Extrem giftiges, "ansteckendes" Alzheimer-Protein identifiziert

3. Mai 2012, 15:09
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Pyroglutamat Amyloid-Beta kann wie Prionen zur Weiterverbreitung toxischer Eiweißstoffe im Gehirn führen

London/Halle/Graz - Ein internationales Forscherteam ist Mechanismen auf die Spur gekommen, die möglicherweise für die Morbus Alzheimer-Demenz verantwortlich ist: Gemeinsam mit akademischen Partnern aus amerikanischen, österreichischen und deutschen Forschungseinrichtungen konnten Experten des deutschen Biotech-Unternehmens Probiodrug (Halle) zeigen, dass das Protein Pyroglutamat Amyloid-Beta (pyroGluA-Beta) für die Neuronen im Gehirn besonders toxisch ist. Diese Eiweißstoffe führen offenbar auch zu einer Ausbreitung der schädlichen Proteine, die ähnlich jener von Prionen (BSE, CJD) funktioniert. Die Ergebnisse der Studien wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Nature" publiziert.

Die Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn gilt neben der Bildung von Tau-Proteinen als der krank machende Faktor bei Morbus Alzheimer. Doch es kommt offenbar auf ganz spezifische Formen von Beta-Amyloid an. Durch das Enzym Glutaminylzyklase veränderte Amyloid-Beta-Proteine sind wesentlich toxischer als das bei Morbus Alzheimer als Ursache oft genannte 'Amyloid-Beta 1-42'", erklärte Hans-Ulrich Demuth von "Probiodrug".

"Ansteckendes" Protein

Mehr noch: "Durch einen Mechanismus, der dem Ausbreitungsmechanismus der Prion-Proteine ähnelt, werden durch bloßen Kontakt mit pyroGluA-Beta-Protein die erworbenen Struktur und die damit verbundenen neurotoxischen Eigenschaften an weitere, normale Amyloid-Beta-Peptide weitergegeben." Das bedeutet, dass das für die Nervenzellen im Gehirn besonders giftige Protein andere "ansteckt" bzw. zu einer Entwicklung in Richtung noch größerer Toxizität anregt.

Diese Prozesse dürften auch abhängig vom zweiten "Alzheimer-Bösewicht", dem Tau-Protein im Gehirn, ablaufen. In Österreich war an den Forschungen über die Züchtung von Mäusen für Tiermodelle JSW Life Sciences in Grambach bei Graz beteiligt. Das deutsche Unternehmen will auf der Hypthese über die besonders Nervenzell-giftigen Proteine Hemmstoffe als potenzielle Medikamente entwickeln.

Konrad Glund, Vorstandssprecher von "Probiodrug": "Dies ist ein bedeutender Schritt nach vorn für unser Verständnis der molekularen Krankheitsmechanismen. (...) Ein entsprechender Wirkstoffkandidat, PQ912, ist gerade in Phase-I-Studien (an gesunden Probanden) erfolgreich geprüft worden. Das Unternehmen bereitet nun erste Patienten-Studien vor ". (APA/red, derstandard.at, 3.5.2012)

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