"Der 911 ist das einzige Auto, das nicht altert"

3. Mai 2012, 19:18

Michael Mauer über Spielräume, Understatement und den verstorbenen Ferdinand Alexander Porsche

STANDARD: Porsche-Fans ist der 911er heilig, jede Veränderung gilt als Sakrileg. Wie viel Vertrautes müssen Sie bewahren? Welche Neuerungen sind möglich?

Michael Mauer: Mit jedem neuen Entwurf versuchen wir herauszufinden, wie weit wir den Stein in die Zukunft werfen können. Man will ihn weit werfen, aber man darf ihn auch nicht zu weit werfen, denn der Kunde soll ihn noch finden können.

STANDARD: Aber Sie müssen den Stein werfen.

Mauer: Natürlich. Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein.

STANDARD: Haben Sie überhaupt Spielräume?

Mauer: Unsere Spielräume sind klar definiert: Der 911 ist und bleibt ein kompaktes zwei-mal-zwei-sitziges Sportcoupé mit Heckmotor. Trotzdem muss die jeweils aktuelle Version eindeutig als neue Generation zu erkennen sein. Da wird die Arbeit manchmal zum Spagat.

STANDARD: Seit 49 Jahren derselbe Typ - ist das nicht konservativ?

Mauer: Nein, das ist nachhaltiges Design! Der 911 ist offenbar das einzige Auto, das nicht altert. Nicht ohne Grund sind mehr als zwei Drittel aller jemals gebauten Porsches noch auf den Straßen unterwegs. Das zeigt, wie wert- und formbeständig unsere Wagen sind.

STANDARD: Vor allem das Heck des 911 haben Sie neu gestaltet.

Mauer: Während wir bei der Front an der typischen 911er-Produktidentität festhalten, haben wir uns am Heck getraut, einen deutlicheren Schritt zu gehen. Die scharf geschnittene Kante und die schmalen LED-Leuchten setzen neue Akzente.

STANDARD: Was sind weitere gravierende Neuerungen?

Mauer: Es beginnt mit den Proportionen sowohl der Karosserieform als auch des Innenbereichs. Der Radstand ist länger, die Vorderachse breiter, die Dachlinie gestreckt. Die Karosserie wurde flacher. Tiefer. Diese Kombination führt dazu, dass der Wagen zwar immer noch extrem kompakt wirkt, doch in der Gesamtlänge leicht gewachsen ist. Er hat sich dramatisch in Richtung Sportlichkeit verändert. Das zeigt sich auch bei Details: Die Scheinwerfer sind eher größer geworden. Im inneren Bereich sind sie viel schärfer akzentuiert, viel moderner ...

STANDARD: ... viel aggressiver?

Mauer: Nein. Das Wort verwende ich nicht gern. Ein Porsche ist nicht aggressiv. Ein Porsche ist sportlich, dynamisch, elegant, ausdrucksstark. Und kompromisslos.

STANDARD: Warum nicht aggressiv?

Mauer: Der Erfolg von Porsche gründet sich auf der Kombination von Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit. Diese Kombination macht den 911 und unsere gesamte Produktpalette einzigartig. Sie können sich mit einem Porsche in der Stadt bewegen, ebenso können Sie aber auf die Nürburgring-Nordschleife gehen. Natürlich ist der neue 911 nun noch sportlicher, aber wenn Sie ihn mit Wagen derselben Leistungsklasse vergleichen, dann merken Sie schnell: Es ist ein bescheidener, zurückhaltender Auftritt.

STANDARD: Ist der 911er ein Spielzeug für das Kind im Mann?

Mauer: Klar, um von A nach B zu kommen, brauche ich eigentlich keinen Porsche 911. Doch rationale Entscheidungen triumphieren bei uns Menschen nicht immer. Glücklicherweise. Porsche steht für eine stilvolle Art und Weise der Fortbewegung, die Spaß macht. Buben und Sportwagen - das ist eine immer noch gültige Kombination.

STANDARD: Warum gibt es deutlich weniger Porsche-Fahrerinnen?

Mauer: Am Design kann's ja nicht liegen. Auf den Präsentationen zeigen sich die Frauen sehr interessiert.

STANDARD: Laut einer Studie der University of Texas in San Antonio verhalten sich Männer, die Porsche fahren, wie Pfauen: Sie wollen beeindrucken.

Mauer: Dem kann ich nicht folgen. Porsche steht eher für Understatement.

STANDARD: "Ein Auto, zu schnell für unsere Straßen", hat Otl Aicher kritisiert, "er fährt auch, wenn er steht." Die Qualität der Designlösungen hingegen lobte der berühmte Grafiker. Porsche scheint das Lieblingsauto von Gestaltern zu sein.

Mauer: Das freut mich natürlich. Designer erkennen sofort, dass er sorgsam gestaltet ist. Mein Grundsatz ist dennoch: Wir gestalten keine Autos speziell für Designer, sondern für alle Kunden.

STANDARD: Haben Sie einmal damit geliebäugelt, in einem anderen Designbereich zu arbeiten?

Mauer: Ein entschiedenes Nein! Ich habe während meines Transportation-Design-Studiums an der Hochschule in Pforzheim vier Semester Produktdesign belegen müssen. Das war die härteste Zeit meines Lebens. Ich habe unter anderem Kaffeemaschinen entworfen.

STANDARD: Was ist daran so schlimm?

Mauer: Ich habe immer gesagt: Ich entwerfe alles, solange es vier Räder hat. Automobildesigner ist man einfach von Anfang an. Man muss nur eine Portion Benzin im Blut haben.

STANDARD: Welche Designer bewundern Sie? Haben Sie Vorbilder?

Mauer: Da gibt es einige Menschen, mit denen ich intensiv zusammengearbeitet habe und die meine Chefs waren. Bruno Sacco etwa, der einstige Chefdesigner von Mercedes. Auch sein Nachfolger Peter Pfeiffer. Beide haben mich geprägt. Aber ich gehe heute meinen eignen Weg.

STANDARD: Welche Bedeutung hat für Sie der jüngst verstorbene Ferdinand Alexander Porsche, der Designer des ersten 911ers?

Mauer: F. A. Porsche hat als erster Designchef von Porsche die Sportwagenikone 911 gezeichnet. Eine Form, die bis heute in der nunmehr siebenten 911er-Generation sehr erfolgreich weiterlebt und auch in zukünftigen Porscheprodukten weiterleben wird. Mich fasziniert auch, dass er bei der Gestaltung von Gebrauchsgütern extrem erfolgreich war und kontinuierlich neue Trends gesetzt hat. F. A. Porsche ist, denke ich, für wirklich jeden Designer, egal ob Produkt- oder Automobildesigner, ein Vorbild. (Fabian Wurm, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)

Michael Mauer (49) hat den 911 zwar nicht gänzlich neu erfunden, aber in die Zukunft überführt. Sein 911er, der im vergangenen Herbst auf der Frankfurter IAA vorgestellt wurde, ist eine komplette Neuentwicklung. Nicht die erste, die er bei Porsche verantwortet. 2009 entwarf er den Porsche Panamera. Seine Meriten hat der oberste Porsche-Designer bei Mercedes-Benz verdient: 1995 war er für die Mercedes-Benz-Modelle SLK, SL und die A-Klasse mitverantwortlich. 1998 übernahm er die Leitung des Mercedes-Benz-Advanced-Design-Studios in Japan. 1999 wurde er Chefdesigner bei MCC Smart. Im Jahr 2000 wechselte er als Executive Director Design zu Saab, 2004 schließlich als Chefdesigner zu Porsche.

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"Porsche steht eher für Understatement."

Und wofür steht dann mein gebrachter 2001er Opel Agila um 2000 Euro?

ein opel agila steht für zuverlässigkeit

und männl. potenz

ein porsche steht für zuverlässigkeit und .. naja für ein sagen wir potentes auto :)

für ka göd

?

Keine Ahnung. Jetzt wo ich das mit dem Understatement weiß werde ich jedenfalls keinen Porsche kaufen. Mir ist wichtig zu zeigen, was ich hab.
(Brauchen Sie den Agila noch?)

Der Agila steht für

"Underfinanced"

Boxster

Na gut. Bokschter um im schwäbischen Idiom zu bleiben ;-)

Mauer ist kein Schwabe.

Es ist schon sehr interessant zu lesen, wie viele Leute sich über etwas ausgesprochen erfolgreiches (und das ist der 911 über Jahre) und über erfolgreiche Leute (dieser Designer hat ja keinen one-hit gelandet) herablassend äußern können.

Da liegt die "Neidannahme" doch sehr sehr nahe!

so oft bin ich beim porschehändler gewesen, hab ihn ständig probegefahren und nur weil ich ihn mir nicht leisten konnte ists zum schluss dann doch ein gebrauchter windelbomber in omafarbe geworden.

ich find das design ja nicht schlecht, aber es ist dadurch langweilig geworden als dass man in fast jeder straße nen porsche sieht. das ist das einzige was mich dran stört.

individualisten fahren multipla ;)

is ja kein sportwagen! :)

gut erkannt, is ein kompaktvan ;)

stimmt, der war eigentlich immer schon ein alte-leut-auto.

"STANDARD: Vor allem das Heck des 911 haben Sie neu gestaltet."

Nur für ein zugehöriges Foto, welche diese Aussage auch bestätigt und nachvollziehbar macht, hat der Platz offensichtlich nicht mehr gereicht...

Ikone_Boxter

Ich denk der Boxter hat als Zitat der Formensprache des 550 Spyder langfristig auch das Potential zur Design-Ikone.

Die siebente Generation auf dem Bild schaut von vorne recht gut aus.

Mir hat der 911 nie gefallen. Ohne Flügel sieht es so aus, als ob hinten Godzilla draufgestiegen wäre! Ein Auto wie ein Frosch.

Habe mir die Fotostrecke jetzt angeschaut.

Der 911er in der 7. Generation schaut endlich auch mal gut aus. Bisher war das für mich ein Biedermannauto sondergleichen. Aber jetzt sind einige feine Details vorhanden, die den 911er recht flott aussehen lassen. Auch der neue Cayenne schaut besser aus als der Vorgänger mit den hässlichsten Rückleuchten ever seen. Beides aber immer noch Autos der puren Unvernunft - überteuer, immer noch zuviel Verbrauch, vor allem das Cayenn-Trumm! Aber das spielt ja bei Autonarren keine Rollo! (C:

Kunst mit dem Porsche 911

Machen wir eine Skulptur draus?
http://www.youtube.com/embed/cVPe4KX41x0

Oder bauen wir ihn uns ganz ökologisch selber?
http://www.youtube.com/embed/GaQB_tgS7f0

Solche Ehrbekundungen kriegen nur Ikonen wie der 911

und wo ist der luftgekühlte boxer ? :-(

"Ein Porsche ist nicht aggressiv. Ein Porsche ist sportlich, dynamisch, elegant, ausdrucksstark. Und kompromisslos."

Buäh, der Typ sollte Politiker werden - absolut inhaltsleer und nichtssagend!

naja das is halt werbe-blabla. ein auto is natürlich ned "sportlich" oder "dynamisch", das wünscht sich halt der fahrer, dass er so empfunden wird, wenn er das auto fährt.

da hat er schon recht mit der aussage, porsche ist nicht aggressiv. lamborghini ist aggressiv.

aber ja, der kommt schon ziemlich politikerhaft rüber.

allerdings kommen porsches, die in der lambo-klasse spielen, auch aggressiv rüber. siehe gt3rs

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