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vergrößern 600x400Rapper Stefan Burnett und Hella-Drummer Zach Hill geben dem US-Hip-Hop alte Radikalität wieder.
Im Vorjahr verschenkte das Trio ein erstes Mixtape namens "Exmilitary" gratis als Download im Internet. Das widersprach zwar im Hip-Hop der gängigen Praxis der vergangenen Jahre, möglichst schnell Gewinn aus dem Markt zu schöpfen. Die brutalen Beats und dringlichen Raps Stefan Burnetts allerdings, des grimmigen Frontmanns der Death Grips aus Sacramento, Kalifornien, verbreiteten jene martialische Aura, die exakt den Erwartungshaltungen eines Publikums entsprachen, im Hip-Hop jenseits aller festgefahrenen Blingbling-Turbokapitalismus-Klischees wieder die Aura des Gefährlichen, Aufrührerischen entdecken zu wollen.
Ein knappes Jahr später veröffentlichen Death Grips nun ihr reguläres Debütalbum auf Epic, einer zum Unterhaltungsriesen Sony gehörenden Gemischtwarenfirma für großteils Mainstreammusik. Man hofft offenbar, das mit "Exmilitary" erworbene symbolische Kapital doch auch finanziell umlegen zu können.
Gemeinsam mit dem von der Noiserockband Hella bekannten Schlagzeuger Zach Hill und Soundmann Andy Morin hat Stefan Burnett, dem die Legende bescheinigt, in einem früheren Leben ein US-Marine gewesen zu sein, nun die musikalische Ausrichtung keineswegs gefälliger gestaltet. Death Grips haben sich eher noch weiter radikalisiert. Sie bieten auf den Tracks von "The Money Store" eher eine sich jedweder Vision oder Utopie verweigernde, ziemlich gnadenlose Zustandsbeschreibung innerstädtischer Communitys. Diese sind aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Lage schon längst derart auseinandergebrochen, dass hier keine etwaige Aussicht auf bessere Tage noch so etwas Ähnliches wie Optimismus befördern könnte.
Mit kruden Samples aus der Rave-Geschichte und antikem Computergeböllere und Drillbohrergeräuschen wird mit verzerrten Sounds und übersteuerten Beats eine Spur der Verwüstung gezogen, die sich vor allem auch auf die anfänglichen Low-Fi-Sounds des Wu-Tang Clan aus New Jersey bezieht.
Stefan Burnett gibt darüber den von allen vorstellbaren Teufeln besessenen Prediger. Seine Stimme versucht durch dunkle Lärmschlieren zum Hörer durchzudringen. Sie wird zerhackt, verdoppelt, neu zusammengefügt, rückwärts abgespult. Die Musik ist zäh und belastet das Gemüt. Die Texte handeln von Verzweiflung, Einsamkeit, Gewalt. Es geht um den Krieg in den Städten der Heimat und auch um jenen in Übersee. Die Truppen, mit denen Burnett marschiert, haben ihr Todesurteil schon bei ihrer Geburt unterschrieben.
Neben Mark Stewarts an dieser Stelle kürzlich vorgestelltem neuen Album "The Politics Of Envy" handelt es sich bei "The Money Store" von Death Grips nun schon um ein zweites politisches Statement in diesem Jahr, das sich eindeutig auf die letzte große Zeit der Paranoia und Endzeit in der Musik bezieht. Das war vor 30 Jahren. Damals verbanden politische Musiker gern die strikt gegen Rock 'n' Roll gerichtete Industrialkultur mit schwarzen, ehemals futuristischen, bald dystopischen Stilen wie technoidem Dub oder Funk. Die Welt ist damals stehengeblieben. Aber so ein gerade noch abgewendeter Weltuntergang ist natürlich für jede Generation wieder reine Verhandlungssache. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
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