Wahlkampf im Zeichen des verlorenen Vertrauens

Andrej Ivanji aus Belgrad, 1. Mai 2012, 17:47

Wer auch immer nach der Wahl am 6. Mai in Belgrad an die Macht kommen wird: Ein Reformwille ist nicht zu erkennen

"Ich werde einen weißen Stimmzettel abgeben", sagt Srbijanka Turajlic. "Eine Partei in Serbien zu wählen hieße, ihr einen Persilschein für noch mehr Korruption und den Abbau demokratischer Institutionen zu geben." Mit ihrem Statement löste die prominente Kämpferin für Demokratie und emeritierte Uni-Professorin eine heftige Debatte aus.

Vor allem bürgerlich und europäisch orientierte Wähler sind enttäuscht von der sozialen Misere und dem sinkenden Lebensstandard. Zwölf Jahre nach der demokratischen Wende herrsche in Serbien ein "partitokratisches System", sagt Turajlic: Alles werde Parteiinteressen untergeordnet, das Parlament habe sich in einen Raum für "Händchenheben" verwandelt. Meinungsumfragen zeigen, dass die Bürger das Vertrauen in Politiker und staatliche Institutionen verloren haben.

Vor allem die regierende Demokratische Partei (DS) hat die Wahlabstinenz ihrer Wähler zu fürchten. Ihr Vorsitzender Boris Tadic trat als Staatspräsident neun Monate vor dem Ende seiner Amtszeit zurück, um zu ermöglichen, dass die Präsidentschaftswahlen gleichzeitig mit Parlaments- und Kommunalwahlen stattfinden können. Prompt reden Kritiker von einer "Verhöhnung des höchsten Staatsamtes aus Parteiinteressen".

Neue Wahlstrategie nötig

Vor vier Jahren konnte Tadic die Wahlen auf ein schicksalhaftes "Ja oder Nein zu Europa" zuspitzen. Damals stand der DS die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) mit ihrem für Kriegsverbrechen vom UN-Tribunal angeklagten Führer Vojislav Šešelj gegenüber. Europa atmete auf, als Tadic gewann.

Heute kann diese Taktik nicht mehr aufgehen. Die SRS hat sich gespalten, unter der Führung von Tomislav Nikolic entstand die Serbische Fortschrittspartei (SNS). Über Nacht änderte Nikolic den Kurs, setzte sich für den Beitritt Serbiens zur EU ein, gab sich moderat und überholte in Umfragen die konsequent europafreudige DS.

Das Programm der SNS unterscheidet sich kaum von dem der DS. Nikolic hat gute Chancen, Tadic in der Stichwahl zu schlagen.

"Glaubt denen ja nicht", warnt Tadic, dessen Partei Nikolic massiv attackiert. Werbespots zeigen, wie Nikolic früher gegen Europa wetterte, sich heute aber für die EU einsetzt; wie er von Krimi nellen umgeben ist; dass er sein Uni-Diplom gefälscht haben soll. "Spielt nicht mit eurer europäischen Zukunft", richtet man den Wählern aus. "Schenkt euer Vertrauen jenen, die schon immer für eine europäische Zukunft Serbiens waren."

"Serbien geht in Korruption unter", entgegnet Nikolic und verspricht "ein ehrliches, sauberes" Land.

Allgemein dreht sich der Wahlkampf populistisch um soziale Themen. Alle 18 Parteien und Bündnisse und zwölf Präsidentenkandidaten versprechen einen Kampf gegen Korruption und für neue Jobs, Auslandsinvestitionen und einen besseren Lebensstandard. Manche neigen dabei mehr zu Russland, die meisten zur EU.

Der Kosovo wird kaum erwähnt, außer von der SRS und der De mokratischen Partei Serbiens (DSS) von Expremier Vojislav Koštunica, die gegen die EU ist.

Die großen Parteien DS und SNS haben am 6. Mai keine Chance auf eine "Absolute", sie werden Partner für eine Koalition brauchen. Doch wer auch immer an die Macht kommen wird: Ein Reformwille ist nicht zu erkennen. (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, 2.5.2012)

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Egal wer gewinnt;

Serbien verliert.

das ist nur noch peinlich - echt schade.

slawische jungs zwischen 18 und 20 brutal ermordert.

in der tat ist das ein großer verlust auch für serbien.

http://www.suedostschweiz.ch/politik/m... gewalt-aus

mit schaum vorm mund sollte man nicht schreiben. Bei Pferden kann es mit der Fütterung zu tun haben.

http://www.pferde-forum.org/wbb/pferd... n-heulage/

kuqi, das ist nun mal ihr persönliches verständnis von freien wahlen und demokratie... nur weil man in serbien noch selber einen präsidenten frei wählen kann und nicht wie im konstrukt kosovo dieser direkt vom amerikanischen botschafter (!!!!!) ausgesucht wird bedeutet dass nicht, dass es unfug ist ;)

109.000 Wahlberechtigte am 6.5.

Komisch, wurde nicht gerade nicht gerade im Standard behauptet, es gäbe nur 100.000 Serben im Kosovo?

Da wurde wohl vorschnell albanische Mundpropaganda verbreitet...

könnte mit bitte jemand diese Hieroglyphen auf dem Bild hinter Tadic übersetzten.

da steht "svi hrvati su srbi" drauf!

quatsch

man kann die minik von tadic und das plakat im hintergrund nur so deuten. wir haben HUNGER bitte evropa helft uns

geh wer hat hunger die russen helfen uns

Ungebildet?

Also selbst als nicht "Balkanese" und nicht gerade der Hellste auf diesem Planeten, erkenne ich den Unterschied zwischen Hieroglyphen http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... eroglyphen und Kyrillisch http://de.wikipedia.org/wiki/Kyri... s_Alphabet

respekt

sie sind ein Käpsele

Glauben Sie im Ernst, man kauft Ihnen das Gehabe ab?

Ich kann natürlich verstehen, dass man in der Öffentlichkeit die Zugehörigkeit zum serbischen Volk verneint, aber so heuchlerisch sich als wannabe-Kroate darzustellen, ist schon ein Indiz dafür, eine selten erfahrene Stufe der Mitleid-erregenden Lächerlichkeit erreicht zu haben. Jeder Kroate, der in so einem Forum Teil nimmt, kann die Plakate lesen. Zudem der Name als "Kroate" - jaja.. Sehr klug.. Wer da wirklich glaubt, das sei ein Kroate, ist auf dem besten Weg, so lächerlich zu sein wie er.

sowas machen nur schiffchen kuki

buducnost (zukunft) steht dort

Da steht: Krajina ist Serbien!

Da steht "Siegende Serben sind super" mithin CCCC

Da steht: Die Schriftzeichen der Zukunft!

fragen sie ihre eltern, die habns sicher damals noch in der schule gelernt ;)

Da steht: "Kroate061 was here"

;-)

zu einer DS-geführten regierung sehe ich derzeit nicht wirklich eine alternative. nikolic mag sich gemäßigter geben, aber es ist noch zu früh zu sagen, ob er sich wirklich gewandelt hat. ein erfreuliches signal wäre auf jeden fall eine möglichst starke LDP.

es gibt keinen unterschied zwischen nikolic und tadic. beide sind hässlich und beide lügen, wo sie nur können.

Serbien ist viel zu klein und die meisten Bewohner (ausserhalb Belgrads) interessieren sich auch nicht so sehr für Politik, als das 12 Kandidaten Sinn ergeben würden. Aber auch Serbien ist nun mal eine junge Demokratie.

Es wird wohl ein wenig dauern, bis es z.B. nur noch 5-6 Kandidaten sind.
Soviele Marschrichtungen gibt es ja schließlich garnicht. Eigentlich währe eine Wahl wie vor 4 Jahren in meinen Augen sinnvoll:
EU oder Russland?
Das ist ja auch das Einzige, was interessiert. Die Parteien müssten sich nicht spalten, sondern eher zusammentun. Also die, die Pro-Russisch sind und die Anderen, die Pro-EU sind. Wobiei ich wirklich nicht erkenne, warum man, wenn man für die EU ist gegen Russland ist - das ist doch Quatsch. Das eine Wirtschaftsintegration und Politik und das Andere ist Kultur. Selbstverständlich kann man beides haben.

Aber man kann sich nicht vor der EU blockieren und wirtschaftlich unterstützt werden wollen.

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