Kurzarmhemd, die Zweite

  • Einfach die Ärmel eines Langarmhemds aufkrempeln?
    foto: matthias cremer

    Einfach die Ärmel eines Langarmhemds aufkrempeln?

Warum in dieser emotionalen Diskussion das letzte Wort noch ausständig ist

Angesichts der hochemotionalen Reaktionen auf die vorvorwöchentliche Kolumne, in der einige böse Worte über das Kurzarmhemd zu lesen waren, kommen wir nicht drum herum, uns noch einmal mit der Ärmelfrage zu beschäftigen. Sie klingt ganz einfach (wie lang müssen die Ärmel sein?), die Antworten lösen mitunter aber ähnlich schwerwiegende Reaktionen aus wie eine nepalesische Amöbenruhr.

Eine einfache Magenverstimmung ist dagegen eine Kleinigkeit! Vor allem Männer, denen das Kurzarmhemd über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen ist, können sich ein Leben (hinterm Bank- oder Postschalter) ohne ihr Lieblingsstück kaum vorstellen. Einfach die Ärmel eines Langarmhemds aufkrempeln? Sicher nicht, ist heiß und zwickt! Ein Poloshirt? Tragen doch nur Schnösel! 

Mit oder ohne Bizeps

Mit Argumenten, die um die ästhetische Dimension der Angelegenheit einen großen Bogen machen, verteidigen unsere Kurzarmfreunde ihr Recht auf einen wohldurchlüfteten Oberarm und schimpfen alle Langarmträger als Spießer. Ersteres sei ihnen gewährt, rein juristisch gesehen ist dagegen nicht viel einzuwenden. Aus Gründen des Umweltschutzes erlauben wir uns aber einige zaghaften Vorschläge zu formulieren: Männer ohne Bizeps greifen am besten zum Kurzarm-Modell mit schmalem, gerade geschnittenem Ärmel, Männer mit Bizeps idealerweise gleich zum Hawaiihemd.

Letztere können dazu auch gerne ein Goldkettchen kombinieren, das passt in diesem Fall ganz ausgezeichnet. Gewarnt werden muss in allen Fällen aber vor der Kombination Kurzarmhemd und Krawatte. Diese tragen nämlich wirklich nur Spießer. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)

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