Mourinho wie Happel, Messi fast Müller

2. Mai 2012, 22:21
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Durch den Titelgewinn mit Real schwebt Jose Mourinho beinahe schon in Happel'schen Sphären. Lionel Messis Trostpreis hat kleine Schönheitsfehler

Madrid/Wien - Im Stadion San Mames zu Bilbao flog Jose Mourinho durch die Luft, tanzten seine Spieler auf dem Rasen. In Madrid kam es zu Freudenkundgebungen am Cibeles-Brunnen - der vorzeitig errungene 32. Meistertitel, durch ein 3:0 bei Athletic Bilbao fixiert, führte am Mittwochabend bei den Protagonisten und den Fans von Real Madrid zur Spontanheilung jener Wunden, die eine Woche davor das Aus im Halbfinale der Champions League schlug.

Die Genugtuung, nach drei demütigenden Saisonen in der Primera Division endlich wieder einmal den FC Barcelona ausgebremst zu haben, ist umso größer, als das Weiße Ballett schon jetzt eine rekordträchtige Spielzeit hingelegt hat. Die Ligabestmarke von 107 Treffern ist jetzt schon um acht Tore übertroffen, Real kann bis zum Abpfiff der Punktejagd 100 Zähler erspielen. "Das ist Wahnsinn. Wir haben Fußball in allerhöchster Qualität geboten und schon so viele Punkte geholt", sagte Mourinho, der seine tiefe persönliche Befriedigung nicht zu verbergen vermochte. Nach der Vorsaison, in der nur der Cupsieg gelang, galt der 49-Jährige erstmals in seiner Trainerkarriere fast schon als gescheitert. Barcas Überlegenheit und die Hymnen auf seinen Rivalen Josep Guardiola schmerzten besonders. Mourinhos Abschied nach dieser Saison galt bis vor wenigen Wochen als sehr wahrscheinlich.

Länderübergreifend

Davon ist nach seinem siebenten Meistertitel (2003 und 2004 FC Porto, 2005 und 2006 Chelsea, 2009 und 2010 Inter Mailand) keine Rede mehr. Mourinho, der sich für die nächste Saison die endgültige Wachablöse in Spanien und den Gewinn der Champions League vorgenommen hat, ist erst der dritte Trainer nach Ernst Happel und Giovanni Trapattoni, der in vier Ländern Meister werden konnte. Mit insgesamt 19 Titeln hat "The Special One" aus Setubal den "Maestro" aus Mailand (22) fast schon eingeholt, den "Wödmasta" aus Wien (18) sogar übertrumpft. Mitsamt den Titelgewinnen als Spieler bzw. als Sektionsleiter Rapids liegt Happel auf Augenhöhe mit Trapattoni (je 29 Titel), Mourinho war als Aktiver dagegen weit von Zählbarem entfernt.

Mit seinem ebenfalls am Mittwochabend fixierten neuen europäischen Torrekord wird sich Barcelonas Superstar Lionel Messi wohl auch nicht restlos über den Verlust der Meisterschaft und des Titels in der Champions League trösten. Nach den drei Treffern gegen Malaga liegt die Saisonausbeute des Argentiniers bei 68 Toren. Er hat also jetzt schon einmal mehr getroffen als Gerd Müller für den FC Bayern in der Saison 1972/73. Messi hat dazu noch - im Duell um die Torjägerkrone gegen Cristiano Ronaldo, das er mit 46:44 anführt - zwei Meisterschaftsspiele sowie das Finale der Copa del Rey gegen Bilbao (25. Mai) in der Hinterhand.

Den, nun ja, Makel, der seinem Rekord anhaftet, wird der 24-Jährige in diesen drei Partien aber kaum ausmerzen können. Müllers seinerzeitige Quote lag bei 1,367 Treffern pro Pflichtspiel (67 aus 49), jene von Messi bei bisher 1,192 (68 aus 57). Und besonders Spitzfindige rechnen vor, dass Müller inklusive der Länderspieltore ohnehin noch immer mit 73:70 vor Messi liegt. (sid/lü, DER STANDARD, 4.5.2012)

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    Jose Mourinho schwebt nach dem Titelgewinn mit Real Madrid fast im siebenten Himmel.

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