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Eine aktuelle "Arbeit" von Dick Page: Make-up für Zero Maria Cornejo.
Der Make-up-Artist Dick Page sieht genau so aus, wie man sich einen kanadischen Holzfäller vorstellt: groß, stark und mit Vollbart. Dazu schwere Schnürschuhe, Jeans und ein rot-schwarz kariertes Flanellhemd. Von seinem 13. bis 19. Lebensjahr arbeitete Page in einem Schlachthaus, was auch nicht gerade den typischen Stationen auf dem Weg ins Beauty-Business entspricht. Heute ist er Kreativdirektor bei Shiseido, einer der begehrtesten Jobs der Branche. In Pages Loft auf der Prince Street in New York sind die Wände mit Büchern vollgepflastert. Eine riesige Küche, in der sich eine Theke unter Bergen von Gemüse und frischen Kräutern biegt, nimmt den meisten Raum ein. In Dicks Welt sind sich Kochen und Schminken offensichtlich sehr nahe.
STANDARD: Wie wird man vom Schlachter zum Visagisten?
Dick Page: Es war ein weiter Weg! Ich wuchs auf dem Land auf, und viele Bauernhöfe hatten ihre eigenen kleinen Schlachthäuser. Man verdiente dort mehr als beim Zeitungenaustragen. Ich mochte die Arbeit, ich liebe alles, was mit Essen zu tun hat. Damals musste ich die Organe putzen, Herz, Niere, Leber, und die Köpfe auseinandernehmen, Zungen herausschneiden und so.
STANDARD: Haben Sie eigentlich eine Ausbildung als Visagist?
Page: Nein. Ich ging in eine öffentliche Schule, interessierte mich für Literatur, Malerei und Theater. Abends schmiss ich mich ins Szeneleben von Bristol.
STANDARD: Bristol war Anfang der 80er-Jahre sehr spannend.
Page: Es war unglaublich, Southern Counter Culture, Post Punk und New Wave. Die Clubszene war irre, es gab eine tolle Livemusik-Szene, Gruppen wie Massive Attack kamen von dort. Wenn wir ausgingen, schminkte ich mich und meine Freunde. Das war der Beginn.
STANDARD: Ihre Freunde ließen sich von Ihnen zurechtmachen?
Page: Ja, ich hatte da noch keine Ahnung, wie man wirklich schminkt. Aber nachdem ich in der Schule Zeichenklassen belegte, merkte ich, dass das ja eigentlich nichts anderes war als das, was ich dort lernte. Eigentlich ist es so wie mit dem Kochen: Man muss es einfach ausprobieren und ein bisschen rumspielen.
STANDARD: Wie kamen Sie dazu, Kate Moss zu schminken?
Page: Nach der Schule zog ich nach London und arbeitete eines Tages mit der Fotografin Corinne Day, die dieses kleine Mädchen im Studio sitzen hatte. Kate war ein Kontrastprogramm zu dem, was damals als Model gefragt war. Zu dieser Zeit lernte ich Juergen Teller kennen. Wir hatten alle keine Ahnung, dass sich so viele Möglichkeiten für uns auftun würden.
STANDARD: Was genau meinen Sie?
Page: Damals waren es die Amazonen-Frauen, auf die man in allen Magazinen stieß, und plötzlich war diese Zwergin (Kate Moss) der totale Hit. Sie wurde mit Twiggy verglichen, und London und alles, was wir damals für das ID Magazine und The Face machten, war das, was Amerika plötzlich haben wollte und cool fand.
STANDARD: Helmut Lang war ein Designer, der großen Einfluss auf Sie hatte.
Page: Auf meine Karriere und auf meine Sicht von Schönheit! Es war auch eine ganz besondere Art der Zusammenarbeit mit ihm. Wenn man "in seinen Kreis" aufgenommen wurde, gehörte man zur Familie. Es war wunderbar zu sehen, wie er Freunde aus Wien in seine Arbeit mit einbezog. Da machte der erst später bekannt gewordene DJ Peter Kruder die Musik, und Freunde, die eigentlich Arzt oder Jurist waren, modelten für seine Modenschauen, einfach, weil Helmut sie gut fand.
Auch die damals 45-jährige Wiener Fotografin Elfie Semotan ließ er auf seiner Show laufen. Das war für die damalige Zeit wahnsinnig modern. Wir hatten allerdings auch den Luxus von Zeit. Eine ganze Woche vor seiner Modenschau verbrachten wir im Daylight-Studio in Paris nur damit, verschiedene Make-ups und Haar-Looks auszuprobieren. Ich erinnere mich, wie wir einen Tag vor der Show bis in die frühen Morgenstunden zusammen im Studio waren und Cowboystiefel blau sprayten!
STANDARD: Das war 1994. Drei Jahre später wurden Sie von Shiseido als Artistic Director unter Vertrag genommen.
Page: Das ist natürlich der Traum eines jeden Visagisten. Und lustigerweise hat ja Shiseido auch viel mit Essen zu tun: 1872 wurde "Shiseido Pharmacy" gegründet, die sich an den französischen Teesalons orientierte.
STANDARD: Interessant ist auch, dass die Firma Shiseido, die für Farbe steht, gerade Sie aussuchte, wo Sie doch als "King of no Make-up" bekannt waren.
Page: Das ist eben völlig falsch. Ich habe immer gerne mit Farben gespielt, auch wenn es nur rosa Puder auf den Augen und rosa Lippenstift war.
STANDARD: Farbe im Gesicht ist doch eher etwas für jüngere Frauen, finden Sie nicht?
Page: Überhaupt nicht! Ich sehe mit Schrecken, wie Frauen sich ab einem gewissen Alter unsichtbar machen wollen. Sie "beigen" sich aus, wie ich das nenne. Die Frau ab 35 wird in dieses Anti-Aging hineinterrorisiert. Es geht doch nicht darum, sich die Jugend zu erhalten, sondern mit seinem Alter umgehen zu lernen. Darf man plötzlich keinen Spaß mehr mit Farben im Gesicht haben?
STANDARD: Wonach stellen Sie die Farben zusammen?
Page: Viele Farben bringe ich absichtlich mit Essen in Verbindung. Das Erste, was ich mache, wenn ich in Tokio bin, ist, auf den Fischmarkt zu gehen. Ich schaue mir die Muscheln und Krustentiere an, fotografiere sie und finde dann meine Farbpalette. Ich habe vor kurzem meine Lidschattenkombination "Oyster" herausgebracht. Wenn man so eine Auster nur oberflächlich betrachtet, könnte man meinen, das sei hässliches, schleimiges Zeugs - dabei hat sie ein wunderschönes Silber, Grau und schimmerndes Schwarz. Das Gleiche gilt übrigens auch für Shrimps!
(Cordula Reyer, Rondo, DER STANDARD, 4.5.2012)
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fischköpfe als vorlage - lol!
und holzfäller die sich schminken - da drängt sich das auf:
http://www.youtube.com/watch?v=5zey8567bcg
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