Frühgeburten-Vergleich: Österreich schneidet schlecht ab

2. Mai 2012, 18:14
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Österreich weist in einem Vergleich von 193 Staaten eine hohe Frühgeburtenrate auf - Weißrussland hat den niedrigsten Anteil

London/Wien  - Mehr als 100 Wissenschaftler aus aller Welt haben erstmals in einem gemeinsamen Bericht die dramatische Situation der Frühgeburten auf der Erde zusammengestellt. Dem Bericht mit Angaben zu 193 Staaten zufolge kommen jährlich 15 Millionen Kinder vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche - und damit zu früh - auf die Welt. Jährlich 1,1 Millionen Kinder sterben daran. Österreich ist bei weitem nicht unter den Besten (Platz 77 auf der Negativliste).

"Damit sind Frühgeburten die zweithäufigste Todesursache für Säuglinge nach Lungenentzündungen", sagte Joy Lawn, eine der Autorinnen der Studie. Österreich schneidet unter 193 Staaten mit 10,9 Prozent Frühgeburten relativ schlecht ab. Es hat dieselbe Quote wie das afrikanische Entwicklungsland Burkina Faso. Allerdings sind die Überlebenschancen der Frühchen in Österreich eklatant höher als in Burkina Faso.

Reproduktionsmedizin und ältere Mütter

Ein Faktor, der die Frühgeburtenrate negativ beeinflusst, ist der Trend zur Schwangerschaft in höherem Alter. Mittlerweile liegt das Alter der Erstgebärenden in Österreich im Durchschnitt bei knapp 29 Jahren. Dadurch erhöhe sich das Risiko für Probleme während der Schwangerschaft, für Frühgeburten und Mehrlinge, erklärte Angelika Berger, interimistische Leiterin der Abteilung für Neonatologie, pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie am Wiener AKH kürzlich im Gespräch mit derStandard.at.

Auch in der Reproduktionsmedizin könnten Regelungänderungen die Frühgeburtenrate senken. Denn durch Fruchtbarkeitsbehandlungen und künstliche Befruchtungen - in Österreich ist die Zahl der implantierten Embryonen nicht gesetzlich begrenzt - werden vermehrt Mehrlinge geboren, und diese weisen per se schon eine deutlich höhere Frühgeburtenrate auf. "Mit vernünftigen Richtlinien in der Reproduktionsmedizin könnte die Frühgeburtenrate um ein bis zwei Prozent gesenkt werden", schätzte Berger.

Situation in Nachbarländern etwas besser

Im Durchschnitt wird weltweit etwa jedes zehnte Kind zu früh geboren. Deutschland steht dem Bericht zufolge mit 9,2 Frühchen pro 100 Geburten (Rang 106) schlechter als viele Nachbarstaaten - aber besser als Österreich - da. In Industrieländern gelten vor allem ältere Mütter und Wohlstandserscheinungen wie Bluthochdruck und Rauchen als Ursachen für Frühgeburten. Belgien weist beispielsweise eine Quote von 7,9 Prozent auf, Italien eine von 6,5 Prozent, die Schweiz eine von 7,4 und Schweden eine von 5,9 Prozent (Rang 174).

Weltweit die ungünstigste Quote hat das südostafrikanische Land Malawi mit 18,2 Prozent (Rang 1), die günstigste demnach Weißrussland mit 4,1 Prozent (Rang 179), dann Ecuador (5,1 Prozent), Lettland (5,3 Prozent), Finnland, Kroatien und Samoa (je 5,5 Prozent). Allerdings ist die Sterblichkeit dank guter medizinischer Technik in den entwickelten Ländern drastisch geringer als in den Industriestaaten.

Die südafrikanische Epidemiologin Lawn, die für die Hilfsorganisation Save the Children arbeitet, forderte entschiedene Maßnahmen vor allem in den ärmeren Ländern. Hier könnten durch einfache und kostengünstige Maßnahmen erhebliche Fortschritte erzielt werden.

So könnten viele Todesfälle vermieden werden, wenn man zum Beispiel Müttern zeige, wie man Frühchen warmhalte. Auch Maßnahmen für Frauen zum Vermeiden von Infektionen könnten laut Lawn Babys retten. An der Studie waren über 100 Experten von fast 40 UNO-Einrichtungen, Universitäten und Organisationen beteiligt. (APA/red, derStandard.at, 2.5.2012)

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    Im Durchschnitt wird weltweit etwa jedes zehnte Kind zu früh geboren.

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