Die Schwarzseher

Christian Schachinger, 3. Mai 2012, 17:31
  • Rapper Stefan Burnett und Hella-Drummer Zach Hill geben dem US-Hip-Hop alte Radikalität wieder.
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    foto: epic

    Rapper Stefan Burnett und Hella-Drummer Zach Hill geben dem US-Hip-Hop alte Radikalität wieder.

Die kalifornische Band Death Grips legt mit ihrem Majordebüt "The Money Store" eines der unerbittlichsten Statements des US-Hip-Hop seit langer Zeit vor

Im Vorjahr verschenkte das Trio ein erstes Mixtape namens "Exmilitary" gratis als Download im Internet. Das widersprach zwar im Hip-Hop der gängigen Praxis der vergangenen Jahre, möglichst schnell Gewinn aus dem Markt zu schöpfen. Die brutalen Beats und dringlichen Raps Stefan Burnetts allerdings, des grimmigen Frontmanns der Death Grips aus Sacramento, Kalifornien, verbreiteten jene martialische Aura, die exakt den Erwartungshaltungen eines Publikums entsprachen, im Hip-Hop jenseits aller festgefahrenen Blingbling-Turbokapitalismus-Klischees wieder die Aura des Gefährlichen, Aufrührerischen entdecken zu wollen.

Ein knappes Jahr später veröffentlichen Death Grips nun ihr reguläres Debütalbum auf Epic, einer zum Unterhaltungsriesen Sony gehörenden Gemischtwarenfirma für großteils Mainstreammusik. Man hofft offenbar, das mit "Exmilitary" erworbene symbolische Kapital doch auch finanziell umlegen zu können.

Gemeinsam mit dem von der Noiserockband Hella bekannten Schlagzeuger Zach Hill und Soundmann Andy Morin hat Stefan Burnett, dem die Legende bescheinigt, in einem früheren Leben ein US-Marine gewesen zu sein, nun die musikalische Ausrichtung keineswegs gefälliger gestaltet. Death Grips haben sich eher noch weiter radikalisiert. Sie bieten auf den Tracks von "The Money Store" eher eine sich jedweder Vision oder Utopie verweigernde, ziemlich gnadenlose Zustandsbeschreibung innerstädtischer Communitys. Diese sind aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Lage schon längst derart auseinandergebrochen, dass hier keine etwaige Aussicht auf bessere Tage noch so etwas Ähnliches wie Optimismus befördern könnte.

Mit kruden Samples aus der Rave-Geschichte und antikem Computergeböllere und Drillbohrergeräuschen wird mit verzerrten Sounds und übersteuerten Beats eine Spur der Verwüstung gezogen, die sich vor allem auch auf die anfänglichen Low-Fi-Sounds des Wu-Tang Clan aus New Jersey bezieht.

Stefan Burnett gibt darüber den von allen vorstellbaren Teufeln besessenen Prediger. Seine Stimme versucht durch dunkle Lärmschlieren zum Hörer durchzudringen. Sie wird zerhackt, verdoppelt, neu zusammengefügt, rückwärts abgespult. Die Musik ist zäh und belastet das Gemüt. Die Texte handeln von Verzweiflung, Einsamkeit, Gewalt. Es geht um den Krieg in den Städten der Heimat und auch um jenen in Übersee. Die Truppen, mit denen Burnett marschiert, haben ihr Todesurteil schon bei ihrer Geburt unterschrieben.

Neben Mark Stewarts an dieser Stelle kürzlich vorgestelltem neuen Album "The Politics Of Envy" handelt es sich bei "The Money Store" von Death Grips nun schon um ein zweites politisches Statement in diesem Jahr, das sich eindeutig auf die letzte große Zeit der Paranoia und Endzeit in der Musik bezieht. Das war vor 30 Jahren. Damals verbanden politische Musiker gern die strikt gegen Rock 'n' Roll gerichtete Industrialkultur mit schwarzen, ehemals futuristischen, bald dystopischen Stilen wie technoidem Dub oder Funk. Die Welt ist damals stehengeblieben. Aber so ein gerade noch abgewendeter Weltuntergang ist natürlich für jede Generation wieder reine Verhandlungssache. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)

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25 Postings
new jersey? eher nicht!

und sowas darf über musik schreiben!

wenn ich fragmentarisch und spröde will, dann zieh ich mir soan & skin rein. die kann das wenigstens.

soap, sorry fuer den tippfehler

bitte streicht das wort bobo aus eurem vokabular oder ersetzt es durch ein reflexivpronomen.

hmm.. hab das album grade gesaugt..ist den traffic nicht wert :(

ODB dreht sich gerade im grab um, new jersey??? was geht? :D

@artikel: zach hill, cool. death grips, mäh.

... schreibt der alternative-mensch herablassend und leicht rassistisch über eine hip-hop gruppe

das review hat für mich sehr einladend geklungen bis ich gesehen habe dass es von schachinger verfasst wurde. das heißt es könnte sich hier auch um ein schlager- oder skatepunkalbum handeln.

Stimmt eh, zum selber überzeugen:
http://thirdworlds.net/

Wu-Tang Clan kommen aus New York City.

Und sie auch nur in diesem Artikel zu erwähnen ist schon sehr frech...bitte nicht immer so übertreiben.

Coney Island

und Newark.Obwohl nahe an New York dann aber doch nicht.
Genau regerieren dear friend.
Sich auch mit Hip Hop beschaeftigen war doch diese Gegend inkl Fugees praegend

abgesehen davon dass coney island zu brooklyn gehört kommt der wu tang clan hauptsächlich aus staten island und brooklyn, also nyc, aber gut, wer "recherchieren" so schreibt...
"i grew up on the crime side, the new york times side"

skilltechnisch nicht weltbewegend, außerdem zuviel geschreie, nicht mein sound

nur 2 aktuelle alben zu paranoia und endzeit?

da hat einer aber das neue killing joke album mmxii ignoriert oder übersehen. asche auf sein haupt!

wolltest eh "genial" schreiben, aber bei dem Tempo

vergisst man schon ein paar buchstaben...

rotstrichler, vergebt ihm. ;)

wu-tang aus new jersey?!?

seit wann ist denn staten island in new jersey?! von new yorkern zu behaupten sie kämen aus new jersey ist so ziemlich das schlimmste was man ihnen antun kann (sogar wenn sie aus staten island kommen)

vor 30 jahren, vor 30 jahren..., ja, da wiederholten sich die 50er, richtig. und jetzt wiederholen sich aber die 30er.

deläk für bobos

fast so schön wie brAnk sinatra bei den amadeus awards...

bobos können wenigstens bandnamen richtig schreiben.
und nein, das hat nichts mit rechtschreibung zu tun, sondern mit einem mindestmaß an respekt.

die bobos wüssten wenigstens wie man 'dälek' schreibt ... .

außerdem, zach hill, kenn' ich bis jetzt nur von goon moon. der kommt auf die auschecken-liste.

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