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Dass die schönsten Träume sehr oft an der harten Realität scheitern, wurde am Dienstag wieder unter Beweis gestellt: In der Wiener Innenstadt marschierten die Gewerkschafter am 1. Mai in gewohnter Manier auf, um an ihre historischen Errungenschaften im Kampf für eine gerechtere Arbeitswelt zu erinnern.
Nur wenige Stunden zuvor musste dieselbe Gewerkschaft eine herbe Enttäuschung hinnehmen: Die angestrebte Verhandlungslösung wurde von der AUA-Belegschaft nicht akzeptiert, und das Management hat in der Sekunde den Betriebsübergang auf die bedeutend kostengünstigere Tyrolean eingeleitet. Diese Landung war dann doch ziemlich hart. Sicher, jetzt werden die Gerichte bemüht - nicht alles, was sich die AUA wünscht, wird rechtlich halten. Aber am Betriebsübergang führt kein Weg mehr vorbei. Und die Gewerkschaft wird sich - abseits der wohl auch nicht mehr zeitgemäßen folkloristischen Mai-Paraden - vermehrt mit diesem Thema samt den Folgen für andere Betriebe auseinandersetzen müssen.
Die finanzielle Situation der AUA ist seit vielen Jahren kritisch, weil tiefrot. Der Punkt ist: Die AUA steht im internationalen Wettbewerb, kein Passagier zahlt eine Prämie, nur weil er mit der AUA fliegt. Was in der Vergangenheit verabsäumt wurde, muss spät, aber doch auf Druck der Lufthansa passieren: Die AUA muss sich so aufstellen, dass die Ticketpreise, die sie am Markt erzielen kann, mit den eigenen Kosten zusammenpassen. Derzeit klafft da eine große Lücke. Auch die AUA muss ihre Tickets im Ausland verkaufen, und da sind die Konkurrenten Billig-Airlines wie Easyjet oder Ryanair.
Die seit Jahren nicht mehr zeitgemäßen Privilegien einiger Altpiloten sind unvereinbar mit der Situation der AUA. Aber was haben in all den Jahren die noch von der Staatsholding ÖIAG eingesetzten Manager gemacht? Nichts, sie wollten sich mit den Piloten offenbar nicht anlegen. Oder sie verkannten die Lage, wie Ex-Chef Alfred Ötsch mit der Aussage: "Die AUA ist saniert." Auch diverse unfreiwillige Abgänge aus dem Vorstand kosteten das Unternehmen viel Geld.
Dass die Airline in Summe mehr braucht als die Reduktion der Gehälter, signalisierte AUA-Vorstand Peter Malanik zu Jahresbeginn: "Selbst wenn die Mitarbeiter aus purem Idealismus um die Hälfte der Gage arbeiten, würde das die AUA nicht in die schwarzen Zahlen bringen." Trotz des Gegensteuerns wird die AUA auch heuer wieder einen Verlust einfliegen.
Ob die Privilegien einiger langjähriger Piloten, die jetzt um viel Geld abgefertigt werden müssen, um dann später gar nicht mehr oder bei der Konkurrenz zu viel schlechteren Bedingungen zu fliegen, den Rosenkrieg rechtfertigen, darf bezweifelt werden. Für das Betriebsklima und die öffentliche Wahrnehmung war die Schlacht entbehrlich. Dass die Bordbelegschaft die Grundsatzvereinbarung nicht goutierte, hängt wohl auch damit zusammen, dass die Piloten in ihrem Arbeitsumfeld gewohnt sind, Entscheidungen auf Basis solider Fakten zu treffen. Und die konnten in der vorgegebenen Zeit nicht vorgelegt werden.
Die AUA wird jedenfalls weiter fliegen, ob mit stark oder nur minimal reduzierter Mannschaft. Der neue Konzernkollektivvertrag für AUA und Tyrolean, den das Unternehmen anstrebt, bietet die Chance, dass konzernintern die Gräben beseitigt werden. Ruhe wird aber so schnell nicht einkehren. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 2.5.2012)
Der mit Verlusten kämpfenden AUA wird ein zusätzlicher Emirates-Flug sicher nicht den Todesstoß versetzen
Jede Konsolidierung auf dem hart umkämpften Baumarkt kann den Überlebenden auf Teilmärkten nur nutzen
Der Schlendrian und die Schlampereien passen halt nicht zu moderner und deutscher Unternehmensführung. Und zudem scheint es für die Ignoranz der Gewerkschaft zu sprechen, trotz enormer Verluste weiterhin auf den nicht nachvollziehbaren Pfründen zu beharren. Da hast du ein Problem, wenn du so ein Unternehmen am Hals hast...
Die Darstellung - dass nur der ausländische Ticketmarkt preissensibel wäre - ist wieder so eine Falschdarstellung, wie vieles aus dem AUA-Umfeld. Radio Eriwan?
man kann nur hoffen dass die gewerkschaften endlich wach werden und diesen sozialraub der ja nicht auf die aua beschränkt bleibt stoppen
diese neoliberalen verbrecher ruinieren die wirtschaft entgültig und blechen dürfens wieder wir
Dieser Kollektivvertrag mit seinen absoluten Phantasiegehältern für langdienende Piloten, jenseits allem was die Konkurrenz je zahlen würde, hätte nie unterschrieben werden dürfen.
Außerdem zeigt diese Situation die ganzen Probleme von Kollektivverträgen: sie sind extrem unflexibel und erlauben es nicht auf Marktänderungen einzugehen. Jedes Mal wenn der Markt gut ist quetschen die Arbeitnehmer rücksichtslos das absolute Maximum raus (siehe Metaller die in Zeiten der Schuldenkrise 6,5% plus wollen - Egoisten par excellence, nach dem Motto hinter mir die Sintflut) und jedes Mal wenn der Markt schlecht ist gibt es zehntausend Regelungen die es de facto unmöglich machen die Gehälter zu senken. Freie Gehaltsverhandlungen sind viel gerechter.
Österreich ist letztklassig.
Aus eigener Kraft irgend etwas sanieren? Undenkbar.
Die Arroganz der Mächtigen, die kriminelle Haltung der Regierung und der Gewerkschaften, sowie der Irrsinn, lieber den Untergang zu riskieren als Einbussen hinzunehmen, ist einfach die Bankrotterklärung des gesunden Hausverstands.
sie haben noch nicht realisiert dass es eine Luftfahrtkrise gibt, zuviele Flieger zu geringe Ticketpreise. In Zukunft wird es weniger Fluglinien geben. Die Lohnkosten haben auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Flugunternehmens fast keinen Einfluss (deshalb halte ich es auch vom Management fuer sehr unprofessionel so vorzugehen - warum machen die sich keine Gedanken ueber das Image der Airline) allein die Kerosinkosten machen mehr als ein Drittel der Kosten aus, die Flugzeuge, Finanzierungskosten, Landegebuehren usw. sind auch keine unwesentlichen Kosten, also warum man so auf die Miitarbeiter los geht ist wohl eher mit Neid und dem Klammern an einem Strohlam zu begruenden als mit wirtschaftlicher Notwendigkeit
Kann gut sein, dass solche sozialdemokratische Selbstbeweihräucherung nicht zeitgemäß ist.
Allerdings nicht, weil seit dem Hainfelder Parteitag schon über 100 Jahre ins Land gezogen sind, sondern aus ganz anderen Gründen.
Etwa weil die Roten seit dem Abtritt von Übervater Kreisky ein stetiges Rückzugsgefecht bestreiten und ihnen seitens der Unternehmervertreter Jahr für Jahr mehr von den Errungenschaften der Arbeiterbewegung wegverhandelt wird.
Oder weil die roten Protagonisten der letzten Jahre mit (Arbeiter-)Klassenbewusstsein ungefähr genauso viel am Hut hatten und haben wie ein Barolo mit einer Beerenauslese.
Ich würde daher statt "nicht zeitgemäß" eher "nicht angebracht" sagen.
Und jede weitere GroKo wird das noch verschlimmern.
bei Vorständen, die ein Vielfaches davon verdienen, dagegen von marktüblichen Konditionen? Warum sind hohe Gehälter für Leute, die tatsächlich Arbeit leisten, überzogen, für jene, die diese Leistungen als die ihren verkaufen, aber gerechtfertigt? Warum fällt denen, die sich hier über die sturen AUA-Angestellten echauffieren, diese Doppelmoral nicht auf?
zwar keine einschulung für eine a380 und bin seit 50 jahren geprüfter kesselwärter und kenne die komplexität. der heros der einen flieger ausmacht ist schon irgendwie einzigartig. in n.y. müssen piloten nebenbei als kellner arbeiten, soviel zum genius eines piloten, weit, weit überbewertet. und glauben sie mir der größte teil dieser piloten ist mit einer kleinen maschine in unseren bergen mit ziemlicher sichrheit überfordert. sternegucken ist doch auch schön und anspruchsvoll...
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