Vor dem Einschlag: Nicht mit allen Dino-Gruppen ging es bereits bergab

5. Mai 2012, 18:00
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Forscher analysieren Artenvielfalt in verschiedenen Gruppen - bislang kein einheitliches Muster erkennbar

München - Schon länger vermuten Paläontologen, dass der Asteroideneinschlag vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier nicht unbedingt in ihrer Blütezeit, sondern in einer eher kritischen Phase ihrer Entwicklung ereilt hat (wie es sie auch zuvor schon gegeben hatte). Umweltfaktoren wie z.B. starker Vulkanismus könnten dazu geführt haben, dass die Artenvielfalt bereits eingeschränkt war, als der endgültige Todesstoß aus dem All kam. Die schnell auftretende Katastrophe verhinderte diesmal aber, dass die Dinosaurier sich wie bei früheren Gelegenheiten wieder erholen konnten und neue Arten ausbildeten.

"Wir wissen inzwischen, dass das endgültige Aussterben der Dinosaurier wahrscheinlich von dem Einschlag eines Asteroiden in Kombination mit massiven Vulkanausbrüchen in Indien verursacht wurde", sagte Richard Butler von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Mitautor einer Studie, die in "Nature Communications" erschienen ist. "Unter Paläontologen gibt es aber seit langer Zeit eine Debatte darüber, ob es bereits vorher einen Dinosaurier-Rückgang gegeben hat."

Differenzierte Analyse

Um dies näher zu beleuchten, haben Wissenschafter um Stephen Brusatte vom American Museum of Natural History eine Analyse durchgeführt, in die sie neben der Entwicklung der Artenzahl auch die Gestalt der Dinosaurier und deren Ausprägungen einbezogen. Die Artenzahl allein könne wegen ungleichmäßig verteilter Fossilien ein verzerrtes Bild liefern, erläutern die Forscher. Für insgesamt 150 Arten aus sieben Dinosaurier-Gruppen wurde deshalb basierend auf anatomischen Merkmalen des Skeletts erfasst, wie stark ihre Gestalt variierte.

Zu erkennen war ein Rückgang der Diversität bei großen Pflanzenfressern in der Endphase der Kreidezeit, die vor rund 145,5 Millionen Jahren begann und vor etwa 65,5 Millionen Jahren endete. Die Abnahme der Variabilität könnte auf einen Rückgang hinweisen, so die Annahme der Forscher. Betroffen seien vor allem Hadrosaurier, eine Gruppe aus der Iguanodon-Verwandtschaft, und Ceratopsier wie z. B. der bekannte Triceratops.

Kein einheitliches Bild

Im Gegensatz dazu blieb die Diversität von Fleischfressern wie den Coelurosauriern und Tyrannosauriern, von mittelgroßen Pflanzenfressern sowie den riesigen Pflanzenfressern stabil oder erhöhte sich sogar leicht. Und auch für die großen Pflanzenfresser galt obiges Ergebnis nur für Nordamerika: Während sich dort die Diversität der Hadrosaurier verringerte, nahm sie in Asien zu. Als Grund für die Unterschiede vermuten die Forscher geografische Ursachen.

"Ich denke, diese Erkenntnis ist ein relativ großer Schritt", sagte Butler von der LMU. Die Wissenschafter wollen nun auch Dinosaurier in Südamerika, Afrika und Europa unter die Lupe nehmen, um festzustellen, ob es ein globales Muster gibt. Bisher hatten Forscher nach Angaben Butlers gemeinhin angenommen, dass sich entweder alle Dinosauriergruppen bereits vor ihrer Auslöschung vor 65 Millionen Jahren im Rückgang befanden - oder eben gar keine. "Jetzt können wir davon ausgehen: Es war wohl sehr viel komplexer." (APA/red, derStandard.at, 2.5.2012)

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    Pflanzenfresser aus dem Segment "groß, aber noch nicht riesig": Die Artenvielfalt unter den bis zu 13 Meter langen Hadrosauriern war in Nordamerika bereits vor dem Asteroideneinschlag im Rückgang - in Asien hingegen stieg sie an.

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