"Ein Privileg, im Eishockey arbeiten zu dürfen"

Interview |
  • 2001 debütierte Kristina Koch im österreichischen Damen-Nationalteam.
    foto: privat

    2001 debütierte Kristina Koch im österreichischen Damen-Nationalteam.

  • Vorfreude auf die WM in Helsinki: Kristina Koch (re.) mit Henna Malmberg aus dem Organisationskomitee.
    foto: privat

    Vorfreude auf die WM in Helsinki: Kristina Koch (re.) mit Henna Malmberg aus dem Organisationskomitee.

  • Ein Arbeitsplatz im Grünen, die IIHF-Villa in Zürich.
    foto: privat

    Ein Arbeitsplatz im Grünen, die IIHF-Villa in Zürich.

Für die am Freitag beginnende Eishockey-WM hat sich Österreich nicht qualifiziert, eine junge Kärntnerin ist in Helsinki dennoch mittendrin. Ein Gespräch mit Kristina Koch

Während das A-Nationalteam seit acht Jahren im Fahrstuhl zwischen Erst- und Zweitklassigkeit steckt, ist eine junge Österreicherin Stammgast bei den großen Turnieren der Eishockeywelt. Als Assistentin von René Fasel, dem Präsidenten des Weltverbandes (IIHF), ist die gebürtige Kärntnerin Kristina Koch in organisatorische Fragen ebenso eingebunden, wie in die Planung sportpolitischer Richtungsentscheidungen. Aktuell laufen für sie wie für das restliche IIHF-Team die letzten Vorbereitungen für die am Freitag beginnende 76. Eishockey-Weltmeisterschaft in Helsinki und Stockholm, die neue Maßstäbe setzen soll: Bis zu 650.000 Fans in den Hallen werden für einen neuen historischen Bestwert sorgen, zudem soll der Vorjahresrekord von rund 860 Millionen TV-Zusehern verbessert werden. Im Gespräch mit Hannes Biedermann erzählt Kristina Koch über das anstehende WM-Turnier, ihre Tätigkeit im Weltverband und Michael Grabners Tricks.

derStandard.at: Frau Koch, in wenigen Tagen beginnt hier in Helsinki die Weltmeisterschaft. Für Sie quasi eine Rückkehr zu den Wurzeln, Sie lebten und studierten in Finnland.

Koch: Ja, ich absolvierte ab 2005 das IIHF Studienprogramm in Vierumäki, rund 130 Kilometer nördlich von Helsinki. Dabei handelt es sich um eine Ausbildung im Bereich Sportmanagement mit Schwerpunkt Eishockey, für mich der Einstieg in die organisatorische Dimension des Sports. Ich durfte in Finnland eine wunderbare und gleichzeitig sehr lehrreiche Zeit verbringen.

derStandard.at: Woher kommt Ihr Bezug zum Eishockey?

Koch: Ich wurde in Villach geboren, bin also in einer klassischen "Hockeytown" aufgewachsen. Die Finalserie gegen den Lokalrivalen aus Klagenfurt brachte mich 1999 erstmals in die Eishalle, der Sport begeisterte mich sofort.

derStandard.at: Vom Fan wurden Sie dann auch recht rasch zur Aktiven...

Koch: Eishockey faszinierte mich und Eislaufen war schon im Kindesalter ein Hobby, also meldete ich mich zum Probetraining bei der Damenmannschaft an. Ein paar Monate später durfte ich dann schon mit den Burschen der U16-Mannschaft des VSV aufs Eis. Ich war zwar das einzige Mädchen, profitierte von diesen Einheiten aber sehr und konnte mir etwa auch von Michael Grabner den einen oder anderen Move abschauen.

derStandard.at: Das Dameneishockey steckte zu dieser Zeit in Österreich noch in den Kinderschuhen.

Koch: Es war die Phase des großen Aufbruchs, erstmals wurde ein Damen-Nationalteam gebildet, in dem ich ab 2001 spielte. 2004 debütierte Österreich dann bei einer Weltmeisterschaft, im gleichen Jahr besuchte ich im Sommer das Development Camp in Vierumäki, wo ich das IIHF Studienprogramm kennenlernte, in das ich ein Universitätsjahr in Wien später auch aufgenommen wurde.

derStandard.at: War der weitere berufliche Weg innerhalb des Weltverbands damit schon vorgezeichnet?

Koch: Nicht wirklich, das passierte eher zufällig. Ich versuchte, parallel zum Studium möglichst viel Praxis zu sammeln, half in der Organisation von Turnieren und Camps mit. Bei einer solchen Gelegenheit lernte ich Rob van Rijswijk, den damaligen IIHF Event Direktor, kennen, der just eine Praktikumsstelle im Projekt zur Vorbereitung der 100-Jahr-Feierlichkeiten des Verbandes zu vergeben hatte. Wir kamen ins Gespräch und drei Wochen später hatte ich die Stelle. Heute scherzen wir noch darüber, wie zufällig das damals passiert ist, ich hatte einfach Glück.

derStandard.at: Das Aufgaben- und Tätigkeitsspektrum des Weltverbandes ist ein sehr breites, speziell, da es, anders als etwa im Fußball, keinen europäischen Verband gibt. In welchen Bereichen der IIHF waren Sie bisher aktiv?

Koch: Zu Beginn war ich wie erwähnt Projekt- und Eventassistentin für das Verbandsjubiläum. Danach durfte ich sowohl im Marketing-Department als auch in der Administration arbeiten, seit 2010 assistiere ich Präsident Fasel. Ich bin sehr glücklich darüber, so vielfältige Einsatzbereiche kennengelernt zu haben, zumal auch immer Raum für die Beteiligung an weiteren Projekten blieb. Die Mitarbeit an der Triple Gold Club Induction (die Ehrenliste der Spieler, die sowohl Olympiasieger und Weltmeister wurden als auch den Stanley Cup gewannen; Anm.) bei den Spielen von Vancouver beispielsweise. Der Kontakt mit solchen Größen unseres Sports ist für mich als Fan natürlich etwas ganz Besonderes.

derStandard.at: Heute sind Sie Assistentin von Weltverbandspräsident René Fasel, neben dem NHL-Commissioner Gary Bettman die wohl einflussreichste Person in der Eishockeywelt. Welche Aufgaben übernehmen Sie?

Koch: Auch das ist sehr vielfältig, von der Korrespondenz bis zur Reiseplanung, teilweise arbeite ich auch an Reden und Interviews. Da René Fasel zudem im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine zentrale Funktion einnimmt, komme ich auch mit sehr spannenden sportpolitischen Agenden in Berührung. Aktuell dreht sich dabei natürlich alles um die nächsten Spiele von Sochi 2014. Darüber hinaus arbeite ich an verschiedenen IIHF-Projekten mit, etwa der alljährlichen Hall of Fame Zeremonie oder dem demnächst anstehenden Hockey Forum in Barcelona, bei dem die Zukunft des europäischen Eishockeys auf Schiene gebracht werden soll. Dazu ist zu sagen, dass ich glücklicherweise einen Chef habe, der mich immer über die Schulter schauen lässt, Neues bereitwillig erklärt und jederzeit ein offenes Ohr hat. Da konnte ich bis jetzt in kurzer Zeit unglaublich viel lernen.

derStandard.at: Vorerst steht nun aber die Weltmeisterschaft an, das erste WM-Turnier seit 1930, das nicht nur in einem Land ausgetragen wird. Eine besondere Herausforderung.

Koch: Durchaus, ja. Wir können uns auf einen tollen Bewerb in den Hauptstädten zweier völlig eishockeyverrücker Nationen freuen. Ich darf in Helsinki Ansprechperson für die knapp hundert Gäste der IIHF sein und die Zeremonie zur Einführung in die Hall of Fame koordinieren, in die heuer etwa der legendäre Pavel Bure aufgenommen wird. Keinen Monat nach der WM beginnt das Hockey Forum, Langeweile wird in den kommenden Wochen also bestimmt nicht aufkommen. Aber ich bin froh, dass ich, ähnlich wie einst als Spielerin, in einem tollen Team arbeiten darf. Rund 30 Personen aus elf Nationen in unserem Büro, das ergibt eine Vielzahl an Einflüssen, was eine ungemeine Bereicherung für mich persönlich darstellt.

derStandard.at: Stichwort Weltmeisterschaft: Österreich ist einmal mehr nicht im "Konzert der Großen" vertreten, hadert seit Jahren mit der Etablierung in der A-Gruppe. Wie erleben Sie die Reputation des rot-weiß-roten Hockeys auf internationaler Ebene?

Koch: In meinen Jahren bei der IIHF habe ich miterlebt, dass viele Nationen Höhen und Tiefen mit ihrem Eishockey-Programm durchlaufen. Das österreichische Eishockey respektive der Verband (ÖEHV) ist aktuell in einer breit diskutierten Phase der Reorganisation und Umstrukturierung, daraus kann man sicherlich viel Elan mitnehmen. Die Rückkehr unter die Top 16 wurde ja jüngst fixiert, das ist ein erster, positiver Schritt. Nicht zu vergessen ist natürlich die tolle Entwicklung des Klubeishockeys im Rahmen der stetig wachsenden Erste Bank Eishockey Liga (EBEL), die international sehr positiv wahrgenommen wird.

derStandard.at: Sie sind jetzt, das darf man sagen, Mitte zwanzig und haben innerhalb des Weltverbandes bereits eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?

Koch: Ganz grundsätzlich ist es für mich ein Privileg, im Sportbereich, speziell im Eishockey, arbeiten zu dürfen. Hier trifft der oft zitierte Satz vom zum Beruf gemachten Hobby zu, zumal ich dank meiner Tätigkeit viele Bekannt- und Freundschaften auf der ganzen Welt knüpfen konnte. Teil dieser internationalen Eishockeyfamilie zu sein, ist wunderbar, und in diesem Sinne hoffe ich, auch langfristig in der IIHF tätig sein zu können.

derStandard.at: Die Fluggesellschaften wird's freuen...

Koch: Das mag durchaus sein, heuer bin ich wirklich sehr viel auf Reisen. Dementsprechend komme ich auch nur noch sehr selten nach Österreich, maximal zwei Mal pro Jahr. Weihnachten ist dabei aber immer ein Fixtermin, wobei natürlich so geplant wird, dass sich der Besuch von mindestens einem VSV-Heimspiel ausgeht. Ich habe so viel Zeit in der Villacher Stadthalle verbracht, da ist es immer wieder schön, zurückzukommen, alte Freunde zu treffen und das Team anzufeuern. (Hannes Biedermann aus Helsinki; derStandard.at; 2.Mai 2012)

Kristina Koch (25) ist ehemalige Nationalspielerin, studierte Sportmanagement am Vierumäki Sports Insitute in Finnland und arbeitet seit 2007 für den Eishockey-Weltverband IIHF in Zürich.

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  • Zum Autor [5]

    TitelbildHannes Biedermann bloggt zum nationalen und in­ter­nationalen Eis­hockey. Der gelernte Poli­tik­wissen­schafter hat sein Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht und arbeitet als Scout und Berater für in- und ausländische Klubs.

14 Postings

Gratz Kristina!

Hast ja wirklich was aus dir gemacht, da wird man richtig neidisch :P

LG
ein ehem. schulfreund ausm perau gym ;)

Ich geb's ehrlich zu

mich frisst der Neid. Herzliche Gratulation - das mit 25 machen zu dürfen, muss ein Traum sein.

Mit 25 schon IIHF-Aparatschik?

Nein danke. Das ist was für die dritte Lebenshälfte.

Dem kann ich mich nur anschliessen !

kärnten und eis-hockey passt wie die faust aufs aug!

gratuliere!

Kärnten ...

der Nabel des Eishockeys und der Highland-Games!

Ich geb mal grün. Sonst kapiert wohl keiner dass das positiv gemeint war...
Sehr schöne Karriere jedenfalls die Dame.

Philip Bauer
03
"die faust aufs aug"

kann interessanterweise als passend oder unpassend interpretiert werden, kommt auf den kontext an.

true!!

ich glaub aber kaum dass mein vorposter das negativ gemeint hat! meine kärntner mitbürger sind aber halt eher skeptisch bei solchen äußerungen ;)

Philip Bauer
02
nein, war sicher positiv gemeint,

ich wollte nur mal diese eigenart der formulierung festhalten. kenne keine andere wo das auch so wäre.

lg; Ihr Bauer

kenne noch eine Formulierung, die so oder so verstanden werden kann:
"du sau" - negativ, als schimpfwort, gleichsetzung mit dem Tier
"du sau" - postitiv, als kompliment bzw. anerkennung für bestimmte handlungen

"kenne keine andere wo das auch so wäre."

=>

Quantensprung

;o)

doch

"der wermuthstropfen" wird ebenfalls manchmal positiv, manchmal negativ verwendet. als original wiener matschgerer ist mir persönlich die negative verwendung lieber.

Gratuliere, tolle Karriere, sympathische Frau

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