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Laibach im Frühling:


Der Krainer-Streit scheint an der Bevölkerung spurlos vorüberzugehen.

Unerhört: "Tiroler Salami" in einer Fleischerei - aus Pferdefleisch!
Von düsteren Absichten ist in der slowenischen Hauptstadt auf ersten Blick kaum etwas zu erkennen. Als wäre nichts geschehen, genießen die Laibacher den Frühlingstag in Cafés am Flussufer unter blühenden Kastanien und Trauerweiden, spazieren unbekümmert über die bizarren Brücken Tromostovje und Drachenbrücke oder erledigen ihre Einkäufe. Auf Anhieb lässt sich auch keine Spur von der Urahnin unserer Käsekrainer ausmachen, dem Apfel der Zwietracht, dem Casus Belli zwischen zwei europäischen Nachbarstaaten mit gemeinsamer Vergangenheit; keine Spur von der zu trauriger internationaler Berühmtheit gelangten Krainer Wurst, die sie hierzulande Kranjska Klobasa nennen.
Würstelstände sind jedenfalls keine zu sehen. Das Angebot an Street Food reduziert sich auf französische Crêpes, belgische Waffeln oder die allgegenwärtige Pizza-Döner-Hotdog-Verwirrung. Also ab zum Markt am Vodnik-Platz. Da stehen einige Standln, die aussehen, als könnten sie mit einer geselchten und gebrühten Wurscht dienen. Doch wieder nix. Der erste Stand bietet gekochten Oktopus, panierte Tintenfische und gegrillte Sardinen. Ein anderer ist auf bosnische Spezialitäten, Cevapcici und kleine Grillwürstel spezialisiert. Und ein weiterer auf türkischstämmige Burek mit Spinat, Käse oder Fleischfülle, wie man sie in Slowenien wie in ganz Exjugoslawien und am gesamten Balkan schon seit langem findet. Aber nichts, das sich mit der weltberühmten österreichischen Wurstkultur messen könnte.
Tirolska Salama
Dann, in einer Fleischerei unter den Jugendstilarkaden des Marktgebäudes, liegen sie plötzlich in der Auslage - gleich neben einer Schnittwurst, die optisch an unsere Polnische erinnert, sich aber unverfroren Tirolska Salama nennt und aus Pferdefleisch erzeugt wird. Na hoffentlich nicht aus dem Fleisch der edlen Pferde aus Lipica, die uns die Slowenen ja seinerzeit auch absprechen wollten!
Gleich neben der Fleischerei steht auf einer Schiefertafel vor einem Lokal geschrieben: Kranjska Klobasa - vier Euro fünfzig das Paar mit Senf und Brot. Dumpingpreise, also. Der Kellner heißt Janez und will von einem Wurststreit noch nie was gehört haben. "In Österreich gibt es auch Krainer?", sagt er scheinheilig, "das ist mir neu." Er serviert ein Paar dicke Selchwürste, die an einem kleinen Hölzl zusammengebunden sind - was vermutlich handwerkliche Herstellung und also Authentizität vermitteln soll. Die Wurst ist knackig und fett und schmeckt nach nicht sehr viel - und jedenfalls nicht anders als im Süden Österreichs oder in Wien, wo sie in einigen wenigen Lokalen nach wie vor ohne Käsefülle und gebrüht statt gegrillt serviert wird. Im Café Alt Wien in der Bäckerstraße zum Beispiel.
Wurstverbesserungstechnologie
Hier bestätigt sich, dass die in den 1980er-Jahren - und das ist bitte gar schön objektiv feststellbar - in Österreich und mittels modernster inländischer Wurstverbesserungstechnologie entwickelte Käsekrainer dieser primitiven Urform haushoch überlegen ist. Wird sie doch samt Industriekäse gewurstet und hernach bis zum köstlichen Ausfließen desselben gegrillt.
Zur Krainer verhält sich die Käsekrainer wie die Pizza zum Fladenbrot. Und niemand käme auf die Idee, den Neapolitanern die Pizza streitig zu machen, nur weil ihr Boden eventuell auf ein im Mittelmeerraum verbreitetes Fladenbrot namens Pita zurückgeht. Woher also die überhebliche Behauptung der Slowenen, dass die Krainer ihnen gehöre? Kellner Janez blickt ratlos. "Die Wurst", sagt er schließlich, "gehört dem, der sie bestellt - und der dafür bezahlt."
Die Krainer im Grammelpogatscherl
Wir ziehen weiter, wollen weitere Würste verkosten. In einer Weinbar zum Beispiel. Die Vinoteka Evino ist eines der angesagtesten Lokale der Stadt. Genau die Art von Bar also, in der es bei uns niemals Krainer geben würde - ob mit Käse oder ohne. Hier steht sie zwischen toskanischer Salami und piemontesischem Käse auf der Karte. Serviert wird sie aufgeschnitten und auf designten, gläsernen Tellerchen mit Senf und Krensauce. Ob sie noch serbischen Ajvar bringen solle, fragt die Kellnerin freundlich-provokant. Das fehlte gerade noch. Aber um sieben Euro fünfzig - und mangels Käse - will auf Ajvar dann doch niemand verzichten.
Zwanzig Kilometer weiter, nahe der Stadt mit dem verdächtigen Namen Kranj, liegt das Gourmetrestaurant Pri Danilo. Auch hier gibt es Krainer, eingebacken in eine Art Grammelpogatscherl und serviert mit echtem slowenischen Kürbiskernöl und einem Glas Sauvignon aus der Spodnja Stajerska, einer Region, die früher einmal Untersteiermark hieß, weshalb auf dem Etikett wohl auch "Styrian Wine" zu lesen ist. Frech? Wohl kaum, heißt es doch im Dachsteinlied, der steirischen Landeshymne, ganz deutlich: "... bis zum Wendenland am Bett der Sav', bis ins Rebenland im Tal der Drav'". Blöd nur, dass das "Wendenland" heute längst ein eigener Staat ist und Slowenien heißt. Und die besungenen Flüsse Save und Drau folglich nicht mehr durch die Steiermark fließen. (Georg Desrues, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
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Der Seitenhieb auf die steirische Hymne sorgt vielleicht für belustigten Applaus in Wien-Neubau, trifft die Sache aber nicht. Die historische Region Steiermark ist nach wie vor größer als das Bundesland: Die slowenischen Steirer verwenden "Stajerska" als Kampfbegriff, um sich von den Hauptstädtern abzgrenzen (kommt einem bekannt vor, nicht?) und kämpfen mit dem Argument "Wir sind auch Steirer" gerade darum, die geschützte geografische Angabe "Steirisches Kernöl" auch verwenden zu dürfen. Mit Imperialismus hat die Steirerhymne also gar nix zu tun, aber sehr viel mit einer gemeinsamen Regional-Identität.
(Übrigens heißt die Stadt Kranj zu deutsch "Krainburg", was dem Autor wohl vor lauter Wurst entgangen ist - Wikipedia hätte geholfen.)
sondern mit der tatsache, dass die krainer etwas ganz anderes ist als die käsekainer...
wo wurde iegentlich das "schnitzel" erfunden? der logik der slowenen zufolge könnte man ja sämtliche xy-chnitzel auf der welt verbieten...
ist ein südslawisches Toponym, das eine Grenzlandschaft bezeichnet
...und die gibts nicht nur in SLO, sondern auch in HR, BIH, SRB, PL,...
...und weil unsere Wurst eh besser schmeckt, kann sie wohl auch nicht von den Slowenen geklaut sein.
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