Firmen kommen an Facebook nicht mehr vorbei

  • Das Salzburger Marionettentheater lässt seine Puppen auch auf Facebook tanzen, hier: "Der Ring der Nibelungen".
    foto: salzburger landestheater

    Das Salzburger Marionettentheater lässt seine Puppen auch auf Facebook tanzen, hier: "Der Ring der Nibelungen".

Wie kleine Firmen die Plattform mit wenig Aufwand für sich nutzen können

Promis und große Unternehmen haben sich auf Facebook längst eingenistet. Schließlich können sie mit ihren Fanseiten auf dem weltgrößten Freundesnetzwerk neuen Angaben nach an die 900 Millionen Menschen weltweit erreichen - und Umsatzförderndes über sie erfahren. Lady Gaga zählt 43 Millionen Bewunderer, Coca-Cola an die 37 Millionen Anhänger, Red Bull bringt es auf etwa 28 Millionen Sympathisanten.

Kein Vorbeikommen für Firmen

Man kann die Zuckerberg-Firma und was sie treibt mögen oder nicht. Doch das Netzwerk hat sich als Kommunikationsdrehscheibe etabliert, an der Firmen kaum noch vorbeikommen - sie sollten sie daher für ihre Zwecke nutzen, meint Sabine Hoffmann, Gründerin und Chefin der Wiener Agentur Ambuzzador. Die Größe des Unternehmens spiele dabei keine Rolle.

Internetnetzwerke und andere Social-Media-Plattformen brächten Menschen im doppelten Sinn zum Schwärmen. "Sie sind eine Bühne für zufriedene - und unzufriedene Kunden gleichermaßen", sagt Hoffmann. Auch Firmen, die keine aktive Rolle in diesem Stück spielten, seien mit von der Partie. Zum Beispiel durch negative Postings über ein Produkt oder eine Dienstleistung. Wer als Akteur mit dabei sei, könne wenigstens am Stück mitschreiben.

Online-Vorhang auf

Erkannt hat das zum Beispiel auch das Salzburger Marionettentheater, das von Hoffmanns Agentur aus Liebhaberei unterstützt wird, erzählt sie im STANDARD-Gespräch. Ende April 2011 hat das fast 100 Jahre alte "große Theater mit kleinen Darstellern" sein virtuelles Podium auf Facebook eröffnet. Ziel war und ist es, mit den zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln an ein jüngeres Publikum heranzukommen. Und dieses schneit heute eben nicht mehr ins Kartenbüro rein, weil es ein Theaterplakat gesehen hat.

"Der Ring der Nibelungen"

Wie auch bei kommerziellen Kunden stellte das Ambuzzador-Team dem Marionettentheater die Einstiegsfrage: "Was habe ich für spannende Geschichten, Services, die ich auf meiner Fanseite präsentieren kann?". Die inhaltlichen Requisiten waren an einem Ort, der die Puppen tanzen lässt, schnell gefunden: die Marionetten und ihre Fädenzieher. Die Produktion "Der Ring der Nibelungen" gemeinsam mit dem Landestheater Salzburg (16 Stunden Wagner-Oper in sitzbaren 126 Minuten) wurde so auf Facebook regelmäßig mit Fotos und Text begleitet. "Man sollte Facebook als Magazin begreifen, das ich selbst befüllen kann", plaudert Hoffmann aus ihrem Social-Media-Werkzeugkoffer.

Mit 323 "Likes" ist die Fangemeinde des Salzburger Marionettentheaters im Vergleich zu Lady Gaga zugebenermaßen eher bescheiden. Ideen und Motivation, noch mehr anzulocken, sind aber reichlich vorhanden. So wird von Tourneen gepostet, Freud und Leid mit den Freunden geteilt und überlegt, es mit Mobile Couponing zu versuchen. Übers Smartphone werden dabei Gutscheine verschickt, die an der Kasse eingelöst werden können.

Spargel-Status

Dass sich Facebook mit wenig Know-how und Mitteln selbst für kleinste Unternehmen nutzen lässt, belegt Hoffmann mit "ihrem" Spargelbauern Alfred Mühl aus Deutsch-Wagram. Dieser postet zum Beispiel den Status des Spargels auf seiner Fanpage. Fotos vom Feld oder der ersten Ernte auf Facebook hochladen, fertig. Per Statusmeldung erhält jeder Mühl'sche Spargelfreund die Nachricht. "Er erspart sich damit, Kunden über viele verschiedene Kanäle zu kontaktieren, und erreicht damit alle, die sich interessieren und Freunden weiterempfehlen", sagt Hoffmann.

Ein anderer Facebook-Liebling von ihr ist CupCakes Wien, "ohne dass ich beruflich mit ihnen zu tun habe", betont sie. Die Designerinnen von kunstvollen Muffins, Torten und Keksen bringen es schon auf immerhin mehr als 17.000 Fans. Sie halten ihre Kunden über neue Kreationen auf dem Laufenden, lassen über die Dekoration in der Auslage abstimmen oder erzählen aus ihrem Alltag. "Es geht um Authentizität, nachhaltige Kontaktpflege auch außerhalb des Geschäfts", betont die Marketingexpertin.

Lässt sich das nicht auch durch eine Firmen-Webpage erreichen? "Heutzutage nur mehr bedingt", sagt Hoffmann. "Eine Homepage muss man gezielt ansteuern, doch auf Facebook sind die Nutzer ohnehin." Mark Zuckerberg arbeitet nicht ohne Grund an einem digitalen Universum.

Auf Urheberrechte achten

Worauf Firmen bei Social Media und Facebook achten sollten? "Zum Beispiel nicht darauf vergessen, seinen Facebook-Auftritt auch auf der Homepage und auf Visitkarten zu vermerken. Und die Urheberrechte im Auge behalten, besonders bei Fotos", rät Hoffmann. Und auf die Dos and Dont's, die sich von der analogen Welt nicht sehr unterscheiden. In den USA sei es etwa schon durch- aus üblich, dass Mitarbeiter Social-Media-Training erhielten. Und: auf Geschichten, die das Leben schreibt. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 2.5.2012)

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