Der Cup ist des Wanderns müde

2. Mai 2012, 17:57
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Red Bull Salzburg wahrt die Chance aufs Double, steht erstmals im Cupfinale. Der Bewerb sucht nach wie vor seine Identität, der ÖFB ar­beitet daran, will einen fixen Endspielort finden. Aber manchmal sind sogar die Hunde stärker

Wien - Der österreichische Fußball-Cup ist ein zielloses Ding, er weiß immer erst sehr spät, wo er aufhört. Diesmal in Wien. Das Finale findet am 20. Mai statt, die Anpfiffzeit (16 Uhr) war unumstößlich, der ORF hat im Hauptabendprogramm Besseres vor. Salzburg hat sich erstmals in der Red-Bull-Ära fürs Endspiel qualifiziert, am Tag der Arbeit wurde Hartberg 1:0 besiegt. Natürlich hat der seit Wochen überragende Jakob Jantscher das Tor erzielt, Trainer Ricardo Moniz nannte ihn "Erlöser". Der Gegner wurde am Mittwochabend zwischen Titelverteidiger Ried und der Austria ermittelt (nach Blattschluss).

Für die Durchführung des Samsung-Cups ist der österreichische Fußballbund (ÖFB) zuständig. Er versucht mindestens so traditionell wie vergeblich, den Bewerb zu pushen. Die Zuschauerzahlen fallen unter die Armutsgrenze. Generaldirektor Alfred Ludwig versteht das nicht. "Der Cup ist die größte Chance, sich einen Startplatz im Europacup zu holen." Leider setze sich allzu oft die österreichische Mentalität durch: "Als Hartberg Meister Sturm eliminiert hat, sprachen alle von einer Peinlichkeit. Man sollte es als positive Sensation beurteilen." Während Deutschland (Berlin) oder England (London) klassische Finalorte anbieten, wandert hierzulande der Pokal. Laut Ludwig soll sich das ändern. "Wir werden einen Standort für fünf Jahre präsentieren."

Im aktuellen Fall war es besonders spaßig. Salzburg und Ried hätten sich auf Salzburg geeinigt, sofern Ried die Austria schlägt. Das geht aber nicht, denn am 20. Mai findet im Messegelände eine Welthundeausstellung statt, und die nimmt sämtliche Parkplätze weg. Ludwig: "Salzburg konnte nie eine Alternative sein." Ein Finale zwischen Hartberg und Ried hätte in Graz stattgefunden, aber das hat Jantscher verhindert. Also wird nun doch im zu großen Happel-Stadion der Pokal überreicht werden (wie schon 2011), das ist dann die Aufgabe des Präsidenten Leo Windtner. Klagenfurt hat sich selbst aus dem Spiel genommen, das EM-Stadion rottet vor sich hin, behördliche Genehmigungen sind mittlerweile illusorisch.

Immerhin wurde der Cup reformiert, die Amateurteams der Profiklubs dürfen künftig nicht mehr mittun. Ein Viertelfinale zwischen Red Bull Salzburg und Juniors Salzburg langweilt sogar Ludwig. Die zehn tipp3-Bundesligisten und die zehn Erstligisten haben Fixplätze, die restlichen 44 Teilnehmer können die neun Landesverbände nominieren. Natürlich nach sportlichen Kriterien, Vorrunden sind erlaubt. Ludwig: " Und bald weiß man, wo das Ziel der Reise liegt." (Christian Hackl, DER STANDARD, 3.5.2012)

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    ÖFB-Generaldirektor Gigi Ludwig will den Cup-Bewerb nicht verkommen lassen.

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