Elsner wollte Flöttl-Verluste sanieren

3. Mai 2012, 13:56
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Flöttl-Vermögen sei auf bis zu einer Milliarde Dollar geschätzt worden. Bei der Vorstandssitzung am 26.10.1998 hätte Elsner von "Entweder-Oder"-Entscheidung gesprochen

Wien - Auch am heutigen fünften Tag des zweiten Bawag-Prozesses hat Richter Christian Böhm insbesondere den angeklagten Ex-Bawag-Vorstand Josef Schwarzecker über die krisenbedingten Vorstandssitzungen im Oktober 1998 befragt, bei denen vor allem der Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner eine Lösung für die Verluste aus den Sondergeschäften mit dem ebenfalls angeklagten Spekulanten Wolfgang Flöttl präsentiert hat. Danach richtete Böhm auch Fragen an Ex-Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weninger.

"Zusätzliche Geldquelle"

Schwarzecker war als Vorstand unter anderem für die EDV und Kreditrevision zuständig. Der studierte Betriebswirt begann in der Kreditrevision der Bank, später wurde er immer wieder bei großen Sanierungsfällen eingesetzt, wie etwa beim Konkurs der Atomic. Schwarzecker zufolge hatte Elsner vor der Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte gemeint, dass die Bank zu wenig Erträge habe, weshalb man eine "zusätzlich Geldquelle" bräuchte, erinnerte sich der Ex-Bawag-Vorstand heute, Donnerstag, im Gerichtssaal. Bis 1998 habe er über die Flöttl-Geschäfte nichts mehr erfahren. Bei einer Strategiesitzung am 23. Oktober 1998 wurden dann die Vorstandsmitglieder über die Flöttl-Verluste (im Ausmaß von 639 Mio. Dollar Anm.) informiert, Details sollten am 26. Oktober bei einer Sondervorstandssitzung diskutiert werden.

Am Tag zuvor wurde Schwarzecker aber von Ex-Generaldirektor Helmut Elsner in dessen Wohnung gerufen, berichtete er heute. Dort waren Ex-Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz und Ex-Bawag-Vizechef Johann Zwettler anwesend. Es wurde über das Flöttl-Vermögen - eine Kunstbild-Sammlung und Liegenschaften - gesprochen, die Flöttl als "Schadenskompensation" zur Verfügung stellen sollte. Dabei brachte Zwettler eine Idee ein, das Vermögen über eine Stiftung zu erwerben.

Bei der Vorstandssitzung am 26. Oktober habe dann Elsner die Ideen präsentiert, er, Schwarzecker, habe dort keine eigenen Ideen zu den Spekulationsverlusten vorgestellt. Auch der Mitangeklagte Flöttl sei bei der Sitzung anwesend gewesen und habe noch einmal erklärt, wie es zu den Verlusten gekommen sei. Für Schwarzecker war der dort diskutierte Plan ein Gesamtpaket.

Bedrohungsszenario an Wand gemalt

Laut dem Ex-Bawag-Vorstand hatte Elsner das Flöttl-Vermögen mit 600 bis 800 Mio. Dollar beziffert, mit weiteren 200 Mio. Dollar soll Elsner die Flöttl-Firma Ross Capital bewertet haben. Über die Werte der Bilder im Detail wurde nicht gesprochen. Elsner habe ein "Bedrohungsszenario der Sonderklasse" für die Bank gezeichnet, falls man dem "Sanierungspaket" nicht zustimme. Es war eine Situation "Entweder-Oder". Das Gesamtpaket schilderte Schwarzecker so, dass Flöttl sein gesamtes Vermögen - bis auf seine New Yorker Wohnung - der Bawag zur Verfügung stellen wollte. Im Gegenzug kann er weiter arbeiten und erhält einen "Betriebsmittelkredit".

Er sei davon ausgegangen, dass das Flöttl-Vermögen überprüft werde. Am 26. Oktober sei die Grundsatzentscheidung gefallen, saniert man oder lässt man das Ganze den Bach hinunter gehen. Erst später habe er erfahren, dass das Geld an Flöttl schon vor den Details der Kreditvereinbarung geflossen war, berichtete Schwarzecker heute.

Bilder mehrfach besichert

Es wurde damals beteuert, dass Flöttl bei seiner Fortsetzung der Geschäfte vorsichtiger agieren werde, erinnerte sich Schwarzecker. Am 27. Oktober 1998 erfolgte dann die Sitzung des Vorstandes mit dem ebenfalls angeklagten Ex-Bawag-Aufsichtschef Weninger. Dieser habe "überraschend ruhig" reagiert, die Vorgehensweise gutgeheißen und sich vorbehalten, ob und wie er die anderen Aufsichtsratsmitglieder informiert. Am gleichen Tag habe es auch zumindest zwei Telefonate mit Bawag-Anwalt Florian Gehmacher gegeben, der ein "absoluter Krisenspezialist" sei. Dieser habe den Vorstand beraten, alles zu tun, um das eigene Institut zu schützen bzw. um nicht jemanden in den Konkurs zu treiben. Er habe damals angenommen, dass Weninger die einzelnen Aufsichtsratsmitglieder informieren werde, sagte Schwarzecker. Er habe auch nicht gewusst, dass die Flöttl-Bilder mit einem Kredit von 150 Mio. Dollar bereits belastet waren.

Seine Notiz "Ich bin kaltgestellt", habe sich auf die Gewährung des Refco-Kredits im Jahr 2005 bezogen, bei dem er nicht mitgestimmt habe, erklärte der Angeklagte Richter Böhm.

Elsner genoss Weningers Vertrauen

Nach der Einvernahme von Schwarzecker hatte Richter Christian Böhm noch einige Fragen an Weninger, wie es nach der Sitzung am 27. Oktober weitergegangen sei. Er habe sich ein paar Tage danach bei Elsner erkundigt, ob der angeklagte Wirtschaftsprüfer Robert Reiter informiert wurde, was ihm Elsner bejahte, sagte der ehemalige ÖGB-Funktionär Weninger heute aus. Rund eine Woche später seien die Verträge mit Flöttl laut Elsner abgeschlossen worden. Am 19. November hatte Elsner berichtet, dass die Flöttl-Kredite mit Zinsen zurückgeführt worden seien, was "ich ich für bare Münze gehalten habe", so Weninger heute.

Da hakte Richter Böhm nach: "Damals waren ja schon die falschen unternehmerischen Entscheidungen bekannt und da haben sie ihm noch immer uneingeschränkt vertraut?", wollte er wissen. "Elsner hat sich immer als Opfer und nie als Täter dargestellt", sagte Weninger. Das Vertrauen in Elsner war über Jahre nicht beschädigt. Er habe sich später im Jänner 1999 auch Dokumente vorlegen lassen, die er aber nicht überprüfen konnte.

Als später im Jahr 2000 erneut Flöttl-Verluste aufgetaucht seien, habe es eine "Inszenierung Elsners" gegeben. So habe es ein Schreiben gegeben, in dem Flöttl alle Schuld auf sich nahm. Dieses Schreiben wurde aber wie später herauskam vom Ex-BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz aufgesetzt, schilderte Weninger.

Durch den krankheitsbedingten Ausfall von Ex-BAWAG-Chef Johann Zwettler als Zeuge könnte der morgige Prozesstag ausfallen, stellte der Richter vor der Unterbrechung der Verhandlung in den Raum. (APA, 3.5.2012)

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    Weninger (links im Bild) vertraute Elsner, Flöttl (rechts im Bild) sollte bei Karibik II vorsichtiger umgehen. Auch diese Gelder gingen aber verloren.

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    Richter Böhm bleibt beim Fragen sehr geduldig und behält Übersicht.

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