Lehrerinitiative: Neues Dienstrecht für Innovationen nützen

Karin Riss, 29. April 2012, 18:37
  • Einen Auftakt zu den Verhandlungen für das neue Lehrerdienstrecht gab es bereits im April 2011, viel weitergegangen ist seither nicht.
    foto: apa/schlager

    Einen Auftakt zu den Verhandlungen für das neue Lehrerdienstrecht gab es bereits im April 2011, viel weitergegangen ist seither nicht.

In einem offenen Brief wird von der Regierung eine Verknüpfung mit pädagogischen Fragen gefordert

Wien - Harte Brocken lassen sich mit vereinten Kräften einfach besser heben. Also rücken Bildungs-, Finanz- und Beamtenministerin am Donnerstag gemeinsam aus, um mit der Gewerkschaft ein neues Lehrerdienstrecht auszuhandeln - ein Thema, das ihnen seit Jahren wie ein Klotz am Bein hängt.

Mit Thomas Bulant, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Pflichtschulgewerkschafter, bewegt sich jetzt doch etwas im scheinbar festgefahrenen Gefüge. Bulant will die Verhandlungen nicht allein beim Thema Besoldung belassen: "Ich würde viel lieber feilschen um Supportsysteme für Lehrer oder um bessere Arbeitsbedingungen" - und damit ganz grundsätzlich um eine höhere Attraktivität für den Lehrberuf. Grundsätzliches verlangen auch Heidi Schrodt (die ehemalige Direktorin der AHS Rahlgasse), Erwin Greiner (früher Direktor in der Theodor-Kramer-Straße) und Daniel Landau (als Lehrer aktiv am Evangelischen Gymnasium in Wien) vom Netzwerk "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren". 

Botschaft an Lehrer

In einem offenen Brief fordern sie Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf, bei den Verhandlungen nicht "rein budgetären Notwendigkeiten" zu folgen, sondern die "einmalige Chance" zu nutzen, um unter Einbeziehung von pädagogischen Fragen "einen schulischen Innovationsschub" in Gang zu setzen. Ihre Hoffnung: Damit würden auch "Tausende an ihren Leistungsgrenzen arbeitende Lehrer und Lehrerinnen eine andere Botschaft erhalten, als wenn ihnen vermittelt wird, dass sie zu wenig arbeiten".

Was aus Sicht der Absender unter anderem "unverzichtbar" ist: eine " größtmögliche Autonomie an den Schulen", die "Bundeszuständigkeit für alle PädagogInnen", eine "Neudefinition von Lehr- und Lerninhalten" sowie des Lehrerbildes. Dass das neue Dienstrecht - das unter anderem attraktivere Einstiegsgehälter für Junglehrer beinhalten soll - verhandelt wird, bevor die Reformvorschläge zur "PädagogInnenbildung neu" umgesetzt werden, ist für die Initiatoren eine Skurrilität am Rande.

Jetzt sei es wichtig, grundsätzliche Weichen zu stellen. Der offene Brief und die damit verbundenen Forderungen können bald online unterstützt werden. Einer, der jedenfalls in seiner Funktion als Lehrer unterzeichnen wird, ist Gewerkschafter Thomas Bulant. (Karin Riss, DER STANDARD, 30.4.2012)

Kommentar posten
23 Postings
frage

leistungsorientierte bezahlung - was soll das sein? was ist mein leistung? :-) gute noten, lauter einser geben, bitte schoen! schueler/innen und eltern beurteilen meine leistung? von mir abhaengige personen beurteilen meine leistung, na sicher. externes qualitaetsmanagement? 10 arbeitsblaetter im jahr - sehr gut, wer zahlt's?

Ihr/e Vorgesetzte/r

Wie überall sonst auch. Die Person ganz oben (DirektorIn) ist für den Gesamterfolg verantwortlich.
Gesamterfolg ist (aus der Hüfte geschossen):

Schüler erreichen die Bildungsziele (zB Zentralmatura)

LehrerInnen können vernünftig ihren Beruf ausüben

Eltern sind an der Ausbildung ihrer Kinder angemessen beteiligt.

Dazu hat die Person ganz oben entsprechende Befugnisse (Autonomie) und Kenntnisse. Wenns nicht klappt, dann muss wer anderer ganz oben sein.

Weg von starren, nur am Dienstalter und Bildungsabschluss orientierten Gehaltsschemata, hin zu leistungsorientierten, vom personalverantwortlichen Schulleiter festgelegten, pauschalierten Gehältern! Kündigungsmöglichkeit für Leistungsschwache und höhere Gehälter für stark engagierte Lehrer!

Das alleine würde sehr, sehr viel Verbesserung in das Bildungssystem tragen....

klingt gut ist aber fundmentaler unsinn, entscheidend ist noch immer das kind, nicht die lehrerin! die wichtigkeit der lehrerin liegt doch nur darin, dass sich lehrerinnen wichtig machen und weinerlich einknicken, wenn man sie dann verantwortlich für den misserfolg macht! gute lehrerinnen erkennt man darn, dass sie auch bei schwachen kindern noch etwas zusammenbringen, "talentierte" kinder , da kann auch eine lehrerin den erfolg nicht verhindern. wenn ich denke, welche versager mich unterrichteten und dennoch habe ich höhere bildung dann erfolgreich absolviert.

Konkrete Vorschläge wären interessant.

Bisher wurden flexible Gehaltsbestandteile nämlich konsequent gekürzt oder abgeschafft.

der Schulleiter erhält ein Personalbudget, z.B. € 3.500 x Anzahl der Lehrer in Vollzeitanstellung. Dieses Geld verteilt er dann mit großem Spielraum (aber noch innerhalb eines gewissen Rahmens) entsprechend seiner Einschätzung zu Fähigkeit und Engagement eines Lehrers. Bei zu geringen Leistungen kann er auch eine Kündigung aussprechen, angestellt werden nur jene Lehrer, die aus Sicht des Schulleiters in die Schule passen.

Wie in der Wirtschaft eben.

Es gibt viele Direktoren und Direktorinnen, von denen man NICHT ABHÄNGIG sein möchte!
Bei tollen Vorgesetzten funktioniert der Schulbetrieb im Rahmen des Möglichen bestens,ALLE ZIEHEN an EINEM Strang.
Nicht auszudenken, wenn ein Diktatormensch über alles autoritär und nach persönlichem Gutdünken entscheiden dürfte. Oder glaubt jemand, dass eine ersprießliche Arbeit mit einem Geier überm Haupt geleistet werden kann?

direktor

der direktor ist doch nicht der liebe gott, der hire and fire betreiben soll. gibt doch genug direktorInne, die selber zur disposition stünden. in diesem land gibts (noch) gesetze, wie dienstrecht und arbeitsrechte, denen jeder unterliegt. deine rechnung, worauf fusst die? glaubst wirklich, dassd mit 3500,- euro einen arbeitsplatz finanzieren kannst? das sind doch alles nicht funktionierende milchmädchenrechnungen

Puuh.

Wenn ich da die Direktor/inn/en, die ich kenne, Revue passieren lasse, möchte ich denen lieber nicht ausgeliefert sein.

Ein weiteres Problem: Wenn die Schulen Individualbudgets haben und Lehrer/innen frei kündbar sind, dürfen sich ältere Lehrer/innen (derzeit 70%) auf die sofortige Arbeitslosigkeit freuen.

Trotzdem danke ich für die Antwort. Normalerweise kommt nur eine Tirade über die faulen Lehrer, die doch einmal in der Privatwirtschaft usw.

genau

in england längts der fall, dass 40 jährige lehrerinnen entlassen werden, weil man kein geld mehr hat, nicht weil sie nicht qualifiziert wären!!!

Die Leistungsgrenze eines Lehrers ist ja schon erreicht, wenn er mal eine Woche ohne Ferientag durcharbeiten muss.

Alberner Witzbold.

Mein Gott na, der D.. meldet sich wieder!
Man sollte doch glauben, das Forum hätte sich weiterentwickelt, und dann der wieder.

oje

selbst gegen bezahlung (der räumlichkeiten) dürfen die p.t. damen und herren professorInnen dann nicht mehr auf eine gelungene dienstrechtsreform im konfrenezzimmer anstoßen , sagt frau schmidt

und ihr könnt sicher sein,

dass genau das alles nicht berücksichtigt werden wird!

Es ist noch viel schlimmer:

Herr Bulant betätigt sich offensichtlich als Steigbügelhalter. Als Gewerkschafter müsste er eigentlich wissen, dass verbesserte Arbeitsbedingungen so schnell vergessen sind wie sie versprochen wurden. (Computermilliarde, Spraqchförderung etc.)

In drei, vier Jahren ist ohnehin alles anders.

Für das Ministerium geht es nur darum, möglichst billige Lehrer/innen zu bekommen, so niedrig wie möglich ausgebildet und dienstrechtlich elegant geknebelt.

Es wundert mich nicht, dass die üblichen Adabeis und Pensionisten hier mitspielen. Sie haben nichts zu verlieren. Ob sich das Mitheulen für Herrn Bulant auszahlt, wird man ja sehen. Wann steht die nächste Besetzung eines Landesschulratspräsidenten an?

Bulant: Etwa der Helm der Claudia Schmied?

Natürlich ist der Hermann und nicht der Stahl gemeint.

...und noch etwas:

Die lieben Damen und Herren bringen so manches durcheinander. Pädagogischen Fragen zu erörtern, gehört nicht zu den unmittelbaren Aufgaben, wenn überhaupt, der Lehrergewerkschaft. Die Lehrergewerkschaft hat die Aufgabe dienstrechtliche Angelegenheiten in Vertretung für eine Gruppe (Lehrerinnen und Lehrer) mit dem Arbeitgeber auszuhandeln. Nicht mehr und nicht weniger. Dies habe ich bereits öfters ge-"postet". Ein Beispiel: Die Gewerkschaft der Metaller hat nicht die Aufgabe bessere Verfahren der Stahlverarbeitung auszuhandeln bzw. zu fordern sehr wohl aber auf damit verbundene Sicherheitsrisken hinzuweisen bzw. entsprechende Mehrbesoldung oder Sonderzahlungen auszuhandelen, mit dem Arbeitgeber für den Metaller. Wer das nicht versteht, der ?

hello

noch nie gehört, dass auch die arbeitsbedingungen, arbeitsschutz, technische verfahren dort ausgehandelt werden....

..liebe Leute

bei allen folgenden Reformen geht es nicht um Qualität sondern nur um "wo können wir Geld sparen". Seitens der Regierung ok...für die Schülerinnen und Schüler furchtbar...eine Katastrophe. Zu den Expertinnen und Experten, mit denen sich die Ministerin umgibt: die Schrott war eine Direktorin in der Rahlgasse, nie da für Lehrer und Schüler, vor allem nicht für die Lehrer. ein Politkind und no na ned Gesamtschuldurchboxerin. Sie kommt aus dem laufenden Betrieb und kann, trotz der Tatsache, dass sie diesen zumindest teilweise kennt bzw. kennen gelernt hat (sie ist ja eigentlich schon in Pension), nicht verstehen, dass weder Ganztags- noch Gesamtschule unter momentanen Vorzeichen und Bed. nicht durchsetzbar sind...polit. Schueklappen...rot!!

mri ist die vor allem aufgefallen,

dass sie in freier rede keinen graden satz hervorbringt!

Was bewegt den Verfasser dieser Zeilen zu der

völlig absurden Behauptung, es ginge nur um Fragen der Besoldung?

Es ist ja sehr traurig für die FSG-Vertreter/innen in der Lehrergewerkschaft, dass sie beim besten Willen nicht federführend auftreten können.

Doch nicht einmal durch die freundliche Unterstützung der rosa Zeitung wird aus einem privaten Schreiben so etwas wie eine relevante Lehrerinitiative.

größtmögliche Autonomie an den Schulen, ja aber nicht mal so viel

Autonomie, eine Weihnachtsfeier abzuhalten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.