Prähistorische Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt

3. Mai 2012, 13:58
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Internationales Forscherteam führt Bohrungen am Seegrund durch und sucht nach Hinweisen auf urzeitliche Umweltbedingungen

Linz - Forscher wollen mit Hilfe von Bohrungen in den Sedimenten des Hallstätter Sees mehr über die Umweltbedingungen der vergangenen Jahrtausende herausfinden. Im Rahmen des Projektes "Hall-Impact" soll von 7. bis 11. Mai ein internationales Forscherteam von einer Plattform in der Mitte des Gewässers aus die Sedimente 100 Meter unter dem Wasserspiegel unter die Lupe nehmen, wie das Naturhistorische Museum Wien (NHM) ankündigte.

400 Meter oberhalb der Bohrstelle liegt das älteste Salzbergwerk der Welt, wo bereits vor über 3.500 Jahren Steinsalz in nahezu industriellem Ausmaß abgebaut wurde. Das Salzkammergut erlebte damals einen prähistorischen Wirtschaftsboom und gab sogar einer ganzen Epoche ihren Namen. Besonderes Augenmerk legen die Forscher daher auf die Zeit zwischen 2.000 vor Christus und der Zeitenwende. Sie wollen herausfinden, welche Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt es bereits damals gab. Fest steht, dass bedeutende Klimaschwankungen auftraten.

Natürliches Klimaarchiv

Seen fungieren über Jahrtausende hinweg als Klima-Archive. Pflanzenreste, Pollen, Insekten oder Mikroorganismen werden aus der Luft in das Wasser eingetragen und sinken zu Boden. Schicht für Schicht wird das Material abgelagert und bewahrt. Heute können die Sedimente am Seegrund Aufschluss über Temperaturentwicklung, Niederschlagsmengen, Hochwasserereignisse, aber auch über die Pflanzenwelt rund um den See sowie Bergstürze und Murenabgänge im Lauf der Zeit geben.

Das Projekt wird von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert. NHM, Universität für Bodenkultur Wien und das Deutsche Geoforschungszentrum Potsdam beteiligen sich als Partner. Die Österreichischen Bundesforste als See-Eigentümer und die Gemeinde Hallstatt unterstützen die Aktion ebenfalls. Die Plattform und das Bohrsystem wurden von der oberösterreichischen Firma Uwitec entwickelt. Ein Plexiglasrohr mit neun Zentimetern Durchmesser wird mit Gewichten in den Seeboden gedrückt. Die Bodenproben werden über eine Seilwinde wieder an die Oberfläche gezogen, anschließend kühl gelagert und später im Labor untersucht. (APA/red, derstandard.at, 3.5.2012)

  • Von einer Plattform aus wollen die Forscher in Sedimente 100 Meter unter dem Wasserspiegel bohren.
    foto: achim brauer/gfz

    Von einer Plattform aus wollen die Forscher in Sedimente 100 Meter unter dem Wasserspiegel bohren.

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