Österreichs Banken fahren Geschäft im Ausland stark zurück

Eigenkapitalnot und verstopfte Finanzierungskanäle schlagen durch. Die Banken reduzierten ihr Geschäft in zwei Jahren um 1,6 Billionen Dollar

Basel/Wien - Die Forderung der EU-Aufsichtsbehörde EBA nach höheren Kapitalquoten führt zu einem beschleunigten Rückzug der Euro-Banken aus verschiedenen Aktivitäten. Mit dem Verkauf von Beteiligungen, Finanzwerten und einer Reduktion des Kreditgeschäfts lässt sich die Eigenkapitalquote ebenso erhöhen wie mit der mangels Nachfrage schwierigen Ausgabe neuer Aktien.

Realwirtschaft leidet

Aus neuen Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ; auch Bank der Notenbanken genannt) geht hervor, dass die Institute ihr internationales Geschäft in den letzten zwei Jahren um 1,6 Billionen Dollar reduzierten. Die Schrumpfkur hat sich zuletzt deutlich beschleunigt: Die Hälfte des genannten Betrags wurde allein im vierten Quartal 2011 abgebaut. Etwas überraschend verkleinerten sich deutsche Banken zu Jahresende am stärksten, gefolgt von französischen und italienischen. Wobei im südlichen Nachbarland die Bremsspur immer länger wird: UniCredit, Intesa & Co haben in den letzten beiden Jahren ihre "Assets" um 400 Milliarden Dollar oder gut ein Drittel zurückgefahren.

Voll im Trend liegt auch Österreich, wo die Banken in den letzten beiden Jahren um 64 Milliarden Dollar geschrumpft sind. Auch hier kam es im vierten Quartal 2011 zu einem deutlichen Rückzug aus verschiedenen Geschäftssparten. Zudem zeigt die BIZ-Statistik, dass der Rückgang in erster Linie auf geringere Kredite an andere Banken zurückzuführen ist. Doch auch die Realwirtschaft bekam deutlich weniger Ausleihungen. Die grenzüberschreitenden Kredite an Private und Unternehmen reduzierten sich weltweit allein im letzten Quartal um 128 Milliarden Dollar, wobei Frankreich das größte Minus verzeichnete, gefolgt von Großbritannien und Belgien.

Sorge um Konjunktur

Die Entwicklung dürfte anhalten. Der Internationale Währungsfonds hat erst kürzlich prognostiziert, dass Europas Banken in den nächsten zwei Jahren um weitere 2,6 Billionen Dollar schrumpfen werden. Die Sorgen, dass diese Entwicklung nicht ohne konjunkturelle Folgen bleibt, wächst. So sind bereits viele Schwellenländer mit einem Kapitalabfluss konfrontiert, der nicht zuletzt auf die Probleme des Euro-Finanzsektors zurückzuführen ist. In Mexiko wird derzeit diskutiert, den Abzug von Geldern behördlich zu unterbinden. Auch die Beschränkung der Kreditvergabe österreichischer Banken in Osteuropa durch die heimische Aufsicht hat in der Region zu kritischen Bemerkungen geführt. In Rumänien, Ungarn oder Kroatien zeichnen ausländische Banken für mehr als 40 Prozent der Kredite verantwortlich, wobei österreichische Institute dominieren.

Ökonomen wie Richard Koo von Nomura sehen die Rückführung der Ausleihungen sehr kritisch. In Japan habe das "Deleveraging" nach dem Platzen der Immobilienblase Anfang der 90er zehn Jahre gedauert. (as, DER STANDARD, 30.4./1.5.2012)

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