Staatsanwälte brauchen dringend Nachschub

6. Mai 2012, 17:00
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Staatsanwälte kämpfen mit Personalproblemen. Zwar sind neue Bewerber nachgekommen, es werden aber mehr benötigt

Wer überlegt, Staatsanwalt zu werden, hat jetzt gute Chancen auf einen Posten. Österreichs Staatsanwälte sind auf Personalsuche. Allein im Raum Wien, Niederösterreich, Burgenland sind derzeit 14 Planstellen unbesetzt.

Das Problem ist nicht neu: Mit massivem Personalmangel hatte der Berufsstand bereits im vergangenen Herbst zu kämpfen. Damals waren im Osten gar 19 Stellen unbesetzt. Um mehr Interessenten anzusprechen, bewarb man daher neben der gängigen Rekrutierungsschiene über die Richteramtsanwärterprüflinge eine zweite, ungewöhnlichere: Rechtsanwälte sollten die Seiten wechseln. Per Vorauswahlverfahren und Ergänzungsprüfung konnten und können sich noch immer Anwärter einem Vorauswahlverfahren unterziehen. Denn nur zehn bis 20 Prozent der Richteramtsanwärter wechseln erfahrungsgemäß zur Staatsanwaltschaft, und das sind zu wenige.

In Amt und Würden

"Dieser eher ungewöhnliche Ausbildungsweg bietet viele Chancen", sagt Kurt Baumgart von der Unternehmensberatung VIP Consulting. Seine Firma unterstützt das Auswahlverfahren mit einer Potenzialanalyse der Bewerber. Das Interesse von Anwälten, diesen Karriereweg zu nutzen, sei nach wie vor aufrecht. "Mittlerweile sind einige der ursprünglichen Anwälte schon in Amt und Würden, und sie dürften sich auch gut schlagen", sagt Baumgart.

"16 Personen wurden seitdem aus dem Rechtsanwaltsstand zum Staatsanwalt ernannt", konkretisiert die Wiener Oberstaatsanwältin Ilse-Maria Vrabl-Sanda. Dennoch könnten es mehr sein, denn der Personalstand sei zwar angehoben worden, aber mit der Aufstockung der Wirtschafts- und Korruptionsanwaltschaft im vergangenen Jahr seien auch Köpfe dorthin gewandert. Auch die Kürzung des Gerichtsjahres ist nicht zuträglich, weil es nach wie vor auch zu wenige Richteramtsanwärter gebe.

Typisches Profil

Vom Alter her bewegen sich die Interessenten zwischen 28 und 44 Jahren, wobei die Gruppe der 30- bis 35-Jährigen dominiert. 60 Prozent sind Frauen. Das typische Ausbildungs- und Erfahrungsprofil der neuen Staatsanwälte fängt mit einem Jusstudium an, danach folgt die Rechtsanwaltsprüfung. "Meist arbeiten die jungen Anwälte dann einige Jahre als Substitut, das sind bei Kanzleien angestellte Anwälte", so Baumgart. Nicht allen liege es, sich als Partner selbstständig zu machen. Es ist nicht jedermanns oder jederfraus Sache, eigenständig Klienten zu finden.

Zuerst Anwalt, dann Staatsanwalt - dieser Weg hat durchaus Vorteile, meint der Berater. "Diese Menschen bringen andere Blickmittel mit, weil sie sehr viel mit unterschiedlichsten Klienten zu tun hatten und mitten im Leben stehen."

Bewerber willkommen

Der Personalbedarf sei nach wie vor vorhanden, betont auch Kurt Baumgart, jeder solle sich ermutigt fühlen. Der Beruf des Staatsanwalts biete viele Entwicklungs- und Weiterbildungschancen. Auch die Wirtschafts- und Korruptionsanwaltschaft sei ein sehr spannendes Metier.

Natürlich ist die Selektion groß: Rund ein Drittel der Bewerber schafft es durch das dreistufige Auswahlverfahren in die Endrunde, denn der Beruf bringt hohe fachliche und auch persönliche Ansprüche mit sich. "Ein 44-jähriger erfahrener und erfolgreicher Anwalt zwar kann fachlich extrem kompetent sein, aber er könnte sich durchaus schwer damit tun, sich zu Beginn der Staatsanwaltskarriere wieder unten einzuordnen", sagt Baumgart. (Marietta Türk, derStandard.at, 7.5.2012)

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    Die Staatsanwälte kämpfen mit Nachwuchsmangel.

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