RIM stellt Blackberry 10 vor: Fokus auf Touch und Apps

Hersteller will Android und iOS Paroli bieten - Neues Interface und programmierfreundlich

Research In Motion (RIM) hat im Rahmen der BlackBerry World-Konferenz in Orlando seine neue Mobile-Plattform "Blackberry 10" (BB10) vorgestellt und gleichzeitig kostenlose Entwicklungswerkzeuge in einer Beta-Version zur Verfügung gestellt.

Alles fließt

RIM verspricht damit eine komplett neu designte Plattform für moderne Mobile-Anwendungen und dank einer frischen Benutzeroberfläche ein zeitgemäßes Nutzererlebnis, das stark auf Touch-Eingaben setzt. In einem Video demonstriert der Hersteller das neue Interface und die intuitive Gestensteuerung. Zusätzlich bietet die Plattform innovative Features wie das "Caching" bei Fotos. Die Kamera nimmt bei Aktivierung durchgehend Bilder auf und lässt im Anschluss an die Aufnahme die Auswahl der besten Fotos zu.

Zur Demonstration und zur Software-Entwicklung gibt RIM an Partner BlackBerry 10 Dev Alpha-Geräte aus. Das Smartphone verfügt über einen 4,2 Zoll großen Screen mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixel, nutzt 1 GB RAM und 16 GB Flashspeicher und findet über Micro USB und Micro HDMI Anschluss an externe Geräte und Bildschirme. Der Konzern betonte, dass das BlackBerry 10 Dev Alpha in dieser Form nicht für Konsumenten erhältlich sein wird.

Nicht nur Touch

Der Fokus der Vorstellung lag auf Toucheingaben. So zeigte RIM, wie man das Tippen auf einer virtuellen Tastatur mit Hilfe von Wortvorschlägen beschleunigen möchte. Zudem stellte man aber klar, dass es auch BB 10-Geräte mit Tastatur geben werde. Besonders wichtig für RIM ist die Einbindung von App-Herstellern, um künftig ein attraktives Ökosystem für seine Konsumenten anbieten zu können. Die starke Konkurrenz durch Plattformen wie iOS und Android stellt derzeit die größte Bedrohung für Blackberry dar. Die Entwickler-Software erlaubt die Programmierung in C/C++ und unterstützt auch HTML5-Code. Eine Reihe von Programmierschnittstellen (API) soll dafür sorgen, dass Entwickler im Vorfeld Anwendungen mit diversen Funktionen wie Push-Mitteilungen oder Zahlungsmöglichkeit kreieren können.

PlayBook

Blackberry 10 basiert wie bereits RIMs Tablet Blackberry Playbook auf dem Betriebssystem QNX Neutrino RTOS, das bisher zum Beispiel in Industrieanlagen, Auto-Bordcomputern sowie Atomkraftwerken und Militärtechnik zum Einsatz kommt. Die Blackberrys sollen damit entsprechend stabil und effizient laufen, betonte Konzern-Chef Chef Thorsten Heins.

Im Zuge der Konferenz bestätigte man, dass auch die Tablet-Schiene weitergeführt wird. Als nächstes steht eine LTE-Version an. Nicht festlegen wollte sich RIM auf den kommerziellen Start von Blackberry 10. Berichten nach wird es bis 2013 dauern. Der kanadische Mobilfunkspezialist setzt damit alles auf eine Karte und will neben iOS und Android genauso wie Microsoft mit Windows Mobile eine dritte starke Plattform am Smartphone-Markt etablieren.

Hoffnungsträger

Mit den aktuellen Modellen geht es für die Blackberry-Plattform unterdessen steil abwärts. Das neue Betriebssystem und die damit verbundenen neuen Geräte sind die großen Hoffnungsträger von RIM. In der Branche gibt es jedoch einige Skepsis, ob das gelingen wird. Im vergangenen Quartal halbierte sich der Anteil der Blackberrys am Smartphone-Markt nach Zahlen der Marktforschungsfirma IDC auf 6,7 Prozent. Aktuell nutzen rund 75 Millionen Menschen Blackberrys.

Als einstiger Manager der Siemens-Mobilfunksparte übernahm Heins Anfang des Jahres die Führung bei RIM und will die Abwärtsspirale stoppen. Zugleich lässt er alle Optionen für das Unternehmen bis hin zu einem Verkauf prüfen. (zw/APA, derStandard.at, 2.5.2012)

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