländischer Beihilfenfall zum Anlass genommen wurde, um eine grundsätzliche Aussage zum sozialen Wohnbau zu treffen ("nur für besonders bedürftige Gruppen"; siehe dazu auch das Interview mit Barbara Steenbergen). Zum anderen sei der Bayrischen Landesbank im Zuge der Genehmigung der Staatsbeihilfe der Verkauf ihrer Sozialwohnungen aufgetragen worden. "Hier besteht große Sorge, dass die Wohnungen nicht dem Land zufallen, sondern im Rahmen einer Ausschreibung an private Investoren gehen, womit der soziale Zweck über kurz oder lang unterhöhlt würde", so Ludwig.

Der Entwurf für eine EU-Energieeffizienzrichtlinie, der ab 2014 eine verpflichtende jährliche Sanierungsrate von drei Prozent für Nutzflächen ab 250m² bei öffentlichen Gebäuden vorsieht, sei ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die Quote werde vielerorts als zu hoch und zu undifferenziert im Hinblick auf Finanzierungsmöglichkeiten und Denkmalschutz erachtet, außerdem sei eine Einbeziehung von Vorleistungen nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen. Auf die unterschiedlichen Ausgangssituationen in den einzelnen EU-Ländern - Österreich ist mit einer Sanierungsquote von rund fünf Prozent im geförderten Wohnbau besonders vorbildhaft unterwegs - müsse jedenfalls eingegangen werden, so Ludwig. Auch die geplanten Eingriffe ins Vergabewesen werden abgelehnt.

Die Entscheidung über die Energieeffizienzrichtlinie soll Mitte Juni 2012 im Rat fallen, derzeit steht der Vorschlag noch im Rat und im EU-Parlament zur Diskussion. (red, derStandard.at, 3.5.2012)

  • Auch die Gasometer werden in der Ausstellung "Housing in Vienna - Wiener Wohnbau. Innovativ. Sozial. Ökologisch" in Brüssel stolz hergezeigt.
    foto: derstandard.at

    Auch die Gasometer werden in der Ausstellung "Housing in Vienna - Wiener Wohnbau. Innovativ. Sozial. Ökologisch" in Brüssel stolz hergezeigt.

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