Wäschefirma Schiesser sagt Börsengang ab

2. Mai 2012, 15:11
12 Postings

Die israelische Delta Galil kauft den für seine Feinrippware bekannten deutschen Wäscheherseller

Radolfzell - Der deutsche Wäschehersteller Schiesser geht nun doch nicht an die Börse. Der Gang auf das Parkett werde abgesagt, teilte Schiesser am Mittwoch mit. Stattdessen werde das Unternehmen an die in Israel und den USA ansässige Delta-Galil-Gruppe verkauft. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Die Gläubiger des vormals insolventen Unternehmens könnten aber vollständig bedient werden. Schiesser soll nach der Übernahme als eigenständige, hundertprozentige Tochterfirma unter der Leitung des jetzigen Vorstands fortgeführt werden.

Der Börsengang sollte ursprünglich noch im laufenden Quartal erfolgen. Dass er jetzt zugunsten eines Verkaufs abgesagt wird, begründete Schiesser mit unternehmensstrategischen Gründen. "Obwohl Schiesser sicherlich eine vielversprechende Aktie geworden wäre, hätte das derzeitige volatile Börsenumfeld für die mittelfristige Entwicklung von Schiesser weniger Vorteile geboten, als der langfristig orientierte strategische Investor Delta Galil", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Insolvenzverwalter von Schiesser, Volker Grub.

Schritt auf deutschsprachigen Markt

Delta Galil hat den Firmenhauptsitz in Tel Aviv und Standorte im Mittleren Osten, den USA, Asien und Europa. Das Unternehmen entwirft und produziert Unterwäsche- und Nachtwäsche-Kollektionen für Markenhersteller. Derzeit macht die Gruppe einen Umsatz von rund 700 Mio. US-Dollar, der mit Schiesser auf rund 900 Mio. Dollar steigen dürfte. Delta Galil ist an der Börse in Tel Aviv notiert. In den deutschsprachigen Märkten ist das Unternehmen bisher noch nicht aufgetreten.

Das für seine Feinrippwäsche bekannte Unternehmen hatte sich erst Anfang 2011 nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz befreit, in die Schiesser durch falsche strategische Entscheidungen gerutscht war. In einem ungewöhnlichen Schritt hatte Grub die Gläubiger von einem Börsengang überzeugt, um sie auszuzahlen. Daraus sei ein höherer Erlös zu erwarten als aus einem Verkauf an einen Investor. Grub hatte dafür bis Ende 2012 Zeit bekommen, doch der Börsengang musste mehrfach verschoben werden.

Schiesser hatte 2010 nach eigenen Angaben 124,5 Mio. Euro Umsatz und einen Nettogewinn von 5,1 Mio. Euro erwirtschaftet. Man habe die alte Marktstärke wieder erreicht, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor. (APA/Reuters, 2.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das ist der berühmte Doppelripp-Slip von Schiesser. Den Börsegang hat der deutsche Wäschehersteller abgesagt, die israelische Delta Galil kauft das Unternehmen.

Share if you care.