Blutspuren von Ötzi entdeckt

  • 21 Jahre nach Ötzis Entdeckung fanden Forscher in seinen Wunden rote 
Blutkörperchen und ein Protein, das darauf schließen lässt, dass der Eismann an 
seinen Verletzungen starb.
    foto: apa/samadelli/eurac

    21 Jahre nach Ötzis Entdeckung fanden Forscher in seinen Wunden rote Blutkörperchen und ein Protein, das darauf schließen lässt, dass der Eismann an seinen Verletzungen starb.

Mit neuesten Techniken gelang es Forschern, im Eismann Blutkörperchen zu finden - Die bisher ältesten konservierten Blutspuren geben Aufschluss über Ötzis Todesursache

In den ersten Jahren nach dem Fund 1991 hatte man durchaus erwartet, in der 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi noch Blut zu finden. Doch nach den zahlreichen vergeblichen Versuchen hatte man fast schon die Hoffnung aufgegeben, sagt Albert Zink. Der Leiter des Bozener Mumieninstituts nennt denn auch zwei gute Gründe für das Fehlen von Blutspuren: Zum einen dürfte Ötzi nach der Verletzung durch den Pfeil einen hohen Blutverlust erlitten haben.

Zum anderen machten die Forscher natürliche Abbauprozesse dafür verantwortlich. Denn auch bei anderen Mumien gebe es nur wenige Arbeiten mit Hinweisen auf Blut. Zudem könne man sich angesichts der verwendeten Technik gar nicht sicher sein, ob es sich dabei tatsächlich um Blutbestandteile handle, so Zink.

Nun ist der Mumienexperte gemeinsam mit den beiden Materialwissenschaftern Marek Janko und Robert Stark von der Technischen Universität Darmstadt doch fündig geworden: Die Wissenschafter untersuchten dünne Gewebeschnitte aus Ötzis Pfeilwunde am Rücken und aus einer Schnittwunde an der rechten Hand mit einem Rasterkraftmikroskop.

"Klassische" Blutkörperchen

Dabei wird die Oberfläche einer Probe mit einer sehr feinen Spitze abgetastet, die jeweilige Ablenkung gemessen und dies Zeile für Zeile, Punkt für Punkt aufgezeichnet. Dadurch entsteht ein dreidimensionales digitales Abbild der Oberfläche. Bei den Proben von Ötzi kam das Bild von roten Blutkörperchen mit der klassischen "Donut-Form" zum Vorschein - genau so, wie die Zellen heute bei gesunden Menschen aussehen.

Um hundertprozentig sicherzugehen, dass es sich nicht um Pollen, Bakterien oder einen Negativabdruck, sondern um das Blutkörperchen selbst handelt, wandten die Forscher noch eine zweite Methode an, nämlich die sogenannte Raman-Spektroskopie. Dabei wird eine Probe mit Laserlicht bestrahlt, das daran gestreute Licht gibt Aufschluss über das Material. Auch die mit dieser Methode gewonnenen Bilder stimmen mit modernen Proben menschlichen Bluts überein, schreiben die Forscher im "Journal of the Royal Society Interface".

Mithilfe der Raman-Spektroskopie konnten die Wissenschafter an der Pfeilwunde zudem Fibrin nachweisen, ein Protein, das die Blutgerinnung steuert. "Da Fibrin bei frischen Wunden auftritt und sich anschließend wieder abbaut, untermauert dieser Fund die These, dass Ötzi direkt im Anschluss an seine Verletzung durch den Pfeil gestorben ist und nicht erst Tage danach, wie zwischenzeitlich einmal vermutet worden war", erklärt Zink.

Nutzen für die Forensik

Von den Erkenntnissen profitieren könnte ein völlig anderes Fachgebiet, die Forensik. Bisher ist es nach Angaben der Forscher praktisch unmöglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen. Weil man mit dem Rasterkraftmikroskop auch die mechanischen Eigenschaften einer Probe testen kann, hatten die Forscher die Hoffnung, durch die Veränderung der Elastizität der Blutkörperchen im Laufe der Zeit eine zeitliche Datierung vornehmen zu können. "Davon sind wir aber noch ein wenig entfernt", so Zink.

Tatsächlich haben sie aber an künstlich gealterten Blutproben gezeigt, dass die roten Blutkörperchen mit zunehmender Zeit härter werden, "wir wissen aber noch nicht, wie schnell das abläuft und ob sich das kontinuierlich verändert". Jedenfalls könnte dies ein möglicher Ansatz sein, um Blutspuren datieren zu können.

Bei Ötzi sind keine weiteren Untersuchungen mit diesen Methoden geplant. Zink will allerdings diese Art der Untersuchung auch auf andere Mumien ausdehnen und auch bei Moorleichen, ägyptischen oder südamerikanischen Mumien anwenden und vergleichen, wie Gewebe bei unterschiedlichen Lagerungsbedingungen erhalten geblieben sind. Dies könnte auch nützliche Hinweise für die Konservierung von Mumien liefern. (APA/tasch, DER STANDARD, 2.5.2012)

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