Widerstand gegen Jury-Nominierung von Peter Kern

3. Mai 2012, 14:15
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Düsseldorfer Stadtrat: Österreichischer Filmemacher "passt nicht in die Stadt" - Jelinek "entsetzt über die Diktion dieser Leute"

Düsseldorf - Peter Kern stößt in Düsseldorf auf Widerstand: Die Fraktion der Freien Wähler im Stadtrat möchte den österreichischen Filmemacher als ihren Vertreter in die Jury des angesehenen Heine-Preises der Stadt Düsseldorf entsenden. Im Stadtrat stößt die geplante Nominierung des 63-Jährigen auf wenig Gegenliebe. Er passe nicht in die Stadt, hieß es seitens der Mehrheitsfraktion CDU. Die ehemalige Heine-Preisträgerin Elfriede Jelinek zeigt sich in einem Statement, das der APA vorliegt, "schockiert" und "geradezu entsetzt über die Diktion dieser Leute".

Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) habe gesagt, die Frage dürfe erlaubt sein, ob ein Schauspieler die richtige Wahl in die Jury des Literaturpreises sei, so seine Sprecherin Natalia Fedossenko. Kern hatte mehrere Jahre lang am Düsseldorfer Schauspielhaus gearbeitet, nicht zuletzt mit Christoph Schlingensief, und Filme in Düsseldorf gedreht. Trotz des Streits will Kern sich weiterhin als Jury-Mitglied nominieren lassen. "Wer verdient denn heutzutage noch diesen Preis?", sagte Kern zur APA. "Das sind die Gedanken, die man sich machen muss."

Zuvor war bereits die geplante Nominierung des aus der Neonaziszene ausgestiegenen Fraktionsgeschäftsführers der Freien Wähler, Torsten Lemmer, auf Ablehnung gestoßen. Jelinek hofft in ihrer Stellungnahme, dass die Stadt ihre nunmehrige Haltung noch einmal überdenkt. Zu einer solchen Einstellung "hätte Heine einiges zu sagen gewusst", so die Nobelpreisträgerin. Schon 2006 hatte der österreichische Schriftsteller Peter Handke auf den Heine-Preis verzichtet, um seine Person und sein Werk nicht weiterhin den "Pöbeleien von Lokalpolitikern" auszusetzen. (APA, 3.5.2012)

  • Der österreichische Filmemacher stößt beim Düsseldorfer Stadtrat auf Widerstand.
    foto: epa/sebastian kahnert

    Der österreichische Filmemacher stößt beim Düsseldorfer Stadtrat auf Widerstand.

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