"China entscheidet über die Klimazukunft"

2. Mai 2012, 19:00
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Hans Joachim Schellnhuber warnt vor einem "Nauru-Schicksal" der Erde - Energiewende als Chance

Salzburg - Hans Joachim Schellnhuber erzählt gerne die Geschichte der kleinen Pazifik-Insel Nauru. So auch bei seinem Vortrag im Rahmen der " Salzburger Vorlesungen" vergangene Woche an der Universität Salzburg.

Der Pazifikstaat habe - pro Kopf gerechnet - einst zu den reichsten Ländern der Erde gezählt. Große Phosphatvorkommen hätten den Menschen auf Nauru bis in die 1990er-Jahre ein Leben im Überfluss ermöglicht, sagt Schellnhuber. Der Physiker und Direktor des Potsdamer Institutes für Klimafolgenforschung gilt als einer der weltweit führenden Klimaexperten.

Umweltzerstörung und Armut

"Man hat seine männlichen Nachkommen Rolex und die Mädchen Tiffany genannt" und sei auf dem nur wenige Kilometer langen Straßennetz mit Maseratis spazieren gefahren, berichtet Schellnhuber von der Dekadenz auf Nauru.

Aufgrund des Überflusses würden heute 60 Prozent der Nauruer an Diabetes leiden. Gleichzeitig habe man durch den Phosphatabbau die Umwelt der 21 Quadratkilometer großen Insel "komplett zerstört".Dann sei der Absturz gekommen, die Phosphatlager waren erschöpft. "Wie in einem Brennglas können Sie am Beispiel von Nauru die gesamte Torheit der Menschen erkennen", sagte Schellnhuber.

Warnung für den Planeten

Die Insel sei vollkommen verarmt und hänge nur mehr am Tropf von Australien und Neuseeland. Die Leute seien freilich weiterhin fett und krank. "Es gibt keine Zukunft für dieses Land."

Schellnhuber warnt, dass unser gesamter Planet das Schicksal von Nauru erleidet, wenn es zu keiner Energiewende kommt. Schellnhuber - er ist auch Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der deutschen Bundesregierung für globale Umweltveränderungen - sieht diese Wende hin zu erneuerbarer Energie komplett ohne Kernenergie und fossile Brennstoffe zumindest für Deutschland in greifbarer Nähe.

Weniger optimistisch ist er, wenn er über die USA spricht. Dort sei gerade eine "Schiefergaseuphorie" ausgebrochen, und man arbeite auch an der Gewinnung von "Schieferöl". Die USA wollten wieder zum weltweit größten Erdölexporteur werden und "werden sich einen Teufel um das Klima scheren", prophezeit Schellnhuber.

Hoffnung Fünfjahresplan

Europa werde den Weg in die erneuerbare Energie gehen, die USA "vorerst nicht", glaubt der Klimaexperte. Entscheiden werde die "Energie- und Klimazukunft" aber China. Im aktuellen Fünfjahresplan sei noch alles enthalten: von der Kernenergie bis zur Kohle. Aber heute schon investiere China fünfmal mehr in die Windkraft als in die Kernenergie. " Entscheidend für die Klimazukunft des Planeten wird sein, wie der nächste Fünfjahresplan aussieht." (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 3.5.2012)

  • Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.
    foto: wild

    Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.

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