"Nature" schaltet sich in Causa Schwarzenbacher ein

2. Mai 2012, 12:16
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Magazin sieht Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität auf dem Prüfstand

Wien/Salzburg - Als Nagelprobe für die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) sieht die Wissenschaftszeitschrift "Nature" das Verfahren vor dem Salzburger Arbeitsgericht, das der Molekularbiologe Robert Schwarzenbacher gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Universität Salzburg anstrebt. Der Wissenschafter war von der Uni wegen der angeblichen Fälschung von Forschungsergebnissen gekündigt worden, wogegen er nun klagt. Für "Nature" wird dieses Verfahren zeigen, "ob die Entscheidungen der noch jungen OeAWI ernst genommen werden".

Ausgangspunkt der Causa ist eine 2010 erschienene Arbeit in der Wissenschaftszeitschrift "Journal of Immunology", an der Schwarzenbacher beteiligt war. In dieser beschrieb er die molekulare Struktur eines Birkenpollen-Allergens. Im April 2012 wurde in der Fachzeitschrift "Acta Crystallographica" ein Artikel veröffentlicht, in der diese Ergebnisse angezweifelt wurden. Auch die Autoren der ursprünglichen Arbeit kamen darin zu Wort und betonten, dass "Schwarzenbacher Daten-Fälschung ('data fabrication', Anm.) zugibt und und sich bei den Co-Autoren und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zutiefst entschuldigt". Dieses Geständnis hat Schwarzenbacher mittlerweile auch gegenüber der Zeitschrift widerrufen.

"Fälschung" vs. "punktueller Fehler"

Jedenfalls hat der Rektor der Uni Salzburg, Heinrich Schmidinger, sich nach den ersten Hinweisen an die OeAWI gewandt, die das wissenschaftliche Fehlverhalten bestätigt hat. Daraufhin wurde Schwarzenbacher gekündigt. Der Molekularbiologe bekämpft dies mit Unterstützung der Gewerkschaft und hat beim Arbeitsgericht die Kündigung angefochten. Erster Verhandlungstermin ist am 24. Mai. Schwarzenbacher betonte Mitte April, dass es sich um "keine Fälschung, sondern einen punktuellen Fehler gehandelt hat, für den ich mich entschuldigt habe". Die Kündigung stehe in keiner Relation zu seinen Leistungen für die Uni.

Für den Vorsitzenden des Trägervereins der OeAWI, den Präsidenten des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, ist der Fall jedenfalls "der mit Abstand gravierendste" für die Agentur bisher, wie er gegenüber "Nature" erklärte. Die OeAWI war 2008 unter dem Eindruck von Plagiatsfällen und mehreren Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens von Universitäten und Forschungseinrichtungen gegründet worden. "Wir werden sehen, ob die Gerichte diese Art von Fehlverhalten als Kündigungsgrund akzeptieren und sie die Urteile der Agentur ernst nehmen", so Kratky. Sollte das Arbeitsgericht die Kündigung bestätigen, könnte dies auch andere Hochschulen ermutigen, wissenschaftliches Fehlverhalten zu bestrafen. Andernfalls würde Kratky für eine Änderung der rechtlichen Grundlage für die OeAWI eintreten, um ihr mehr Biss zu geben. (APA/red, derStandard.at, 2.5.2012)

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