"Ausgerechnet die Grünen belustigen sich am Chaos der Piraten"

2. Mai 2012, 10:39
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Der Kabarettist Franz Joseph Moped erklärt, warum er aus der grünen Partei ausgetreten ist

Franz Joseph Stanzl alias Franz Joseph Moped (39) ist Blogger, Kabarettist und Teil der Gebrüder Moped. Der Wiener war Parteimitglied der Grünen, ist nun aber ausgetreten. Warum? Das erklärt er per Video und im Interview mit derStandard.at.

derStandard.at: Was war ausschlaggebend für die Zurücklegung der Mitgliedschaft bei den Grünen?

Stanzl: Ich habe mich in meiner Unabhängigkeit gestört gefühlt und zunehmend bemerkt: So eine Parteimitgliedschaft ist ja für überhaupt nichts gut. Also raus mit mir, aber dalli.

derStandard.at: Wie lange waren Sie grünes Parteimitglied?

Stanzl: Ich bin beigetreten, als Gusenbauer Kanzler wurde. Als dieser 2007 weder die Studiengebühren noch die Eurofighter loswurde, aber dafür der ÖVP sämtliche Schlüsselressorts einräumte, sind viele aus meinem Umfeld aus der SPÖ ausgetreten. Ich konnte nicht austreten, weil ich nicht dabei war. Also bin ich den Grünen beigetreten. Aus Protest quasi.

derStandard.at: Waren Sie auch aktiv für die Grünen tätig?

Stanzl: Nein, ich kann mit Stolz behaupten, keinen einzigen grünen Flugzettel verteilt zu haben. Aber ich halte die Grünen in ganz vielen Angelegenheiten für eine wichtige politische Kraft mit durchaus tollen Leuten in ihren Reihen.

derStandard.at: Sie sagen, der Umgang mit den Piraten hat Sie geärgert. Was genau meinen Sie damit?

Stanzl: Da geht's um die generelle Stimmung, die ich hier vorwiegend in den sozialen Medien wahrnehme. Wenn ausgerechnet Grüne sich am Chaos einer jungen Partei belustigen und nur am Fehlersuchen sind, gefällt mir das nicht. In Deutschland findet das noch viel massiver statt. Und die Grünen in Österreich hätten das schon überhaupt nicht notwendig. Bei uns gibt es ja de facto noch gar keine greifbaren Piraten.

derStandard.at: Manche Piraten legen fast Wert auf einen gepflegten Dilettantismus. Soll das die Zukunft der Politik sein?

Stanzl: Ich denke, alleine mit der Themenführerschaft in Sachen Dilettantismus ist wohl noch kein Staat zu machen. Aber die Fähigkeit, Fehler zugeben zu können, vermisse ich oft in der Politik. Damit könnte man sehr einfach und menschlich punkten.

derStandard.at: Gibt es unter den Grünen wirklich gar niemanden, der/die die Themen der Piraten ernsthaft vertritt?

Stanzl: Die Grünen Wien hatten 2009 die Riesenchance, als offene und partizipative Partei der Demokratie neues Feuer zu verleihen. Im Zuge der Aktion "Grüne Vorwahlen" wollten hunderte - größtenteils netzaffine - Menschen in der Partei mitwirken. Die Grünen wollten das nicht. Das war dumm. Aber natürlich gibt es klugen netzpolitischen Output bei den Grünen: Marco Schreuder ist ein Guter, keine Frage.

derStandard.at: Peter Pilz hat vorgeschlagen, dass Grüne und Piraten sich vereinen. Ein möglicher Weg?

Stanzl: Das hat er ja so nicht gesagt, oder? Meinte Peter Pilz nicht, dass einzelne Piraten auf der grünen Liste zur Nationalratswahl 2013 kandidieren sollen? Aber selbst diesen Vorschlag würde ich an seiner Stelle nochmals überdenken. Das hat doch schon einmal - beim LIF und der SPÖ - nicht wirklich funktioniert.

derStandard.at: Werden Sie jetzt selbst Pirat?

Stanzl: Kurz und knackig: nein! (Rainer Schüller, derStandard.at, 2.5.2012)

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