TV-Duell: Hollande und Sarkozy schenkten einander nichts

Stefan Brändle aus Paris
3. Mai 2012, 05:24
  • Ein Ausschnitt aus der gestrigen TV-Debatte.

  • Die TV-Moderatoren hatten am Mittwoch Mühe, Ordnung in die Debatte zwischen Hollande (li.) und Sarkozy (re.) zu bringen.
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    foto: apa/epa/kovarik/pool

    Die TV-Moderatoren hatten am Mittwoch Mühe, Ordnung in die Debatte zwischen Hollande (li.) und Sarkozy (re.) zu bringen.

  • Möglicherweise der letzte große Auftritt als Staatsmann: Nicolas Sarkozy am 1. Mai vor der Kulisse des Pariser Eiffelturms.
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    Möglicherweise der letzte große Auftritt als Staatsmann: Nicolas Sarkozy am 1. Mai vor der Kulisse des Pariser Eiffelturms.

Ein hartes Fernsehduell zwischen Nicolas Sarkozy und François Hollande hat am Mittwochabend den französischen Präsidentschaftswahlkampf abgeschlossen. Beide Kandidaten gaben sich sehr offensiv

Paris - Zum Höhepunkt eines aufreibenden Wahlkampfes prallten Sarkozy und Hollande vor schätzungsweise 20 Millionen Fernsehzuschauern bei der einzigen direkten TV-Konfrontation aufeinander. Für Spannung sorgte der Umstand, dass der amtierende Präsident in den Umfragen zurückliegt, nur mit 47 Prozent der Stimmen rechnen kann und deshalb versuchen musste, das Steuer im letzten Moment herumzureissen.

Sarkozy provozierte Hollande gleich eingangs mit der Behauptung, "Lügen" zu verbreiten. Der Angesprochene gab zurück, der konservative Präsident habe die Franzosen während seiner fünfjährigen Amtszeit tief gespalten. Sarkozy kehrte das Argument um und erklärte, er sei von der Linken mit Franco, Pétain "und warum nicht Hitler" verglichen worden.

"Nicht ständig Opfer"

Der 57-jährige Sozialist antwortete: "Sie können sich nicht ständig als Opfer ausgeben." Sarkozy sei vielmehr schuld daran, dass Frankreich seit 2007 eine Million mehr Arbeitslose zähle, wobei die Krise längst nicht alles erkläre: In Deutschland habe die Arbeitslosigkeit weniger stark zugenommen. Sarkozy antwortete, das sei nur der Fall, weil Deutschland unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder "schon vor Jahren all die Reformen unternommen habe, die Sie heute verweigern".

Die beiden Moderatoren versuchten die oft gleichzeitig sprechenden Streithähne zu trennen, indem sie sich nach dem Wirtschaftsprogramm der beiden Kandidaten erkundigten. Sarkozys Vorschlag einer "sozialen Mehrwertsteuer" konterte Hollande mit dem Hinweis, das würde für ein Paar von Mindestlohnbezügern eine Mehrbelastung von 300 Euro im Monat bedeuten. Sarkozy erwiderte: "Ihr Programm besteht nur aus Steuern, Abgaben, Ausgaben und Defiziten. Wollen Sie, dass die Leute das Land verlassen?"

Hollande will "keine Austerität"

Hart argumentiert wurde auch in Sachen Eurokrise. Hollande warf Sarkozy vor, er habe "gegenüber Deutschland nicht standgehalten". Er selbst wolle "keine Austerität", sondern den Fiskalpakt neu verhandeln und Eurobonds einführen. Sarkozy entgegnete, Hollande stelle den deutsch-französischen Einklang und damit ganz Europa infrage. Es seien gerade links regierte Staaten wie Griechenland und Spanien, die am stärksten in die Rezession absackten, weil sie die Finanzen nicht im Griff hätten und deshalb höhere Zinsen zahlen müssten.

In der zweieinhalbstündigen Debatte vermochte sich schliesslich kein Kandidat einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Nach vier TV-Duellen während früheren Wahlkämpfen kannten sich die beiden Politiker und liessen sich vom anderen nicht destabilisieren. Hollande wirkte zwar persönlich gespannter, gab Sarkozys Angriffe aber systematisch zurück.

Unentschieden spricht für Herausforderer

Ein unentschiedener Ausgang kommt indirekt eher dem Sozialisten zu gute, denn für Sarkozy war das Duell die womöglich letzte Chance, das Blatt zu wenden. Auch die großen Vorgänger-Duelle zwischen Valéry Giscard d' Estaing und François Mitterrand oder zwischen Lionel Jospin und Jacques Chirac hatten jeweils keinen eindeutigen Sieger ergeben.

Das liegt auch daran, dass diese Rituale der französischen Demokratie so genau geregelt sind, dass die Bewerber kaum brillieren und nur verlieren können, wenn sie der Spannung nicht gewachsen sind. Die Sozialistin Ségolène Royal hatte 2007 ihrer Wut freien Lauf gelassen und damit prompt schlechter gewirkt als ihr Gegenspieler Sarkozy. Gewählt wird am Sonntag. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 3.5.2012)

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Haben

wohl einige vergessen, dass Sarko 10 Jahre Zeit Frankeich weiterzubringen. Hat er aber nicht. Also Time to say goodbye.

feuchte träume

schön zu sehen, wie hier mancher aufgrund der wahl von hollande feuchte träume bekommt.

genau bitte WAS soll sich ändern? frankreich hatt 0,0 finanziellen spielraum. es ist immer toll mitanzusehen, was für sozialprogramme versprochen werden, ohne überhaupt auf die finanzierbarkeit einzugehen.

dieser hype um hollande hier im forum erinnert an obama. wird das so schnell vergessen? hollande KANN doch gar nicht die erwartungen erfüllen!

das ist alles europäische dekadenz! wir betteln schon in china, brasilien, russland oder indien. aber bitte gerne, noch mehr sozialstaat!

Eines ist sicher: Firmenansiedlungen in Frankreich wird es unter Hollande nicht geben, damit bleibt der jährliche Abgang von ca. 80.000 Beschäftigten der Industrie aufrecht.

Wenn die hoch Besteuerten aufgeben, wird die Arbeitslosigkeit steigen und es frägt sich wer soll die steigenden Ausgaben nach der Enteignung der verbliebenen Reichen weiter finanzieren.

Nach dem wirtschaftlichen Niedergang unter Hollande wird bei der nächsten Wahl der Ruf nach einem starken Mann/Frau wohl die Rechten an die Macht bringen.

Das erinnert mich an General Longstreet der Lee bei Gettysburg nicht von dem Frontalangriff in der Mitte abbringen konnte.

Es gibt auch andere Eigenschaften, die einen Unternehmensstandort auszeichnen, als Steuern. Ich bin mir sicher, dass es der Wirtschaft besser gehen wird, wenn ein eher keynesianischer Politiker wie Hollande an die Spitze des Staates gewählt wird.

Das ist Wunschdenken, die Roten glauben sie können Unternehmer einfach so anlocken um sie dann besser abschlachten zu können.

Das funktioniert nicht, Tatsache ist das es besser ist Angestellter in der EU zu sein, glauben sie mir

Keiner redet davon, Unternehmer abzuschlachten. Glauben Sie, denen geht es so schlecht, wenn sie als Privatpersonen einmal ein bisschen mehr Steuern zahlen müssen? Nein! Wir dürfen uns nicht mehr alles von „den Märkten“ gefallen lassen, das kann nicht das Ziel einer Demokratie sein.

Wozu bitte soll ich als PRIVATPERSON mehr Steuern zahlen?

70% dessen was ich verdiene muss ich dem sozialistischen Wohlfahrtsstaat und seinen Institutionen abliefern. Wozu? Damit wir uns zig tausende Arbeitslose leisten, die Leute mit 59 in Pension gehn und alle 100 Jahre alt werden? Damit Politiker Spitzengehälter bezahlt bekommen dafür dass sie noch mehr Menschen in unser Land holen, die wir nicht brauchen und wollen? Dafür dass ein heute 40jähriger mit nur mehr 50% Pension rechnen darf wie es ein heutige Pensionist bekommt? Dafür dass Beamte entscheiden was mit Häusern und Wohnungen die dem Staat gehören passiert. Dafür dass ich über noch mehr Skandala ala ÖBB, Skylink, Bawag, Konsum, HAA, Buwog, Rettungspakete & Schirme,.... lesen darf?

Erklären sie mir wozu ich mehr Steuern zahlen soll!!!!

Weil du sonst ein Asozialer bist. Und deine 70% Steuerlüge kannst deiner Grossmutter erzählen.

Firmenansiedlungen bringen nichts, da in den letzten 20 Jahren nur die Reichen den geschaffenen Mehrwert den Arbeitern geraubt haben. Und alles was für die Bevölkerung bleibt, sind Jobs, die ihre Tätigen nicht ernähren können.

Dein System ist mausetot. Lern damit umgehen.

loffenbar weiss hollande, wie man stroh zu gold spinnt. deswegen wuerde ich ihn natuerlich auch waehlen. ein genie.

Derartige Hochbesteuerung von Besserverdienendern ist selbstverständlich nichts anderes als Diebstahl.
Dafür gehört man nicht in die Regierung sondern in den Häfen. :D

Wurscht, "liebe" Foristen!

Lui de Funes wird es nicht!

Die sache endet mit einem sieg, entweder für hollande oder sarkozy...

nein mal ernst...die wirtschaft hat die politik so u so unter kontrolle. ist doch dem französischen gockel und allen anderen börsenschweinen und geldgierigen unternehmern egal wer gewinnt, hauptsache man verdient haufenweise kohle und wird dabei nicht gestört.
und ich weiß nicht ob hollande jene stören kann, will, oder darf...

aber es ist trotzdem unglaublich spannend;)

gitbs da auch etwas mit untertiteln???

Würde gerne verstehen was sie sagen..

Mit Hollandaise wird die ehem. Grande Nation

engültig in der Rue de la Caque landen.

Hollande trifft es ganz richtig, die Deutschen streben eine Hegemonie in Europa an!
Ich hoffe er und seine Vivelafranceaner halten dagegen.
Die Merkel glaubt sie sei der wichtigste Mann in Europa, doch sie irrt sich gewaltig.

zumindest

ist merkel in europa beliebter als jeder andere politiker und dass auch in ländern wie england, frankreich, holland oder spanien...nun wer sollte denn die fäden ziehen in europa, wenn nicht die größte volkswirtschaft in europa...lichtenstein oder malt oder luxemburg??????

Ist doch egal wie die nächste Marionette heißen wird...

Ich wollt auch erst schreiben,...

...dass es einer deutschen Eiche doch egal sei, welche französische Wildsau sich dran reibt.

Aber weiß ja wie empfindlich manch Ösi reagiert. ;-)

Sie pflegen ja eine feine Klinge. :)

matter "zweikampf" von zwei versehrten durchgeführt.

sarkozy als verzweifelter , charakterloser anhang von merkel und hollande als unerfahrener fantasierender linker > das hat frankreich nicht verdient. ich sehe eine sehr "durchwachsene" zukunft für frankreich, blattlinienkonform ausgedrückt.

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, wenn es um Wahlen geht fällt mir folgendes Zitat ein:
Wenn Wahlen etwas ändern würden wären Sie schon längst verboten worden.

Wie heißt das: Die Politik ist dazu da, die Wirtschaft am Regieren zu hindern. Da das allenthalben in Europa nicht mehr geschieht - niemand die Wirtschaft daran hindert Staaten zu erpressen, Gesetze nach eigenem Gutdünken in Auftrag zu geben und die Profite möglichst unversteuert einzufahren - ist es vollkommen egal, ob ein Ungar oder ein Holländer in Frankreich Regierungschef ist.

mir auch ...

Siehe, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus nichts; und euch wählen ist ein Greuel.

Sind Sie:

nämlich in ganz vielen Diktaturen. Aber das kommt dabei raus, wenn man den Blick nur auf Zentral-Europa konzentriert.

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