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Jörg Hofstätter, Ovos, wird bei den Wissenschaftstagen des Fraunhofer- Instituts vortragen.
Noch vor wenigen Jahren sei man als Experte in Sachen Computerspiele entweder in die Gewalt- oder in die Sucht-Ecke gestellt worden, sagt Jörg Hofstätter, geschäftsführender Gesellschafter der auf Onlinekommunikation und Serious Games spezialisierten Agentur Ovos. Im Juni wird Hofstätter Gastvortragender im Rahmen der 15. Wissenschaftstage des Fraunhofer-Instituts sein. Das Thema: "Spielend lernen - auch in Unternehmen?" "Ich glaube, ich bin dort der einzige Vortragende, der keinen Doktortitel trägt", grinst er. Was aber nichts zur eigentlichen Sache tut.
Seit fünf Jahren beschäftigt sich die Agentur mit Serious und Corporate Games und ist mit ihrer Überzeugung, dass Lernen im 21. Jahrhundert nicht mit den Methoden des 19. Jahrhunderts erfolgreich sein kann, nicht allein. Nicht mehr. Immer mehr Unternehmen wenden sich dem Computerspiel zu Aus- und Weiterbildungszwecken ihrer Mitarbeiter zu. Vor allem im Trainingsbereich, sagt Hofstätter, halten die virtuellen Lernspiele immer weiter Einzug - im Customer Service, in Call Center. In der Renault Academy, der hauseigenen Weiterbildungsstätte des Autokonzerns, werden Autoverkäufer mit allen möglichen Situationen und Aufgaben ihres Berufsfeldes und -alltags konfrontiert.
Scheitern dürfen und lernen
Was aber sollen Computerspiele besser können, respektive was lässt sich leichter erlernen? Hof-stätter: "Man übt unter Zeitdruck, mit limitierten Ressourcen kollaborativ Probleme zu lösen. Computerspiele fördern strategisches Denken, interpretative Analyse und Formulierung von Aufgaben sowie Anpassungsfähigkeit." Hofstätter bezieht sich dabei stets auf den Bereich der Serious Games. Und diese seien mittlerweile jedem zugänglich und auch für kleinere und mittlere Betriebe anwendbar, sagt Hofstätter. Vor allem im Unternehmenskontext, aber auch in der Schule - so das Grundkonzept aller Lernspiele - gehe es darum, innerhalb von nur kurzer Zeit schnell, sicher, günstig und allem voran in einer angstfreien Umgebung scheitern zu dürfen und zu lernen, so Hofstätter weiter.
Und auch wenn Computerspiele - aktuell vor allem im angloamerikanischen Raum - auch schon in Assessments verwendet werden, ein Substitut sei das Computerspiel nicht. Dennoch: Ovos erreichen immer öfter Anfragen für maßgeschneiderte Weiterbildungs- und Informationspakete in Spieleform. Auch in der Vermittlung komplexer Zusammenhänge - etwa in der Vermittlung einzelner Wertschöpfungsketten - nehmen Computerspiele eine mittlerweile beachtliche Rolle ein. Nicht zu unterschätzen sei dabei die Tatsache, dass derlei Anwendungen, welche der älteren Generation oft noch fremd erscheinen, vor allem die Jungen anziehen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 28./29.4.2012)
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