Strache will "Kanzler der Herzen" werden

1. Mai 2012, 14:07
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Peilt Verfassungs-Sperrminorität an - FPÖ-Chef rührte in Linz Werbetrommel für Direkte-Demokratie-Offensive - EU-Kritik im "Europabierstadl"

Linz - Die FPÖ beging den 1. Mai in Linz, wo derzeit der Urfahraner Jahrmarkt stattfindet. Im Europabierstadl schwor Bundesparteichef Heinz-Christian Strache seine Anhänger gut eineinhalb Stunden lang auf die blaue Offensive "Direkte Demokratie sofort: Dem Volk sein Recht" ein. Strache stellte erneut den Führungsanspruch: "Ja, ich will ein Kanzler der Herzen für alle Österreicher sein." Er strebt mittlerweile 33,4 Prozent und damit eine Verfassungssperrminorität an.

Die Laut Partei über 5.000 Besucher wurden von der John-Otti-Band eineinhalb Stunden lang musikalisch eingeschworen, inklusive mehrerer Proben für den Empfang des Parteichefs. Der umstrittene Linzer Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer, für den es viel Applaus, aber auch Pfiffe gab, wertete das volle Zelt als "beste Meinungsumfrage für uns Freiheitliche".

Kritik an Koalition

Als Strache mit zehn Minuten Verspätung durch eine "Rettungsgasse" einzog, wurde er mit Standing Ovations und jeder Menge rot-weiß-roter Fahnen empfangen. Er verlangte, dass künftig ein Volksbegehren mit "mehr als 250.000 Unterstützungserklärungen" automatisch zu einer Volksabstimmung führen müsse, deren Ergebnis dann verbindlich umzusetzen sei. "Das bedeutet, dass das Recht vom Volk ausgeht."

Strache kritisierte den "rot-schwarzen Stillstand" und forderte u.a. eine Verwaltungsreform, eine Gesundheitsreform, Investitionen statt Experimenten im Schulwesen, Steuerentlastungen für Mehr-Kind-Familien und eine strengere Zuwanderungspolitik. Er sprach sich gegen eine Islamisierung, sowie für einen Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll und dem Euratom-Vertrag aus. Er wünsche sich ein selbstbestimmtes Österreich. "Ich will nicht, dass wir zu einer EU-Sekte degenerieren." Statt "ständig auf den Knien vor der EU herumzurutschen", sollte sich das Land auf die Hinterfüße stellen. Beiträge an die Union, die diese "weiter an die Türkei überweist", müssten eingefroren werden.

Strache fordert "demokratische Revoltion"

Es brauche eine "demokratische Revolution", so Strache. Es sei "nicht gottgewollt", die FPÖ ausgegrenzt werde. Die Regierungskoalition sei "rücktrittsreif". Die ÖVP spiele keine Rolle mehr. Bei den nächsten Nationalratswahlen erwartet der Parteichef ein Duell zwischen sich und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). Strache legte sich die Latte dabei hoch: Wenn es so weitergehe, werde die FPÖ nicht nur die stärkste Partei werden, sondern "einmal auch gegen 40 Prozent gehen". Der SPÖ kämen ohnehin die Wähler abhanden, daher würden nun neue eingebürgert: Bei den roten Mai-Aufmärschen bewahrheite sich der Spruch "Sozialisten aller Länder vereinigt euch", dort sei kaum mehr einen Österreicher zu sehen.

Kritik übte Strache auch an den Medien. So habe der Raiffeisensektor Zugriff auf die Mehrheit der medialen Kontakte in Österreich. Zudem teilte Strache von der Bühne aus mit, dass ein Kamerateam "amtsbekannte Hooligans" habe einschleusen wollen. "Zum Glück konnten wir es rechtzeitig erkennen und sie des Zeltes verweisen." Zu welchem Sender das Team gehört habe, sagte Strache nicht, der Satz schloss allerdings direkt an Kritik am "Rotfunk" ORF an. (APA, 1.5.2012)

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    "Ja, ich will ein Kanzler der Herzen für alle Österreicher sein."

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