Ministerin wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe

3. Mai 2012, 10:27
  • Ministerin Schavan soll Quellen nicht immer vollständig genannt haben.
    foto: michael gottschalk/dapd

    Ministerin Schavan soll Quellen nicht immer vollständig genannt haben.

Uni Düsseldorf prüft Anschuldigungen - Doktorarbeit war auch im Visier von Plagiate-Plattform Vroniplag

Berlin/Osnabrück - Die deutsche Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) wehrt sich gegen den anonymen Vorwurf von Plagiaten in ihrer Doktorarbeit. In einem Internet-Blog werden dazu zahlreiche Stellen aus ihrer Dissertation vor 32 Jahren aufgeführt - sie soll Quellen nicht immer ausreichend benannt haben. Schavan forderte den oder die Autoren des Blogs am Mittwoch auf, sich zu erkennen zu geben. Zugleich versicherte sie, aufklären zu wollen.

Schavan: "Ich habe heute diese entsprechende Seite mir angeschaut, es ist eine anonyme Seite, deshalb ist meine erste Antwort: Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gerne bereit, über diese Dissertation zu sprechen, über das Zustandekommen." Sie gebe gerne jedem Rechenschaft über die Quellen, versicherte Schavan. "Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen", betonte die Ministerin.

Es geht um die Arbeit "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung", mit der Schavan 1980 an der Universität Düsseldorf den Doktortitel mit der Note "magna cum laude" im Fach Erziehungswissenschaften erwarb. Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende ist seit 2005 Ministerin für Bildung und Forschung. Zuvor war sie Kultusministerin in Baden-Württemberg.

Uni Düsseldorf prüft Vorwürfe

Die Promotionskommission der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf wird die Plagiatsvorwürfe prüfen. Das Gremium werde kommende Woche seine Arbeit aufnehmen, sagte ein Uni-Sprecher. "Das in solchen Fällen übliche Verfahren entspricht auch der Bitte von Frau Professor Schavan." Wie lange die Prüfung dauert, sei offen.

Quellen unvollständig aufgelistet

Anders als bei früheren Plagiatsvorwürfen gegen Politiker - etwa im Fall des zurückgetretenen deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - geht es bei den anonymen Vorhaltungen gegen Schavan nicht um die Übernahme kompletter Textstellen aus anderen Veröffentlichungen. Vorgeworfen wird Schavan vor allem, Quellen nicht vollständig aufgelistet und zum Teil auch "verschleiert" zu haben.

Bei dem Blog, der am vergangenen Sonntag im Internet eingestellt wurde, geht es auch um wissenschaftliche Standardfragen - etwa wie weit Schavan eigene Gedanken und eigenen Erkenntnisgewinn früheren Ausführungen anderer Autoren zum Thema entlehnt hat, ohne dies exakt auszuweisen. So gibt es unter anderem inhaltliche Textvergleiche zwischen ihren Ausführungen und denen des Bonner Moraltheologen Franz Böckle - ohne Quellenhinweis. Böckle war allerdings Zweitgutachter bei Schavans Dissertation.

Schavan war zuvor auch im Visier der Plagiate-Plattform Vroniplag. Allerdings hat sich diese nach eigenen Angaben gegen eine Veröffentlichung der Plagiatsvorwürfe entschieden. Vroniplag-Gründer Martin Heidingsfelder sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Vroniplag hat bereits seit einigen Wochen an dem Fall Schavan gearbeitet, dann aber entschieden, ihn nicht zu publizieren." Ähnlich äußerte er sich in der "Südwest Presse" aus Ulm.

Nicht mit schweren Plagiaten zu vergleichen

Offenbar seien Umfang und Schwere der Vorwürfe noch nicht mit den ganz schweren Plagiaten zu vergleichen, sagte Heidingsfelder. "Einige Stellen in Frau Schavans Arbeit sind aus meiner Sicht ganz klar Plagiate, aber insgesamt handelt es sich um keinen zweiten Fall Guttenberg." Heidingsfelder forderte Schavan auf, sich der Diskussion um ihre Promotion zu stellen. Nach Recherchen der Plattform hatten unter anderen die FDP-Europapolitiker Silvana Koch-Mehrin und Georgios Chatzimarkakis ihre Doktortitel verloren.

Schavan hat seit dem Wintersemester 2009/2010 eine Honorarprofessur an der FU Berlin und bietet Lehrveranstaltungen im Fach Katholische Theologie an.

Bei der Internet-Plattform wordpress.com handelt es sich um einen US-Anbieter. Blogs wie "schavanplag" können dort quasi von jedermann auch anonym eingestellt werden. Eine Ermittlung des Urhebers ist aus Expertensicht nur bei schwersten strafrechtlich relevanten Vorwürfen möglich.

Seit Mittwoch darf sich der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Florian Graf, nicht länger Doktor nennen. Die Universität Potsdam entzog dem 38-Jährigen den Doktortitel. Der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät bescheinigte Graf in seiner Sitzung, die Universität getäuscht zu haben, teilte die CDU-Fraktion mit. Graf hatte den Entzug seines 2010 erworbenen Doktortitels selbst beantragt. (APA, 3.5.2012)

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immer triffts nur die armen schwarzen, mitn Bruno hats angefangen und jetzt die, wer ist die nächste?

immer triffts nur die armen schwarzen, mitn Bruno hats angefangen und jetzt die, wer ist die nächste?

Sorgen haben die Leute!

Es geht nicht um "Sorgen",

sondern um Wahrhaftigkeit. Und diese betrifft alle Lebensbereiche, mit Verlaub.
Wo beginnt denn ihr Mitgefühl: Bei Lügnern, Betrügern, oder dann erst bei Menschen, die andere verletzen, gar töten?
Wo beginnen für Sie dann erst diese "Sorgen"? Vielleicht haben da einen Vorschlag zur allgemeinen Zufriedenheit aller Mitmenschen.

Die menschliche Gemeinschaft beginnt schon da, wo man immer ehrlich miteinander zu tun hat und nicht erst dann, wenn man sich bereits übereinander herfällt.

Et tu, Anette?

Zwei Punkte möchte ich an dieser Stelle

festhalten:

1. Für Frau Schavan gelten halt besonders strenge Massstäbe. Da sie nunmal danach gestrebt hat, an die Spitze der Politik zu gelangen, sollte es ihr nicht überraschend erscheinen, dass ihre Diss eben gründlicher durchleuchtet werden wird, als von andere.

2. Selbstverständlich ist es unerheblich, ob irgendjemand (etwa aus persönl. Befindigkeiten) diese unbedeutende Diss sich nochmal vornimmt. In der Wissenschaft ist es geradezu eine zwingende Voraussetzung, wissenschaftliche Befunde ohne ansehen einer Person anzusehen.
Möglicherweise sind diese Tatsachen der Dame Prof. honor. Dr. Schavan nicht mehr präsent. Im Übrigen scheint diese Diss keine nennenswerte Bedeutung für den Fortschritt in der Wissenschaft in dem Fach zu haben.

plagiate sind allwettertauglich

oder menschen haben manchmal "gleiche ideen".
rufen sie www.winpin.at auf und googlen dann unter "wuppies". wuppies gibt es im merchandising international schon sehr lange. dann sagen sie mir, ob die erfinder der winpin "jetzt pinnen und gewinnen" werbung (Steve Brodnik und Uli Radhuber) hier den gleichen gedanken hatten wie die erfinder der wuppies aus dem werbeartikelbereich.
geben sie mir rot =plagiat oder grün =kein plagiat.

das Plagiat

scheint wohl Voraussetzung für das Amt einer WissenschaftsministerIn zu sein.

Allmählich wird´s kindisch. Die Arbeit ist 32 Jahre alt. Der Standard damals war ein anderer als heute. Nach so langer Zeit etwas auszugraben und dann an den Standards von heute zu messen halte ich für unredlich.

Ich bin wahrlich kein Freund von Frau Schavan und habe mich mit gleich voller Vorfreude ans Lesen gemacht. Ich wurde enttäuscht. Man muss doch ganz deutlich sagen, dass das, was bisher in ihrer Doktorarbeit an Plagiaten gefunden wurde, weit harmloser ist, als was wir bei einigen anderen gesehen haben. Die dummdreiste Guttenbergsche Ausrede von wegen Überblick verloren: Schavan würde ich das nach dem bisherigen Stand tatsächlich abnehmen. Allerdings ist die Arbeit auch schon etwas älter, was die Recherche wegen des Alters der benutzten Quellen erschwert.

Bei Gutenberg fing es auch klein an

Bis dann Leute angefangen haben wirklich zu suchen - und dann kam der große Schwall als zwei Hauptquellen gefunden wurden.

Wozu will die Ministerin "reden"?

Die Arbeit gehört überprüft -und falls erforderlich- der Titel aberkannt. Punktum

"Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen", betonte die Ministerin.

Das braucht sie auch nicht da es EGAL ist wer den Vorwurf erhebt.

Es gibt nämlich nur zwei Möglichkeiten:
- An den Vorwürfen ist etwas dran.
- An den Vorwürfen ist nichts dran.

Wenn die Vorwürfe nicht stimmen ist es sowieso egal.

Aber falls sie doch stimmen, dann ist die Arbeit ein Plagiat und als solche zu beurteilen.

Das braucht sie auch nicht da es EGAL ist wer den Vorwurf erhebt.

angenommen, ich finde heraus, wer NONE ist. ich erfinde etwas ganz schlimmes über sie und stelle das gut anonym abgesichert ins netz und platziere es so, dass sie leicht zu finden und zu identifizieren sind.
sie werden sich hundertprozentig ganz leger und öffentlich dazu äußern und es bleibt zu 100% kein verdacht übrig... viel glück dann!

Das sehe ich im Prinzip auch so. Allerdings handelt es sich bei ihr (bisher?) um einen relativ harmlosen Fall, den VroniPlag anscheinend nicht veröffentlichen wollte. Von daher liegt tatsächlich der Verdacht nahe, dass da jemand eine offene Rechnung begleichen wollte. Kandidaten gibt es dafür genug, da sie eine ausgesprochene Hardlinerin ist: Sie hielt einen Lehrer wegen Antifa-Mitgliedschaft wiederrechtlich aus dem Schuldienst, und sie verbot Lehrerinnen das muslimische Kopftuch, erlaubte aber die Nonnentracht.

Normalerweise lernt man spätestens im ersten Diplomandenseminar

wie zu zitieren ist. Daher sollte es zumindest diesbezüglich keine Ausreden geben.

Interessant ist dass der lässige Umgang mit den Quellen vorwiegend in Geisteswissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften auftritt. Im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich wird es das vermutlich auch geben aber mit Sicherheit sehr viel seltener. Ausserdem drängen sich Techniker und Naturwissenschaftler kaum so mediengeil ins Rampenlicht, daher fällt das vermutlich auch nicht so auf.

Liegt wohl in der Natur der Sache,

meine Diplomarbeit aus dem Bereich Bioanalytik war voller selbst gemessener Werte, daraus erstellten Grafiken und Elektropherogrammen. Es gibt halt ohnehin nichts abzuschreiben, wenn man alles selbst produziert hat.

Gut, bei den theoretischen Grundlagen (Aufbau des Geräts, Detektion,,...) könnte man plagiieren, aber wozu, damit täuscht man ja ohnehin keine schöpferische Leistung vor.

Wenn einem die Note egal ist und man an sich selber den Anspruch nicht setzt, schleichen sich sehr schnell Schlampigkeiten ein: man fasst Texte zusammen, vergisst zwischen Zitaten und Paraphrasen zu trennen, man verliert die Nerven oder Übersicht weil man jahrelang an einem Text sitzt, und so weiter. Das passiert wohl fast allen Dissertanten, in unterschiedlichem Umfang.

Im technischen Bereich treten solche Schwächen auch auf, nur liegt der Schwerpunkt meist auf einem empirischen Teil. Schlampigen Umgang mit Daten finden sie dort aber genauso wie schlampigen Umgang mit Quellen in GeWi Arbeiten, nur ist es wesentlich einfacher nach Plagiaten zu suchen (c&p) als eine Arbeit kritisch auf Inhalte zu überprüfen.

das kann ich so nicht gelten lassen

das ist ein generalvorwurf! ich bin selbst ein wirtschaftswissenschaftler UND techniker und es gibt große unterschiede in dem WAS man WO lernt. ETHIK ist vielleicht wissenschaftlich gesehen (d.h. forschungsbezogen) in der technik besser, aber menschlich (also auf den umgang mit mensch, tier und umwelt) sicherlich bei den geistes-, sozial- und wirtschaftswisssenschaften stärker fixiert (ich erinnere mich an bio-uni-profs die geschützte pflanzen ausreissen, bestimmen und dann wegwerfen; mediziner deren ethik wirklich zum fürchten ist; physiker die immer das sofort alles ausprobieren - atomtest in den 60ern, usw.)

zitieren lernt man übrigens schon vorher. ich habe es schon zur matura lernen müssen, meine nichte sogar schon in der mittelschule

Es ist halt immer wieder das gleiche: Textstellen werden fast, aber nicht im Wortlaut genau abgeschrieben. Es handelt sich aber nicht um Direktzitate, weil diese dann im Wortlaut übernommen werden hätten müssen.

Im Gegensatz zu Guttenberg und anderen, handelt es sich aber um eine wirklich überschaubare Anzahl an Fällen, von systematischem Abschreiben kann hier keine Rede sein. Ein paar mal kann sowas unabsichtlich vorkommen, wenn man schlampig arbeitet und in seinen Mitschriften nicht sauber zwischen Zitaten und paraphrasierten Zusammenfassungen trennt.

Alles in allem halb so wild und nicht mit Guttenberg vergleichbar.

Ok,

hab das "Gutachten" jetzt grob durchgeschaut. Das Problem ist doch, dass man über diese Klinge(n) so gut wie jede GeWi-, KuWI- und nicht-empirische SO-WI-Diplomarbeit und -Diss springen lassen kann, und ich behaupte, dass jeder, der in diesen Bereichen tätig ist und einigermaßen die Augen offenhält, das auch wissen muss. Was also tun?
Die Studierende besser anleiten (da liegt erfahrungsgemäß einiges im Argen), nicht heutige Maßstäbe und den aktuellen Bewusstseinsstand rückprojizieren, den Begriff "Plagiat" nicht so inflationär gebrauchen, wie das heute vielfach passiert, evtl. auch das System der Abschlussarbeiten im Ganzen überdenken.

Bei Shavan jedenfalls wird das für eine Aberkennung mE (zurecht!) nicht reichen.

Was ist eigentlich aus den Vorwürfen gegen Martin Ehrenhauser und Johannes Hahn geworden?

Davon hört man auch nichts mehr. Unter den Teppich?

Weiß einer Details? Die wurden von AntiPlag Austria untersucht, aber die Seite hat nichts neues! http://de.antiplagaustria.wikia.com/

@Eichhorn Das verstehe ich etwas anders

Also ich weiß nicht ob das von Martin kommt, aber ich habe mir einen Teil der Seite durchgelesen als die Vorwürfe kamen - und als nur Anführungszeichen würde ich das nicht interpretieren. Wer Passagen komplett abschreibt und so tut als wären das eigene Worte hat betrogen.

Aber das war nicht mein Punkt, denn ich bin Laie (und ich gehe davon aus auch sie) - meine Frage war was draus geworden ist - die Uni wollte doch untersuchen?

Die Vorwürfe gegen Martin Ehrenhauser

kommen aus der Ecke von Hans Peter Martin - den Ehrenhauser ja bei der Staatsanwaltschaft wegen Missbrauch von Steuergeldern angezeigt hat. Und die Vorwürfe auf den Punkt gebracht und relativiert: bei einigen Zitaten hat er auf die "Anführungszeichen" vergessen, die Quellen aber sehr wohl jeweils angegeben. Etwas schlampig gearbeitet halt was vielleicht entschuldbar ist, da er das Studium in sehr kurzer Zeit neben seinem Job als Koch gemacht hat. Dass man ihm deswegen seinen Magister (es steht ja nicht eine Doktorarbeit am Prüfstein) aberkennt denke ich nicht.

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