Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Heidelberg - Männer, die an einer manisch-depressiven Erkrankung leiden, weisen besonders häufig eine bestimmte genetische Veränderung auf, betroffene Frauen nicht. Dies haben Wissenschaftler am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg erstmals durch genetische Untersuchungen an einer großen Studiengruppe mit rund 1800 Patienten und 2400 gesunden Vergleichspersonen festgestellt.
Die Studiendaten zeigen, dass die untersuchte Genvariante bei Männern das Erkrankungsrisiko um etwa 30 Prozent erhöht. Die Genveränderung führt dazu, dass sich die Funktion des so genannten Serotoninrezeptors Typ 3 ändert. Dieses Schlüsselmolekül der Reizweiterleitung ist im Gehirn an der Steuerung von Prozessen wie Lernen, Erkennen und Emotionen beteiligt und wurde bereits mehrfach mit der Entstehung von Angststörungen und Depression in Zusammenhang gebracht. Die Ergebnisse geben auch Hinweise darauf, warum Medikamente, die den Serotoninrezeptor blockieren, bei manchen Patienten wirken und bei anderen nicht.
Die europaweite Studie unter Federführung von Beate Niesler, Abteilung für Molekulare Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg, und ihrem Mitarbeiter Christian Hammer, jetzt Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen wurde jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Translational Psychiatry, einem Online-Journal der Nature-Gruppe, veröffentlicht.
Emotionale Verarbeitung von Reizen ändert sich
Patienten mit bipolarer affektiver Störung, besser bekannt als manisch-depressive Erkrankung, leiden an abwechselnden Phasen von Depression und übermäßig gehobener Stimmung (Manie). Experten schätzen, dass in Deutschland bis zu fünf Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig. Bisherige Studien lassen vermuten, dass ein Zusammenspiel verschiedener Gene und Umweltfaktoren die Erkrankung verursacht. „Wir gehen davon aus, dass bei den Betroffenen die Regulation wichtiger Botenstoffe, z.B. Serotonin, im Gehirn verändert ist", erklärt Niesler.
Serotonin beeinflusst vielfältige komplizierte Vorgänge im Körper, unter anderem das Angstverhalten. Auf Nervenzellen sitzen verschiedene Typen von Rezeptoren, an die das Serotonin nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bindet und so zelluläre Signale weiterleitet. Einer davon ist der Serotoninrezeptor Typ 3. Die Genveränderung stört dieses Wechselspiel zwischen Serotonin und seinem Rezeptor. Dadurch ändern sich die Weiterleitung von Signalen und damit die emotionale Verarbeitung von Reizen.
„Dies könnte eine Ursache für die Entstehung von Angststörungen sein, die bei Patienten mit manischer Depression eine große Rolle spielen", so Niesler. Ihre neuen Forschungsergebnisse untermauern diese These, zumindest bei männlichen Patienten, während bei Patientinnen keine Abweichungen zu finden waren. Warum dies so ist, kann Hammer nur vermuten. „Vielleicht tragen hierzu Unterschiede im Hormonhaushalt bei. Diese führen bei Männern und Frauen bekanntermaßen zu einer unterschiedlichen Verarbeitung von Stress."
Warum wirken Medikamente nur bei manchen Patienten?
Medikamente, die den Serotoninrezeptor Typ 3 blockieren, werden zur Behandlung von Angststörungen und Depression eingesetzt, sind jedoch nicht bei allen Patienten wirksam. „Unsere Ergebnisse sind wichtig für weitere klinische Studien, zum Beispiel um zu verstehen, warum diese Medikamente bei einigen Patienten wirken und bei andern nicht", betont Niesler. „Wir möchten unter anderem herausfinden, ob die Wirksamkeit der Rezeptor-Blocker von der individuellen Genvariante der Patienten abhängig ist." Die Heidelberger Forschungsarbeiten könnten zukünftig dazu beitragen, für Patienten mit unterschiedlichem genetischem Profil spezifische Medikamente zu entwickeln. (red, 3.5.2012)
Erkenntnisse zur Entstehung von Angst: Die Gehirnstruktur Amygdala generiert Furcht und Panik - Sie kann aber auch Furcht hemmen
Patienten mit Depressionen erlangen mit schwacher elektrischer Stimulation die Fähigkeit wieder, den Einfluss emotionaler Informationen auf ihr Denken und Handeln zu kontrollieren
Spezielle Konzepte sollen die Angst vor der Arbeit mindern und eine dauerhafte Rückkehr in die Berufstätigkeit ermöglichen
Sonneneinstrahlung spielt eine wichtige rolle bei der Entstehung seelischer Erkrankungen
Lichtmangel, Depressionen und Angsstörungen schränken die Bindungsfähigkeit des Serotonin-1A-Rezeptors ein
Schritt in Richtung individualisierter Therapie: Mit der Positronen-Emissions-Tomographie wird die Wirkung der SSRI sichtbar
Früher rettete uns der Kampfmodus des vegetativen Nervensystems das Leben - Heute beschert er uns Panikattacken im Flugzeug
Salzburger Universitätsklinikum präsentierte Ergebnisse der Expertise - 20 Patienten gingen zwei bis dreimal in der Woche wandern - Therapeutischer Effekt erzielt
Analytische und beharrliche Herangehensweise an das Lösen komplexer Aufgaben - Erstmals Nachweis dieser Theorie
Auch Drogenprobleme als Folge von Gewalt in Kindheit möglich
Jugendliche Depressionen werden oft als Pubertätswirren verkannt - Die Diagnose erfolgt häufig spät - Die Ursachen sind vielfältig
Mögliche Bedrohungen bestimmen die Wahrnehmung - Antrainieren von Gegenstrategien verringert den Stress
Eigens entwickeltes Spiel ebenso erfolgreich wie Therapiesitzungen
Wo genau spielt sich Angst im Gehirn ab und inwiefern ist sie beeinflussbar? US-Wissenschafter gehen der Hypothese nach, ob nicht auch Mut in den grauen Zellen verortet ist
Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Erkrankung wird hoch eingeschätzt
Toskanische Psychologen überprüfen, wie häufig das Stendhal-Syndrom auftritt
Nach wie vor große Defizite bei der Diagnose und Behandlung von Depressionen - 1. Deutscher Patientenkongress Depression lädt zum Austausch ein
400.000 Österreicher leider unter bipolaren Störungen - Bis zur Diagnose vergehen mitunter Jahre - Unbehandelt sinkt die Lebenserwartung
Symptome gehen auch unter Normalbedingungen der Therapie zurück - 35 Sitzungen dauert die Therapie einer Depression im Schnitt
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.