Königssuche mit der rosa Brille

2. Mai 2012, 18:07
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95. Giro d'Italia ohne Titelverteidiger Alberto Contador - Dänemark liegt näher als der Mezzogiorno

Wien - Ohne Titelverteidiger und fern der Heimat hebt am Samstag der 95. Giro d'Italia, die erste der drei größten jährlich ausgetragenen Radrundfahrten an. Die staatliche Sport Event Denmark hat die ersten drei Etappen mit viel Geld nach Dänemark geholt, in Herning wird mit einem kurzen Zeitfahren aufgewärmt, nach einem Rundstreckenrennen tags darauf wird auch noch das schöne Horsens besucht. Dafür verzichten die Organisatoren auf den Ausritt in Italiens Süden, was wohl den einen oder anderen Tifosi aus dem Mezzogiorno gekränkt hat.

Erst mit dem Teamzeitfahren am 9. Mai in Verona ist das Rennen dort, wo es hingehört, es endet am 27. Mai traditionell in Mailand. Dort gibt es auch den letzten Träger des rosa Trikots, dass er es dann behalten darf, ist nicht so sicher. Die 94. Auflage des Giro hat Alberto Contador gewonnen. Im Zuge seiner rückwirkenden Sperre wegen Dopings mit Clenbuterol bei der Tour de France 2010 verlor der Spanier aber auch seinen insgesamt zweiten Triumph beim Giro nach 2008.

Titelverteidiger wäre demnach der im Vorjahr von Contador um mehr als sechs Minuten distanzierte Italiener Michele Scarponi, der die Mannschaft von Lampre anführt und einst in dringendem Verdacht stand, vom spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes illegal gestärkt worden zu sein.

Dafür, dass das Thema Doping aktuell am Köcheln bleibt, sorgte der Radrennstall Katjuscha, eigentlich dessen russischer Profi Denis Galimsjanow, der Ende März bei einer Trainingskontrolle mit Epo erwischt worden war. Galimsjanows Teamchef heißt Hans-Michael Holczer, der bei Gerolsteiner mit Bernhard Kohl kurze Zeit viel Freude und dann nur noch Ärger gehabt hat.

Österreicher sind beim 95. Giro, der sich Österreichs Grenzen diesmal nur während der Dolomitenetappen in der Endphase nähert, gleich fünf am Start. Der Steirer Bernhard Eisel ist als Einteiler bei Sky dafür verantwortlich, dass der britische Weltmeister Mark Cavendish zu weiteren Sprintsiegen (bisher sieben beim Giro) kommt. Den Traum, selbst einmal eine Etappe bei einer der drei großen Rundfahrten zu gewinnen, hat der 31-Jährige auch noch nicht aufgegeben. Eher eingeteilt wird auch der Tiroler Thomas Rohregger als Helfer von Mitfavoriten Fränk Schleck bei RadioShack sein. Rohreggers Tiroler Landsmann Stefan Denifl (Vacansoleil), der Vorarlberger Matthias Brändle und der Salzburger Daniel Schorn (beide NetApp) können den Giro so unbeschwert in Angriff nehmen, wie man eben ein Rennen über 21 Etappen und insgesamt 3475 Kilometer in Angriff nehmen kann. (lü, DER STANDARD, 3.5.2012)

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    Der Spanier Alberto Contador ist noch bis 5. August gesperrt, kann sich also heuer nicht ins rosa Trikot zwängen.

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