Frankreich investiert in die Cloud und setzt auf Open Source

1. Mai 2012, 09:21
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Orange, Thales und der französische Staat wollen die Cloud europäisieren

Mit der "Cloud" wird IT-Infrastruktur als flexible Dienstleistung angeboten, neudeutsch Infrastructure as a Service genannt. Der stark wachsende Markt wird von US-amerikanischen Unternehmen dominiert. Frankreich setzt dem nun das Projekt "Andromède" entgegen. Es soll von Frankreich aus vor allem europäische Unternehmen und Behörden als Kunden gewinnen, nicht zuletzt im Bereich der Militärs und Dienste.

Die Grande Nation backt aber keine kleinen Brötchen, nicht weniger als 225 Millionen Startkapital sind gesichert. Sie kommen zu 44,4 Prozent von der teilstaatlichen France Telecom, zu 33,3 Prozent von der staatlichen Caisse Des Dépôts und zu 22,2 Prozent von der teilstaatlichen Thales. Der Thales-Konzern ist vor allem im Rüstungs- und Verkehrsgeschäft tätig.

Weitere Investoren sind ausdrücklich willkommen. Die Genehmigung der europäischen Wettbewerbsaufsicht steht aber noch aus. Andromède soll tausend Arbeitsplätze in Frankreich schaffen.

Open Source

Die neue Firma soll Rechenkraft, Datenspeicher und Bandbreite flexibel je nach Bedarf zur Verfügung stellen. Die Software zum Betrieb der Wolken wird als Open Source entwickelt. So sollen offene Standards gefördert und ein Ökosystem mit innovativen Entwicklern und Integratoren geschaffen werden. Davon würde die gesamte Wirtschaft Frankreichs und Europas profitieren, heißt es in einer Aussendung von Orange (France Telecom).

Orange will seine Erfahrung als globaler Telecom-Betreiber und Integrator von IT-Infrastruktur beisteuern, von Thales soll die Expertise für Datensicherheit kommen. "Cloud Computing spielt eine zunehmend zentrale Rolle in den kritischen Informationssystemen unserer zivilen und militärischen Kunden", sagte Pascale Sourisse, Senior Vice President bei Thales. " Andromède verschafft uns eine vertrauenswürdige, sichere Infrastruktur um diese Kunden zu versorgen."

Beaucoup de Sous

Als Teil eines 35 Milliarden Euro schweren Projekts der "Investitionen in die Zukunft" hat der französische Staat 4,25 Milliarden Euro für einen "Fonds für die digitale Gesellschaft" bereitgestellt. Dieser Fonds wird von der staatlichen Bank "Caisse Des Dépôts" verwaltet und soll zehn Jahre lang einschlägige Projekte mit Risikokapital unterstützen.

Aus diesen Mitteln wird auch Andromède unterstützt. Andere subventionierte Projekte befassen sich beispielsweise mit Glasfaseranschlüssen für Haushalte (Fibre to the Home, FTTH) und einem neuen experimentellen System zur Ausstrahlung von Multimedia-Inhalten für mobile Endgeräte. (dajs, derStandard.at, 01.05.2011)

 

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hm

bald kommen die ersten dienste die daten in mehreren clouds auslagern können... hoff ich mal :-)

Ausgerechnet die Franzosen,

die als einziges Land Europas Verschlüsselung von Dokumenten nur dann zulassen, wenn die Behörden Zugriff auf den Schlüssel haben!
Die machen das doch nur, weil sie den Amerikanern beim widerrechtlichen Zugriff auf Cloud-Daten Konkurrenz machen wollen. Ich halte das aber trotzdem für vergebliche Liebesmüh. Spätestens nach dem ersten großen Datenskandal in irgendeiner Cloud wird dem dämlichsten Anwender dämmern, daß sensible und geheime Daten nirgendwo im Internet etwas verloren haben. Spätestens dann werden die Geheimdienste nur mehr Zugriff auf mp3-Dateien und Haustierphotos haben. Das wird lustig, dafür haben sie die ganze teure Infrastruktur mitgesponsert...

jetzt warten Sie doch einmal ab! Immer diese Kassandrarufe, bevor noch irgendwas angefangen hat. Positiv denken!

Nix Kassandra. Sarkozy ist ja ein eifriger Befürworter von Softwarepatenten und hat auch sonst allerlei Unfug ins Leben gerufen: HADOPI, LOPSSI2, etc.

Wir brauchen mehr solche Initiativen, die uns von der kompletten Abhängigkeit von den USA bzw. einzelner dortiger Firmen wegbringen - ist aber mal ein guter Anfang.

wer zu solchen Plaenen "Hurra" schreit...

sollte schon mal Krankengeld beantragen. Facebook und so weiter ist schon schlimm, aber dann noch privateste Dinge auf einem staatlich gesponsorten Server ablegen ist krank. Wir wissen jetzt schon nicht mehr was an Informationen ueber den einzelnen im Web herumgeistert, aber wir treiben jedes Jahr neue Saeue durchs Dorf.

Ich schrei zu gar nichts “hurra“, aber im Zweifelsfall ist mir ein Open Source System aus Europa immer noch weit lieber als ein (firmen)proprietäres aus den USA.

Open Source bedeutet in den Fall v.a. Vielaugenprinzip, d.h. wenn die da irgendwo ein Backdoor einmogeln, gibt es früher oder später jemanden der es entdeckt.

Man kann dann ggf. auch forken ( http://de.wikipedia.org/wiki/Absp... twicklung) ) und/oder die Systeme auf eigenen Servern betreiben - alles privacyrelevante Möglichkeiten, die dir bei den Clouds von Google, Apple, Microsoft et al. schon mal grundsätzlich verwehrt bleiben.

Dann noch zu überlegen, was man online speichert (schließlich gibts keine 100%-ige Sicherheit) ist noch ein weiterer notwendiger Schritt.

open source....

bedeutet garnichts. Aber die Bereitschaft der Politiker ihre eigenen Buerger fuer irgendwelche Machtgelueste zu opfern bedeutet etwas. Und es bedeutet etwas das ein Alkoholiker, eine FDJ-Biene und sonstige unterbelichtete Zeitgenossen fuer ihre Buerger Schicksal spielen duerfen. Und ich glaube auch nicht das die Repreasentanten des Pleitekontinents auf Moeglichkeiten zur Spionage verzichten wird.

Völlig wurscht was, es ist immer noch besser als Closed Source auf einem anderen Kontinent, noch dazu dem allerparanoidesten.

Ad Vieraugenprinzip: Ja und nein. Es ist ja nicht garantiert, dass sie auch den veröffentlichen Code genau so implementieren und/oder nichts weiter dazugeben.

Betreiben auf eigenen Servern: Ja, wenn Du die passende Hardware hast.

Hardware? Mit ein bisserl Glück kannst du das Zeug auf so einem Stromspardingerl wie dem Raspberry Pi zum Laufen kriegen für den Eigenbedarf, oder wenn der doch zu wenig ist auf einer ausrangierten Workstation.
Schließlich ist die fette Hardware bei solchen Systemen nur dann nötig, wenn viele User gleichzeitig zugreifen.
Da ist noch am ehesten der Internetzugang im Upload der Flaschenhals.

VIELaugen!

und opensource bedeutet, dass auch andere personen den code benützen können. somit kann ich als privatperson auch ein eigenes cloud erschaffen.

was ich zz sowieso mit Teamdrive mache. leider nicht opensource. aber meine daten sind trotzdem sicher.

ich weiss ehrlich gesagt nicht, was mir lieber ist:

Wenn der französische Staat in meine persönlichen Daten Einsicht hat - oder eben eine amerikanische Firma (und damit alle amerikanischen Geheimdienste).
Es läuft schlussendlich auf das selbe hinaus: Man sollte prinzipiell mit privaten Informationen im Netz geizen, Spuren verwischen und bei Gelegenheit falsche legen.
Durchaus interssant und einer Überlegung wert sind die zwei Firefox-Addons Ghostery und TrackMeNot. Wobei man dadurch noch längst nicht auf der "sicheren" Seite ist, ein bisschen Hausverstand sollte auch noch dabei sein.

Persönliche Daten haben im Internet nichts verloren.

Darauf kann man's eigentlich reduzieren. Die Cloud ist nichts anderes als ein Honeypot für Ahnungslose.
Bleibt noch die Frage, wieso Sie glauben, daß der französische Staat beim Schnüffeln in Ihren Daten um ein Jota harmloser oder rücksichtsvoller oder gar noch befugter wäre als irgendein amerikanischer Geheimdienst...

Hier ist aber schon entscheidend, dass es Open Source sein soll - zur Not kannst du deine eigenen Server betreiben (dann fällt das honeypot-Argument weg) oder die Software gleich forken/umschreiben (lassen), falls dir irgendwas nicht koscher vorkommt.
Das ist dir bei den Lösungen der US-Firmen schon grundsätzlich verwehrt.

Ich seh da keinen Widerspruch zum von mir Gesagten.

Glauben Sie, der frz. Geheimdienst greift nicht auf meine Daten oder die Daten meiner Kunden zu, weil die Datenbank eine Opensourcelösung ist? Oder wie darf ich das verstehen?

Wenn du die Open Source Lösung selber betreibst oder von jemandem vertrauenswürdigen betreiben lässt (vielleicht entschließen sich zb. Leute aus dem Piratenparteiumfeld mal zu sowas), dann fällt diese Zugriffsmöglichkeit automatisch weg.

Und es können wegen der Quelloffenheit auch keine heimlichen Backdoors in der Software verborgen bleiben, was bei zwar selbst betriebenen aber auf proprietären Technologien aufbauenden Clouds der Fall ist.

1. Proprietäre Software + proprietärer Betreiber - schlecht.
2. & 3. Offene Software + proprietärer Betreiber ODER Unabhängiger Betreiber/Eigenbetrieb + proprietäre Software - etwas besser
4. Offene Software + unabhängiger Betreiber/Eigenbetrieb - am besten

Ob 2 oder 3 besser ist, hängt von den Umständen ab:
Bei einem proprietären Betreiber kannst du nicht sicher sein, ob er die offene Software tatsächlich unmodifiziert betreibt.
Und bei proprietärer Software können trotz bester Absicht des Betreibers immer noch Backdoors drin sein.

Alles richtig,

aber die DATEN liegen ja physikalisch auf einem Server, auf den Kreti und Pleti (= das Gesindl von diversen Nachrichten- und sonstigen Diensten) Zugriff hat. Und dort können sie abgegriffen werden, völlig egal, ob die Software, die diese Daten verwaltet, proprietär, quelloffen oder sonstwas ist.
Glauben Sie, um ein einfaches Beispiel zu nennen, ich brauch einen Mysql-Server, um eine Mysql-Datenbank zu lesen? Ok, vielleicht geht mir die eine oder andere Relation verloren (die Geheimdienstheinzis fischen eh am liebsten im Trüben), aber im Prinzip krieg ich sehr viel an Daten 'raus, wenn ich im Extremfall nur die Festplatte mit irgendeinem Tool betrachte - was interessiert mich da das Lizenmodell der Software?

Nanu?

"Mit der "Cloud" wird IT-Infrastruktur als flexible Dienstleistung angeboten, neudeutsch Infrastructure as a Service genannt" ... Hä? Wie meinen?

Meinten Sie etwa: "Mit der "Wolke" wird die informationstechnische Grundeinrichtung als anpassungsfähige Dienstleistung angeboten, neudeutsch "Grundeinrichtung als Dienstleistung" genannt." ???

Vive la Ordinateur!

Hab zuerst ein "r" zuviel gelesen.

Möglicher Weise ein freudscher Schatten aus der Vergangenheit. Ich habe bei der Europ. Raumfahrt viel mit Franzosen zusammen gearbeitet. Die Erfahrung war Sarkossy. Grosse Worte und wenig dahinter.

Viva la france !

Ohne Frankreich hätte es keinen Airbus Flugzeuge oder Ariane Raketen gegeben,
mit samt den 100 Tausenden Arbeitsplätzen in Europa.
Gerade China zeigt,
wie wichtig eine aktive Industrtiepolitik
für neue Arbeitsplätze ist.
Das Neoliberale Modell des schwachen Staates,
der sich aus der Wirtschaft raus hält,
siehe USA, GB,
hat zu einer De-Industrialisierung geführt.
Selbst der momentan Erfolgreichste Industriestaat,
Südkorea,
schützt seine Industrie vor Ausländische Konkurrenz.

http://www.wiwo.de/politik/a... 69062.html

Zumindest die Idee zu Airbus hatten die Deutschen. Übrigens ganz ohne industriepolitischen Hintergrund ;)

Es geht da aber eher primär um

nationales Prestige und wenig um wirtschaftliche Sinnhaftigkeit. Diese Grossprojekte sind oft sehr schwerfällig. Ich habe bei der Europ. Raumfahrt gearbeitet. Dort ist das Problem die Abkündigung von Hardware. Die in der Raumfahrt verwendete Hardware findet man sonst nur mehr im Museum.
Für einen Planungsmilestone wird im Entwicklungszentrum die Tennishalle gesperrt und diese mit Dokumenten zugestopft.
Die Entwicklung geht jedoch von der Nachfrage in den Kinderzimmern aus. Da können diese hoch-bürokratisierten Projekte nicht mithalten.

Dir ist aber sicher klar, dass die französische Industrie gewaltig strauchelt und der nationale Wirtschaftsprotektismus der Franzosen mehr Schwierigkeiten als Löungen für die Zukunt bringt, oder.

linüx

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