Neue Linzer Oper als Retterin der Landstraße

2. Mai 2012, 18:15
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Neues Musiktheater schon vor der Eröffnung ein Zugpferd - Anfangs strittige Standortwahl für die Oper beflügelt die Innenstadtentwicklung

Linz - Für die Landespolitik war die Standortwahl des neuen Musiktheaters nach jahrzehntelangen Parteiquerelen eher eine Notlösung. Der Stadt Linz bescherte die Entscheidung einen Glückstreffer: Direkt hinter der Westbahnstrecke - was für den Lärmschutz eine besondere Herausforderung bedeutet -, in einer bisher unansehnlichen Innenstadtgegend, wird im April 2013 das neue Haus auf der sogenannten Blumau eröffnet. "Städtebaulich aktivierend und für die Stadtentwicklung Impulse setzend", beschreibt Planungsstadtrat Klaus Luger (SPÖ) die Bedeutung, die das neue Haus schon jetzt für die Innenstadt besitzt.

Auch ohne dessen Bau hätte rund um die Blumau am südlichen Ende der Linzer Einkaufsstraße Nummer eins, der Landstraße, etwas geschehen müssen, meint der Stadtrat: abgewirtschaftete Geschäfte sowie ein Park, der entgegen seinem Namen Volksgarten von Linzern kaum genutzt wird. " Der Park hat bereits einige Problembereiche, und wir sollten daher nicht noch länger zuwarten", erklärte Stadträtin Susanne Wegscheider (ÖVP), zuständig für die Grünflächen, bereits 2009. Und die jedes Jahr vom Institut Infrapool erhobene Passantenfrequenz auf Österreichs Einkaufsstraßen zeigt, dass die Fußgänger auf der Landstraße immer mehr den südlichen Teil meiden.

So wurden im Oktober 2011 im Norden der Landstraße in einer Woche 205. 000 Passanten gezählt, bei der Goethekreuzung, dem Beginn der " Problemzone", hingegen nur mehr 77.700. Die Hoffnung, vor allem der Geschäftsleute, dass das Musiktheater auf der Blumau zu einer Aufwertung des Gebiets führen könne, scheint sich zu erfüllen. Vorige Woche wurde mit der Neugestaltung des Volksgartens begonnen.

Schanigärten und Spielplätze

Aus dem - mit 32.000 Quadratmetern - größten innerstädtischen Park soll für 1,8 Millionen Euro "ein Tor zum Musiktheater" werden. Vor dem Haupteingang zur Oper entsteht eine Open-Air-Fläche, Schanigärten sind geplant, aber auch die Erweiterung des Kinderspielplatzes.

Inzwischen hat die Stadt Linz auch ein neues Verkehrskonzept für die südliche Landstraße beschlossen. Sie soll laut Luger zur "Begegnungszone" werden, das heißt, Fußgänger und Radfahrer erhalten Vorfahrt. Denn, so der Stadtrat, ein Grund, warum jener Teil der Landstraße nicht mit der Fußgängerzone im Norden mithalten könne, sei der Durchzugsverkehr. Nun soll eine Fahrbahn aufgelassen und der südliche Teil zur Einbahnstraße werden.

Um noch mehr Platz zum Flanieren zu schaffen, werde es keine Straßenlampen mehr geben, die Beleuchtung komme von oben, von zwischen den Häuserzeilen hängenden LED-Leuchten.

Auch das Immobiliengeschäft ist inzwischen angelaufen. So wird ein Haus neu hochgezogen, und auf 1300 Quadratmetern entstehen neue Geschäftslokale. Leo Schiefer, Obmann der Kaufleute-Vereinigung "Linzer City-Ring", nennt das Musiktheater auf der Blumau "ein Geschenk". Er ist der Ansicht, dass ohne die Oper die südliche Einkaufsstraße "abgestürzt" wäre. Die Landstraße erhalte jetzt einen "Endpunkt". (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 3.5.2012)

  • Am südlichen Ende der Landstraße, durch die eher weniger Passanten bummeln, entsteht das neue Musiktheater. Linzer Geschäftsleute betrachten es als "Geschenk".
    foto: sigrid rauchdobler

    Am südlichen Ende der Landstraße, durch die eher weniger Passanten bummeln, entsteht das neue Musiktheater. Linzer Geschäftsleute betrachten es als "Geschenk".

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