Dem ÖVP-Chef wird die Partei zu eng

2. Mai 2012, 18:28
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Michael Spindelegger startete Zukunftsinitiative Unternehmen Österreich 2025: "Es werden sich alle anschauen, was aus dem Land wird"

Wien - Ute Bock hatte keine andere Wahl. "Man kann nicht dauernd keppeln und dann kneifen, wenn man eingeladen wird", sagt sie. Also steht die Flüchtlingshelferin mit ihrer beigen Strickjacke am Mittwochabend inmitten von Anzugträgern in einer Floridsdorfer Betriebshalle. Fast liebevoll wird die Exotin herumgereicht.

Bock ist eine von rund 200 "Vor- und Querdenkern", die Michael Spindeleggers Ruf ins transdanubische Wien gefolgt sind. Vor und im (ausgeschalteten) Windkanal der RTA Rail Tec Arsenal Fahrzeugversuchsanlage stellt der Vizekanzler seine " wirtschaftspolitische Zukunftsinitiative" namens Unternehmen Österreich 2025 vor. Dass Spindelegger, gemessen am Titel, damit fünf Jahre weiter vorausdenken lässt als die SPÖ in ihrer Visionenfabrik Österreich 2020, ist sicher purer Zufall.

29-köpfiges Kernteam

Überparteilich sei der Thinktank aufgestellt, betont der Initiator, schließlich lasse es sich außerhalb der Parteizirkel freier denken: "Ich gehe das Risiko ein, dass Ideen herauskommen, die mir als ÖVP-Chef nicht gefallen."

Neben Bock sitzen im derzeit 29-köpfigen Kernteam Firmenkapitäne wie Peter Löscher (Siemens) und Wolfgang Eder (Voest) sowie Wissenschaftler wie Karl Aiginger (Wirtschaftsforschungsinstitut) und Markus Hengstschläger (Medizin-Uni Wien). Der Plan im Management-Englisch der Präsentatoren: Die "Highbrainer" der "executive group" sollen Visionen definieren, zehn Arbeitsgruppen die Wege dorthin finden. 

"Österreichs Spitzenranking in Gefahr"

Nachdem die Einfälle noch einem "reality check" unterworfen werden, soll im Herbst ein fertiger Katalog an Strategien und Empfehlungen vorliegen. Eine ziemliche "challenge" in der kurzen Zeit.

Diskutiert wird über Wettbewerb und Arbeitswelt ebenso wie über Bildung und Integration - also über eh alles, nur eben unter ökonomischen Vorzeichen. Um den Wirtschaftsstandort sorgt sich Spindelegger, der Österreich in Rankings den Anschluss an die Spitze verlieren sieht. Dass es seiner ÖVP bereits so ergangen ist, mag auch Motivation für die privat finanzierte Initiative sein, doch offiziell geht es nur um einen Schub für die Nation. Spindelegger, zukunftsfroh: "Es werden sich noch alle anschauen, was aus diesem Land wird." (jo, DER STANDARD, 3.5.2012)

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    ÖVP-Chef Spindelegger will außerhalb der Parteigrenzen denken.

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