iTunes Match: Backup, Sync und Piraten-Waschanlage

Test7. Mai 2012, 17:01
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Apples Cloud-Dienst als erweiterte Backup-Lösung für die eigene Musiksammlung

Seit November ist Apples Cloud-Dienst für Musik in den USA verfügbar. Nun heißt es für iTunes Match auch in Österreich "Leinen los!". Musik, die sich in der iTunes-Bibliothek befindet, kann in die Cloud geladen und von dort auf iPhone, iPad, iPod Touch und Apple TV verteilt werden - kabellos und unkompliziert. Darüber hinaus gleicht der Dienst die private Musiksammlung mit den Songs aus dem iTunes-Repertoire ab und ersetzt sie gegebenenfalls für einen schnelleren Upload. Das hat dem Dienst den Beinamen "Piratenamnestie" eingebracht, zumal so (theoretisch) auch widerrechtlich kopierte Lieder legalisiert werden können. Ob das tatsächlich so einfach funktioniert und ob iTunes Match eine gute Investition ist, soll der WebStandard-Test zeigen.

Die Basics

Apple verlangt für den Service 24,99 Euro im Jahr. Die in der iCloud gespeicherte Musik kann auf bis zu zehn Geräten zur Verfügung gestellt werden. Musik, die man über den iTunes Store kauft, kann (auf Wunsch) nun grundsätzlich automatisch auf den anderen Geräten heruntergeladen werden. Titel, die nicht über Apples Musikkatalog gekauft wurden, werden mit iTunes Match gesucht und in 256-KBit/s-AAC-Qualität ohne DRM ersetzt.

Das bringt den Vorteil, dass nicht sämtliche Lieder von der Festplatte ins Netz geladen werden müssen. Songs, die nicht gefunden werden, werden vom Gerät des Nutzers in die iCloud hochgeladen. Zusätzlich zu den über iTunes gekauften Liedern kann man bis zu 25.000 Songs in der iCloud lagern. Unterstützt werden alle Formate, die über iTunes wiedergegeben werden können, darunter AAC, MP3, WAV, AIFF und Apple Lossless.

Funktionsweise

Wird iTunes Match über den iTunes-Desktop-Client abonniert, analysiert Apple zunächst die Musikbibliothek sowie die iTunes-Käufe und versucht die Titel mit Match abzugleichen. Songs, die daraufhin in der iCloud zum Download zur Verfügung stehen, werden auf anderen Geräten mit einem Wolkensymbol mit Pfeil gekennzeichnet. iTunes Match muss dafür unter iOS in den Einstellungen unter "Musik" aktiviert werden.

Download und Stream

Auf PC und Mac werden die iCloud-Songs bei der Wiedergabe mit iTunes gestreamt und nur auf Wunsch lokal heruntergeladen. Auf iPhone, iPad und iPod Touch werden die Lieder beim Antippen des Wolkensymbols auf das Gerät geladen, eine Internetverbindung ist später zum Anhören nicht notwendig. Über Apple TV steht die Musik aus der iCloud ausschließlich als Stream über WLAN zur Verfügung.

Automatischer Download

Bei Bedarf kann man die Lieder am iOS-Gerät nur über WLAN oder auch 3G-Netze herunterladen (sofern das nicht den eigenen Datentarif sprengt). Wahlweise lassen sich alle in der iCloud vorhandenen Musikdateien anzeigen oder nur jene, die tatsächlich auf dem aktuellen Gerät gespeichert sind. Über den Status - verfügbar, fehlerhaft, nicht geeignet etc. - gibt das Wolken-Icon Aufschluss (mehr dazu siehe Übersichtstabelle links).

In den Einstellungen zum Store kann man zudem die automatischen Downloads nun auch für Musik aktivieren, so dass neu gekaufte Titel auf alle Geräte (jedoch maximal zehn) geladen werden. Zuvor war das nur für Apps und iBooks möglich. Löschen lassen sich Lieder aus der iCloud über den iTunes-Client am Desktop. Diese Funktion ist nicht an das iTunes-Match-Abo gebunden.

Echte Piratenamnestie?

Wer nun hofft, sämtliche aus dem Netz geladenen oder von Freunden kopierten Songs sauber waschen zu können, sei jedoch gewarnt. Apple weist ausdrücklich darauf hin, dass der Dienst nur für legal erworbene Musik genutzt werden darf. Dem Ursprung der Dateien wird allerdings nicht hinterhergeschnüffelt. Außerdem: Nicht alle Titel können mit iTunes Match geladen werden. Wer munter von Youtube MP3s gesaugt hat und sich nicht um Qualität schert, könnte eine böse Überraschung erleben. Denn Match akzeptiert nur Songs mit mindestens 96 KBit/s und außerdem nur Dateien, die nicht größer als 200 MB sind. (Update: indem man nicht kompatible Songs in AAC konvertiert - auszuwählen über Rechtsklick auf den iTunes-Titel - kann man sie zumindest manuell zur iCloud hinzufügen.)

Achtung: Bibliothek wird ersetzt

Aktiviert man iTunes Match beispielsweise auf einem iPhone, auf das nicht iCloud-kompatible Titel vom Computer manuell über iTunes geschaufelt wurden, wird die gesamte Musikbibliothek ersetzt und diese Musiktitel stehen nicht mehr auf dem Gerät zur Verfügung. Auch Wiedergabelisten werden gelöscht und durch jene auf dem Computer ersetzt, von dem aus iTunes Match im Desktop-Client aktiviert wurde.

Tipp: Alle Dateien ersetzen

Praktisch ist iTunes Match, um Lieder in Qualität unter 256 KBit/s oder ältere, noch mit Kopierschutz versehene Songs aus dem iTunes Store zu tauschen. Damit sie auch auf dem Gerät ersetzt werden, auf das sie ursprünglich geladen wurden, muss man die Lieder mit iTunes Match abgleichen und in die iCloud hochladen, die lokalen (schlechteren) Dateien löschen und dann erneut über die iCloud auf den PC oder Mac laden. Als Bonus wird auch das Cover des jeweiligen Albums oder der Single geladen, wenngleich das im Test nicht mit allen Titeln geklappt hat. Bei vereinzelten Liedern wird das Cover nicht angezeigt. 

Songs bleiben

Sorgen, was mit der Musik passiert, wenn man iTunes Match/iCloud nicht mehr nutzen will, muss man sich keine machen. Die heruntergeladenen Songs aus der iCloud stehen auch dann noch zur Verfügung, wenn man das Abo nach einem Jahr nicht verlängert. Nur auf den Online-Speicher hat man dann keinen Zugriff mehr. Daher sollte man auf den Download nicht vergessen, will man sich die 25 Euro nicht mehr leisten. (Hinweis: In den iTunes-Einstellungen ist von Haus aus die automatische Verlängerung des Abos nach einem Jahr gewählt, das kann aber deaktiviert werden.)

Wofür iTunes Match?

Im Gegensatz zu Diensten wie Spotify erhält man mit dem 25-Euro-Abo keinen All-you-can-eat-Zugriff auf den Musikkatalog von Apple. iTunes Match eignet sich nur dafür, die eigene Musiksammlung online zu speichern und kabellos auf anderen Geräten mit der gleichen Apple-ID zu synchronisieren. Und weil Apple Verträge mit allen großen Labels abgeschlossen hat, werden Songs aus anderen Quellen auch hochgeladen (sofern sie im iTunes-Katalog vorhanden sind und den Match-Kriterien - siehe oben - entsprechen). Die 25 Euro im Jahr bezahlt man also für einen erweiterten Backup- und Synchronisierungs-Dienst.

Wann lohnt sich der Dienst nicht?

Keinen Nutzen bringt iTunes Match, wenn man zu viele Lieder in mieser Qualität unter 96 KBit/s vorliegen hat, keinen Zugriff auf WLAN hat (denn sonst kann die Datenübertragung über Mobilfunk teuer werden) oder Musik beispielsweise nur auf einem einzigen iOS-Gerät und dem Standrechner speichert. Dann reicht es, wenn man das iOS-Gerät gelegentlich manuell mit dem Rechner synchronisiert. Und selbstverständlich funktioniert der Zauber nur in der Apple-Welt. Wer ein Android-Smartphone sein Eigen nennt, kann mit der iCloud freilich nichts anfangen. Dafür bietet sich als Alternative etwa doubleTwist an, das ebenfalls eine kabellose Synchronisierung bietet, und zwar kostenlos. (Birgit Riegler, derStandard.at, 7.5.2012)

  • Seit Anfang Mai sind iTunes Match und iCloud für Musik auch in Österreich verfügbar.
    foto: standard/zsolt wilhelm

    Seit Anfang Mai sind iTunes Match und iCloud für Musik auch in Österreich verfügbar.

  • In der iCloud verfügbare Titel werden mit einem Wolkensymbol gekennzeichnet. Durch Antippen wird das Lied heruntergeladen.
    screenshot: birgit riegler

    In der iCloud verfügbare Titel werden mit einem Wolkensymbol gekennzeichnet. Durch Antippen wird das Lied heruntergeladen.

  • iTunes Match und der automatische Download neu gekaufter Lieder können in den iOS-Einstellungen aktiviert werden.
    screenshot: birgit riegler

    iTunes Match und der automatische Download neu gekaufter Lieder können in den iOS-Einstellungen aktiviert werden.

  • Symbole in iTunes Match.
    foto: apple

    Symbole in iTunes Match.

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